Der Hackerangriff auf einen Rechner des Zolls wird strafrechtliche Konsequenzen haben. Das Zollkriminalamt bereite eine Anzeige wegen Datendiebstahls vor, berichtete der "Spiegel" am Wochenende.
Hacker sollen es beim Angriff auf den Zoll leicht gehabt haben
Berlin (dapd). Der Hackerangriff auf einen Rechner des Zolls wird strafrechtliche Konsequenzen haben. Das Zollkriminalamt bereite eine Anzeige wegen Datendiebstahls vor, berichtete der "Spiegel" am Wochenende. Angeblich sollen es die Eindringlinge leicht gehabt haben: "Die eingesetzte Server-Software gilt als nicht sicher und ist allenfalls für den Privatgebrauch geeignet", sagte der FDP-Innenexperte Jimmy Schulz dem "Focus".
Die Hacker waren in der Nacht zum Freitag in den Zoll-Rechner eingedrungen und hatten große Mengen interner Daten aus dem Behördencomputer im Internet veröffentlicht. Die entwendeten Daten stammen laut Bericht offenbar von einer Observationseinheit der Zollfahndung in Karlsruhe. Der geknackte Rechner habe jedoch keine Verbindung zu vertraulichen Informationssystemen gehabt.
"Focus" meldete, die Hacker hätten auf unverschlüsselte Passwörter zugreifen können. Das Magazin zitierte Jens Heider vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie mit der Vermutung, es handele sich um einen Programmierfehler: "In solchen Datenbanken sollten jedenfalls keine Passwörter gespeichert werden." Die Fehler hätten durch Sicherheitstests leicht entdeckt werden können, hieß es weiter.
Wiefelspütz: "Hacker sind Keine Helden"
Zu der Cyber-Attacke hatte sich die Gruppe "No-Name Crew" bekannt. Als Motiv führte sie an, sich gegen einen Überwachungsstaat wehren zu wollen. SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz ließ dies aber nicht gelten und sprach von simpler Kriminalität. "Dafür gibt es nicht die geringste Rechtfertigung", sagte Wiefelspütz dem NDR. "Das finde ich auch ziemlich absurd, dass man solche Leute jetzt auch noch zu Helden macht. Das sind keine Robin Hoods oder so etwas, sondern das ist ganz bösartig."
Den Angriff müsse man sehr ernst nehmen, sagte Wiefelspütz weiter. Ähnliche Attacken könnten auch andere Institutionen treffen. Besonders gefährlich wäre dies bei Einrichtungen wie Kraftwerken oder der Wasserversorgung. Das einzige, was gegen solche Angriffe helfe, sei "Aufrüstung". "Das geht auch, da wird man Schritt für Schritt auch erfolgreicher werden können", sagte der SPD-Politiker. Im Gange sei ein technischer Wettlauf.
Die "No-Name Crew" hatte sich im Internet mit dem Bekenntnis zu Wort gemeldet: "Bundespolizei - Leaked - Das ist die Rache". Man nehme jetzt den Kampf gegen den "wachsenden Missbrauch von Rechten zur Überwachung der Bürger" auf, "denn so kann es nicht weiter gehen". Die Hacker kritisierten vor allem Pläne zur Vorratsdatenspeicherung. Sie erklärten, "Signale seitens des politischen Establishments geben zu verstehen, dass die Unantastbarkeit gewisser Grundrechte nur eine Farce ist ".
dapd
