Noch heißt der graue Betonbau im Feldlager Prizren ELAZ. Das steht für Einsatzlazarett und ist wohl der wichtigste Beitrag, den die Bundeswehr derzeit zum NATO-geführten Einsatz im Kosovo leistet. Soldaten aller 31 KFOR-Nationen können die kleine Klinik nutzen, die den Standard eines deutschen Kreiskrankenhauses auf den Balkan gebracht hat.
Hämmern für den Abzug im Kosovo
Prizren (dapd). Noch heißt der graue Betonbau im Feldlager Prizren ELAZ. Das steht für Einsatzlazarett und ist wohl der wichtigste Beitrag, den die Bundeswehr derzeit zum NATO-geführten Einsatz im Kosovo leistet. Soldaten aller 31 KFOR-Nationen können die kleine Klinik nutzen, die den Standard eines deutschen Kreiskrankenhauses auf den Balkan gebracht hat. Künftig könnten aber nicht Uniformen das Bild bestimmen, sondern Studenten.
Noch ist die Bundeswehr mit gut 900 Soldaten im Kosovo präsent. Doch werden nach zwölf Jahren Einsatz die Weichen in Richtung Abzug gestellt, macht der Kommandeur des Deutschen Einsatzkontingentes, Oberstarzt Christoph Rubbert, am Mittwoch bei einem Truppenbesuch des Parlamentarischen Verteidigungs-Staatssekretärs Christian Schmidt (CSU) in Prizren deutlich. Mit Rubbert hat zum ersten Mal ein Arzt das Kommando über die Bundeswehrtruppen in dem Balkanland. Schon das zeigt den Wandel.
Feldlager Prizren künftig Universitätscampus?
Zwei der früher vier Bundeswehrcamps werden bereits nicht mehr militärisch genutzt. Sie werden zurückgebaut und eingeebnet, erläutert Rubbert. Hier wird schon gehämmert, geschraubt, inventarisiert und alles gut verpackt. Genau 1.004 Container sollen es werden, die mit nicht mehr benötigtem Material nach Deutschland zurückgehen. Insgesamt 20 Züge sollen in die 2.200 Bahnkilometer entfernte Heimat rollen. "Vieles von dem hier kann gut für Afghanistan verwendet werden", heißt es im Kosovo.
Für Prizren allerdings, dem größten deutschen Feldlager, hat sich die Bundeswehr etwas Besonderes einfallen lassen. "Hier könnte künftig die Universität einziehen. Es ist ein idealer Campus", erläutert ein Sanitätsoffizier. Allein das ELAZ sei schon "Gold wert" im Vergleich zum Standard des örtlichen Krankenhauses. Offen ist allerdings, wer die Kosten trägt, wenn nicht nur das Gebäude, sondern auch die teuren Geräte übergeben werden sollen. Hier hofft die Bundeswehr auf Unterstützung des Auswärtigen Amtes oder des Entwicklungshilfeministeriums.
Ein Campus für Tausende Studenten ist nicht einmal utopisch. Auf dem 46 Hektar großen Gelände in Prizren stehen seit langem bereits sogenannte Einsatzfeldhäuser mit mehr als 500 Wohneinheiten. Daraus ließe sich ohne großen Aufwand ein Studentenwohnheim organisieren. Vor wenigen Jahren hat die Bundeswehr zudem einen riesigen Verpflegungsstützpunkt gebaut, der einer deutschen Uni-Mensa alle Ehre machen würde. "Wir haben die gesamte Infrastruktur eigentlich schon da", hießt es bei der Bundeswehr. Und eine Universität wäre ja auch ein "würdiges Abschiedsgeschenk".
Bleiben soll mehr als eine Gedenktafel
Mit dieser Konversionsidee ragt Deutschland unter den NATO-Partnern heraus. Andere Nationen wollen die Landwirtschaft nicht behindern und bauen ihre einstigen Feldlager so zurück, dass sie wieder als Felder genutzt werden können. Andere bieten die bebauten Liegenschaften den Kommunen an, die daraus so etwas wie Erstaufnahmelager für Kosovo-Flüchtlinge machen, die nach Jahren wieder in ihre Heimat zurückkommen. Deutschland indes will - als jahrelang größter Truppensteller des Kosovo-Einsatzes - etwas auf Dauer hinterlassen.
Staatssekretär Schmidt findet die Campus-Idee gut. Es müsse "mehr bleiben als eine Gedenktafel", mahnt er. Und findet den Standort Prizren ideal, die Erinnerung an den 1999 gestarteten Einsatz wachzuhalten. Über die Jahre hinweg haben schließlich mehr als 100.000 Bundeswehrsoldaten im Kosovo gedient, zumeist in Prizren.
dapd
