Fünf Handwerker aus fünf Branchen sagen, wo es langgeht Handwerk 2016: Ausblick aus der Praxis

Fünf Handwerker aus fünf Branchen über die wichtigsten Entwicklungen in ihrem Handwerk fürs kommende Jahr.

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Was müssen die Betriebe lernen? Welche Technik macht das Rennen? Wo muss investiert werden? Die DHZ hat fünf Handwerker aus fünf großen Branchen gefragt, wohin die Reise im kommenden Jahr geht.

Wohnungsbau als Konjunkturzugpferd

Laura Lammel ist Geschäftsführerin bei Lammel Bau in München. - © Foto: privat

Die von Verkehrsminister Dobrindt verstärkt eingesetzten ÖPP (Öffentlich-Private Partnerschaft) bei der Vergabe der Baustellen auf den Autobahnen sieht die stellvertretende Obermeisterin der Bauinnung München aber sehr skeptisch. "Bei den großen ÖPP-Projekten wird der leistungsstarke heimische Mittelstand vom Wettbewerb ausgeschlossen und auf nur drei oder vier internationale Konzerne verengt. Das ist schlecht für den Steuerzahler, die heimischen Mittelständler und deren Beschäftigte." Insgesamt blickt das Vorstandsmitglied im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes positiv auf 2016: "Ob Energiewende, Infrastruktur oder der seniorengerechte Umbau von Wohnungen und Häusern, bei vielen Zukunftsaufgaben unseres Landes spielt die Bauwirtschaft eine große Rolle. Daher schaue ich optimistisch in das nächste Jahr." end

An digital kommt keiner vorbei

Michael Schreiner ist Elektrotechnikermeister und Inhaber eines Elektrobetriebs in Wiesbaden mit 19 Mitarbeitern. - © Foto: privat

Elektrotechnikermeister Michael Schreiner: "Zwei Kernthemen werden für die Elektrobetriebe im nächsten Jahr immer wichtiger. Das ist zum einen die Digitalisierung. Die Netzwerktechnik hält zum Beispiel auch in privaten Räumen Einzug. Die Betriebe sollten sich unbedingt den neuen Techniken öffnen und ihre Mitarbeiter dahingehend schulen. In Wohnungen ist die Technik zwar eher noch ungebräuchlich, wird aber auch dort oft schon durch industrielle Insellösungen abgedeckt. Im privaten Hausbau allerdings steigt das Interesse an Smart-Home-Technik merklich an. Das zweite wichtige Thema ist die Beleuchtungstechnik mit LED. Dort ist ein großer Umbruch im Gang. Die Technik hat Marktreife erlangt und wird bei immer mehr Ausschreibungen – ob Klein- oder Großprojekte – verlangt. Derzeit geht der Trend zum Contracting, bei dem sich Bauherren die Technik fremdfinanzieren lassen und auf Mietbasis abbezahlen, bis sie ihr Eigentum ist."

Raus mit den alten Heizkesseln

Peter Ullrich ist Geschäftsführer von Ullrich Bad Design Heizung- + Sanitär GmbH aus Bebra. - © Foto: Ullrich

"In den letzten zwei Jahren war der Heizungsmarkt sehr ruhig", sagt Peter Ullrich. Die Winter in der Region im hessischen Bebra waren zu warm und die Heizölpreise rekordverdächtig niedrig: Alles keine Beweggründe für den Verbraucher, die Effizienz und den Kostenfaktor alter Heizkessel infrage zu stellen. 2016 erwartet der Geschäftsführer der Ullrich Bad Design Heizung- + Sanitär GmbH mehr Bewegung auf dem Markt. "Die Bundesregierung setzt mit der KfW-Förderung ‚energieeffizient sanieren‘ deutliche Signale und erhöht den Investitionszuschuss von zehn auf 15 Prozent", sagt der Heizungstechniker. Darüber hinaus werde das Energielabel für Altanlagen den Verbraucher für das Thema Energieeffizienz sensibilisieren. SHK-Handwerker und Schornsteinfeger können ab Januar bestehende Heizkessel mit dem Energielabel versehen. Anstatt alte Kessel zu reparieren, hofft Ullrich, dass Verbraucher in neue, umweltschonende Anlagen investieren. Dazu könnte auch die staatliche Förderung des Heizungschecks mit bis zu 80 Euro beitragen, die ebenfalls ab Januar 2016 in Kraft tritt. Im neuen Jahr wird für den 51-Jährigen auch das Thema Internet weiter in den Mittelpunkt rücken. "Wie bei jedem anderen Fachhandwerk, wird die Onlinepräsenz immer wichtiger." Doch am Ende des Tages komme es auf einen ganz besonderen Unterschied zu den Online-Händlern an, der dem SHK-Handwerk den Rücken stärkt: Während man bei diversen Online-Händlern Zusatzteile und Produkte schnell und günstig bestellen kann, ist es doch der Fachhandwerker, der auf der Matte steht, sollte die Heizung ausfallen – und nicht etwa jemand aus dem Online-Versandhaus. sd

Meistervorbehalt sichern

Heinz Hoffmann ist Inhaber der Münchener Bäckerei und Konditorei Hoffmann und bayerischer Landesinnungsmeister. - © Foto: privat

Bäckermeister Heinz Hoffmann: "Die Herausforderungen im Lebensmittel- und speziell im Bäckerhandwerk werden 2016 nicht kleiner werden. Die Kunden müssen immer stärker überzeugt werden, mehr Geld für qualitativ hochwertige Produkte auszugeben. Die Backshops machen uns das Leben schwer, auch weil sie an Sonntagen und Feiertagen geöffnet haben. Eine weitere Herausforderung ist es, Menschen zu finden, die weiter bereit sind zu ‚dienen‘ gegenüber dem Kunden. Personal, das sich in den Verkauf stellen will, wird immer schwieriger zu finden und das betrifft nicht nur die Nachwuchskräfte. Ein existenzielles Problem ist für Kleinunternehmen auch die EEG-Umlage. Seit ihrer Einführung sind die Stromkosten bei manchen Betrieben um 70 Prozent gestiegen. Im Gegensatz zu den Großkonzernen gibt es für energieintensive Handwerksbetriebe keine Rabatte. Nicht zuletzt blicken wir mit Sorge auf die möglichen Folgen des Freihandelsabkommens TTIP. Zum Beispiel wenn amerikanische Bäcker nach Deutschland kommen und in unserem zulassungspflichtigen Handwerk ohne unsere Meisterqualifikation einen Betrieb eröffnen wollen. Trotz aller gegenteiliger Beteuerungen und dem weltweiten Lob für das duale Ausbildungssystem könnte der Meistervorbehalt auf der Strecke bleiben. Das würde das Handwerk in die falsche Richtung führen."

Kfz-Gewerbe muss sich 2016 auf hohe Investitionen einstellen

Peter Matthes ist Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses in Meiningen. - © Foto: Michael Reichel

Peter Matthes, Geschäftsführer eines Autohauses: "Viele markengebundene Autohäuser werden sich 2016 auf kräftige Investitionen einstellen müssen, weil die Hersteller neue Vertriebs- und Servicestandards durchsetzen wollen, die sogenannten Retail-Standards. Vor allem kleinere Kfz-Betriebe können da womöglich nicht mitziehen. Wer die Unternehmensnachfolge nicht rechtzeitig regelt, kann zudem Probleme bei den Kreditverhandlungen mit der Bank bekommen. Im Werkstatt-Bereich drücken die seit Jahren rückläufigen Unfallzahlen und die milden Winter das Geschäft. Das lässt sich aber ausgleichen. Wir haben uns zum Beispiel im Tuning-Bereich einen Namen gemacht. Inzwischen lassen Kunden aus ganz Deutschland ihre Fahrzeuge bei uns veredeln.Vom Abgasskandal spüren wir als BMW-Vertragshändler bisher nichts. Große Chancen versprechen wir uns 2016 vor allem vom 100-jährigen Jubiläum bei BMW, das unser Vertragspartner mit vielen Sondermodellen feiern wird. Insgesamt profitiert das Kfz-Handwerk von der größeren Vielfalt an Modellvarianten der Hersteller."