Während psychische Erkrankungen unter Auszubildenden insgesamt zunehmen, sind sie im Handwerk vergleichsweise selten. Warum das so ist.

Die psychische Gesundheit junger Menschen hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Laut der Studie "Jugend in Deutschland 2024" sind Stress, Einsamkeit und Angstzustände seit der Corona-Pandemie stark angestiegen – eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Rund 20 Prozent der unter 30-Jährigen zeigen so starke psychische Belastungen, dass professionelle Hilfe nötig ist.
Mehr psychische Erkrankungen bei Auszubildenden
Diese Entwicklung zeigt sich auch bei den Auszubildenden: Nach Daten der IKK classic stieg der Anteil psychischer Erkrankungen am Krankheitsgeschehen bei Azubis von 12,5 Prozent im Jahr 2022 auf 13,6 Prozent im Jahr 2024. Damit sind psychische Erkrankungen mittlerweile die zweithäufigste Krankheitsursache unter Auszubildenden – direkt hinter den Atemwegserkrankungen mit 35 Prozent.
Handwerkliche Azubis seltener betroffen
Ein Blick in die Branchen zeigt deutliche Unterschiede. Während in der Industrie rund jeder fünfte Auszubildende (20,2 Prozent) betroffen ist, liegt der Anteil im Handwerk mit 10,7 Prozent deutlich darunter. Auch im Handel sind die Werte niedrig, während Dienstleistungsbranche (14,6 Prozent) und Öffentlicher Dienst (14,3 Prozent) höhere Zahlen verzeichnen.
"Damit leiden handwerkliche Auszubildende deutlich seltener unter psychischen Erkrankungen als der Durchschnitt", erklärt Frank Hippler, Vorstandsvorsitzender der IKK classic. "Körperliche Bewegung, feste Tagesstrukturen und ein starkes Wir-Gefühl in den Handwerksbetrieben könnten hier eine positive Rolle spielen."
Frühwarnzeichen erkennen und handeln
Für Betriebe und Ausbilder ist es entscheidend, Warnsignale frühzeitig zu erkennen. Hinweise auf Überlastung können sozialer Rückzug, Stimmungsschwankungen oder häufige Krankmeldungen sein. "Diese Anzeichen müssen nicht zwangsläufig eine Krankheit bedeuten, sie deuten aber oft auf Überlastung hin. Ausbilder sollten in solchen Fällen aufmerksam sein und frühzeitig das Gespräch suchen", so Hippler.
Die IKK classic unterstützt die psychische Gesundheit von Azubis mit Gesundheitskursen an Berufsschulen (#missionmacher), einem Podcast zu Themen wie Stress und Mobbing ("Ausbildung? Machen wir.") sowie den Apps "mentalis CareNow" und "mentalis" zur Soforthilfe und Nachsorge. avs