Handwerk behauptet sich

Beschäftigung und Umsätze noch stabil

Handwerk behauptet sich

Das Handwerk verzeichnete 2008 eine stabile wirtschaftliche Entwicklung, wobei vom konjunkturellen Umfeld sowohl stimulierende als auch dämpfende Einflüsse ausgingen. Die aufwärtsgerichtete Bau- und Ausbaunachfrage war eine wichtige Konjunkturstütze. Die zunächst noch recht lebhaften Investitionsgüterbestellungen ließen die Umsätze der Zulieferer weiter steigen. Allerdings hat sich der Ordereingang im Jahresverlauf merklich abgeschwächt, hauptsächlich die ausländische Kundschaft und die Autohersteller erteilten weniger Aufträge. Das eingetrübte Konsumklima belastete die Geschäftsaktivitäten der verbrauchernahen Branchen und des Kraftfahrzeuggewerbes.

Die Beschäftigung wurde zu Jahresbeginn 2008 von dem ungewöhnlich milden Winter begünstigt. Hinzu kam, dass die Firmen über komfortable Auftragspolster verfügten. Das Bauhauptgewerbe hat daher Bauaufträge vorgezogen und konnte dadurch die saisonüblichen Personalentlassungen weitgehend vermeiden. Gegenüber dem Vorjahresstand ergab sich ein deutliches Beschäftigungsplus, das sich im 2. Quartal erwartungsgemäß wieder zurückgebildet hat. Zur Jahresmitte waren aber immer noch mehr Personen in den Handwerksbetrieben tätig als vor Jahresfrist. In den folgenden Monaten machten sich dann erste Anzeichen der allgemeinen Konjunkturabkühlung bemerkbar. Die Firmeninhaber haben kaum noch zusätzliches Personal eingestellt. Einige Branchen hatten bereits Mühe- ihre Mitarbeiterzahl einigermaßen stabil zu halten. So ist vor allem die Beschäftigung im Kraftfahrzeuggewerbe wegen der krisenhaften Zuspitzung auf dem Automobilsektor unter Druck geraten. Alles zusammengenommen dürfte der Personalbestand des Handwerks (einschließlich Inhaber und Auszubildende) im Jahresdurchschnitt 2008 rund 4,8 Millionen betragen haben, etwa so viel wie 2007.

Die Umsatzkurve zeigte in den ersten Monaten des Jahres 2008 deutlich nach oben. Ein Hauptgrund hierfür war der milde Winter mit der Folge, dass die Baubranche kaum witterungsbedingte Produktionseinschränkungen zu verzeichnen hatte. Im Vergleich zum 1. Quartal 2007 erzielte das Handwerk daher einen kräftigen Umsatzzuwachs. Begünstigt wurde dieser Anstieg außerdem durch einen statistischen Basiseffekt, weil das Ausgangsniveau 2007 aufgrund der damaligen Mehrwertsteuererhöhung merklich gedrückt war. Der Frühjahrsaufschwung fiel vor diesem Hintergrund verhaltener aus als sonst üblich, zumal die Preisexplosion bei Energie und Rohstoffen die Kauflaune der privaten Haushalte spürbar gedämpft hat. Die Zwischenbilanz für die erste Jahreshälfte wies aber immer noch recht zufriedenstellende Wachstumsraten auf. Seit dem Sommer hat die Konjunktureintrübung auch die Geschäftstätigkeit der Handwerksunternehmen erschwert. Vor allem das Kraftfahrzeuggewerbe und die Automobilzulieferer gerieten wegen der Krise auf dem Automarkt unter Druck. Insgesamt erzielte das Handwerk 2008 ein Umsatzvolumen von rund 502 Milliarden Euro und hat damit das Vorjahresergebnis um nominal 2,5 Prozent übertroffen. Real, nach Abzug der Preissteigerungen, dürften sich die Umsätze auf der Höhe des vorherigen Jahres bewegt haben.

Bei den Investitionsausgaben setzte sich zunächst der Aufwärtstrend aus 2007 fort. Ein wesentlicher Grund hierfür war die nachgelagerte Bezahlung von Investitionsgütern, die wegen des Auslaufens der degressiven Abschreibung noch im Jahr zuvor gekauft wurden. Darüber hinaus wurden die Kapazitätsauslastung und die Finanzierungsbedingungen noch als vergleichsweise günstig eingestuft. In der Folgezeit schlug die Investitionstätigkeit ein deutlich langsameres Tempo ein. Zum einen fehlten die vorgezogenen Investitionsbestellungen, zum anderen hat sich das konjunkturelle Umfeld verschlechtert. Schließlich haben die Banken im Zuge der Finanzmarktkrise die Kreditkonditionen verschärft, wodurch so manche Investitionsmaßnahme nicht realisiert werden konnte. Im gesamten Jahr 2008 gaben die Handwerksbetriebe knapp 13,3 Milliarden Euro für Maschinen, Fahrzeuge und Bauten aus, gegenüber dem Vorjahr war das ein nominales Plus von rund 2 Prozent. Die Investitionsquote (Investitionssumme im Verhältnis zum Umsatz) stabilisierte sich bei 2,7 Prozent, lag aber weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt.

Die Ertragssituation der Handwerksunternehmen geriet wieder stärker unter Druck, nachdem 2007 eine gewisse Stabilisierung festzustellen war. Vor allem der Preisschub bei Energie und Vorprodukten, der im Sommer 2008 seinen Höhepunkt erreichte, hat zu enormen Kostensteigerungen geführt. Andererseits konnten die Handwerker die zusätzlichen Kosten nur teilweise über die Verkaufspreise an die Kunden weitergeben. Der verbliebene Rest ging zu Lasten der Ertragskraft oder musste durch Rationalisierungen aufgefangen werden. Die Betriebe versuchen, den Energiekostenanstieg zu bremsen. Nach einer Erhebung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks haben rund 63 Prozent der Umfrageteilnehmer in den letzten Jahren Maßnahmen zur Energieeinsparung vorgenommen.

Der Betriebsbestand war im Jahr 2008 erstmals seit der Novellierung der Handwerksordnung 2004 leicht rückläufig, und zwar um voraussichtlich 0,2 Prozent auf 960.000. Verantwortlich für diese Trendwende waren zwei Ursachen: Zum einen hat sich das Gründungsgeschehen weiter verlangsamt. Zum anderen ist die Zahl der Betriebsschließungen merklich gestiegen, insbesondere in den zulassungsfreien B1-Handwerksberufen. bü/los