Der frühere Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat ein düsteres Bild der deutschen Außenpolitik der vergangenen Jahre gezeichnet. Das Land habe sich in Abhängigkeiten verstrickt. Grundlegende Probleme sieht er außerdem in der deutschen Mentalität.

Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat in München beim Kongress "Zukunft Handwerk" die deutsche Außenpolitik der vergangenen Jahrzehnte scharf kritisiert. "Wir haben uns eingerichtet und in Abhängigkeiten begeben", sagte er. Das Land habe sich in einem "Tiefschlaf" befunden.
Bedenklich seien die Abhängigkeit von den USA in der Verteidigung, früher von Russland bei der Energieversorgung und von China im Handel. Diese Verflechtungen hätten Deutschland in eine gefährliche Lage gebracht. "Es gilt wieder das Recht des Stärkeren", betonte Guttenberg mit Blick auf Washington, Moskau und Peking.
Er machte deutlich, dass Europa nicht länger auf den Schutz der USA vertrauen könne. "Die Welt nach der Regierungszeit von Donald Trump wird nicht mehr dieselbe sein." Die Energiekrise habe gezeigt, wie riskant eine einseitige Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen sei. Auch die Handelsbeziehungen zu China seien kritisch: Die deutsche Wirtschaft habe sich zu stark auf den Export nach China konzentriert und sei dadurch anfällig geworden.
Verschiebung der Machttektonik
Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), unterstützte diese Analyse. "Wir erleben eine Verschiebung in der globalen Machttektonik", sagte Dittrich und wies darauf hin, dass diese Veränderungen direkte Auswirkungen auf die Lebenswirklichkeit der Betriebe hätten. Er forderte eine stärkere europäische Zusammenarbeit: "Deutschland wird im Kreis seiner europäischen Nachbarn an einer Lösung mitarbeiten müssen."
Kritik an deutscher Mentalität
Neben den internationalen Herausforderungen sprach Guttenberg auch über grundlegende Probleme in der deutschen Mentalität. Er bemängelte die fehlende Fehlerkultur und die Angst vor dem Scheitern: "Wir sind Weltmeister darin, Besitzstände zu wahren." Diese Haltung verhindere Innovation und Flexibilität und führe dazu, dass Deutschland sich zu sehr auf den Status quo konzentriere, anstatt neue Wege zu beschreiten. "Wir sind eine risikoaverse Gesellschaft geworden", fügte er hinzu und kritisierte die mangelnde Bereitschaft, Risiken einzugehen und aus Fehlern zu lernen.
Ein weiteres Thema war die überbordende Regulierungskultur in Deutschland. "Wir haben eine Obsession zu regulieren", sagte Guttenberg. Diese Bürokratisierung belaste nicht nur Unternehmen, sondern schränke auch die Fähigkeit des Landes ein, schnell und effektiv auf globale Herausforderungen zu reagieren. Deutschland bezeichnete er als "heruntergewirtschaftet" und "marode". Sein Appell war klar: Europa müsse Verantwortung übernehmen und dürfe nicht länger auf andere Mächte vertrauen. "Wir sind alle gefordert, unser Denken zu verändern."