Positive Konjunktursignale Guttenberg warnt vor Euphorie

Angesichts neuer positiver Konjunktursignale warnt Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor zu viel Optimismus. Es gebe zwar einen "positiven Stimmungsindikator", doch sei "Nüchternheit" geboten.

Guttenberg warnt vor Euphorie

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts haben sich die deutschen deutschen Exporte im Mai leicht erholt. Die Ausfuhren stiegen kalender- und saisonbereinigt im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Prozent. Im Vorjahresvergleich gab es jedoch nach wie vor ein deutliches Minus um 24,5 Prozent. Im April hatten die Ausfuhren mit minus 29 Prozent den stärksten Einbruch auf Jahressicht seit Beginn der Datenreihe 1950 verzeichnet.

Der Präsident des Bundesverban­des Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, sprach von einer Bodenbildung "auf extrem niedrigem Niveau". Das Tal sei noch nicht durchschritten.

IMK erwartet keine Wende zum Besseren

Eher skeptisch zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung äußerte sich das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. "Dank der staatlichen Stabilisierungspolitik werden wir 2010 eine Beruhigung erleben, aber keine Wende zum Besseren", sagte IMK-Direktor Gustav Horn. Ein Ende der tiefen Wirtschaftskrise sei noch nicht absehbar. Ab der zweiten Jahreshälfte gehe der konjunkturelle Absturz zwar in einen Sinkflug über. Die Grundtendenz bleibe aber weiterhin leicht negativ.

Seine Prognose für die Entwicklung des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) in diesem Jahr senkte das IMK nochmals deutlich. Statt eines Rückgangs von 5,0 Prozent, wie im März vorausgesagt, wird nun mit einer Verringerung um 6,5 Prozent gerechnet. Für 2010 erwarten die Experten einen Rückgang um 0,4 Prozent, nachdem bislang ein Plus von 0,2 Prozent vorausgesagt worden war.

Andere deutsche Ökonomen erwarten angesichts des überraschend starken Anstiegs der Produktion im verarbeitenden Gewerbe und der unerwartet guten Auftragslage in der deutschen Industrie eine Konjunkturerholung in den kommenden Monaten. "Wir hatten damit gerechnet, dass es wieder aufwärtsgeht. Aber dass es so stark hochgeht, hat uns überrascht", sagte Kai Carstens, Konjunkturexperte beim Münchner Ifo-Institut. "Es könnte sein, dass die Welt besser dasteht als bisher gedacht."

"Den Boden haben wir erreicht. Im nächsten Jahr, vielleicht schon Ende dieses Jahres, werden wir eine leichte Aufwärtsbewegung erleben", sagte auch Wolfgang Franz, Vorsitzender der "Wirtschaftsweisen" und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. "Die weltweiten Konjunkturprogramme werden in den kommenden Monaten ihre Wirkung entfalten, das wird die Aufwärtsbewegung verstärken."

Das Statistische Bundesamt teilte am Donnerstag zudem mit, dass sich der Umsatzrückgang im Verarbeitenden Gewerbe im Mai verlangsamt hat. Die Inflationsrate für Juni sei mit plus 0,1 Prozent weiter niedrig.

Michael Wojtek/ddp