Handwerkskonjunktur Gute Stimmung auf breiter Front

Die Konjunktur im Handwerk hat weiter an Dynamik gewonnen. Die Handwerksbetriebe bewerten ihre Umsatzentwicklung besser als jemals zuvor.

Karin Birk

Die Handwerksbetriebe in Deutschland sind mit ihrer wirtschaftlichen Situation sehr zufrieden. - © Dominik Scythe/unsplash.com

Das Handwerk hat im Jahresverlauf beim Umsatz noch weiter an Fahrt gewonnen und blickt mit Zuversicht ins kommende Jahr: "Für 2018 sind und bleiben die Betriebe im Handwerk optimistisch", kommentierte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke den aktuellen Konjunkturbericht des Handwerks zum dritten Quartal. Für das laufende Jahr hat der Handwerksverband seine im Frühjahr abgegebene Umsatzprognose von 3,0 Prozent weiter erhöht. "Wir gehen jetzt davon aus, dass die Umsätze 2017 im Gesamthandwerk um 3,5 Prozent steigen werden", fügte Schwannecke hinzu. Und es könnte noch mehr sein, gebe es ausreichend viele Fachkräfte.

Rekordbeschäftigung und niedrige Zinsen beflügeln Handwerkskonjunktur

Dabei wird die Geschäftslage nach den Worten Schwanneckes derzeit in allen handwerklichen Gewerbegruppen positiv eingeschätzt. Knapp zwei Drittel der Betriebsinhaber seien mit ihrer Geschäftslage "sehr zufrieden, nur sieben Prozent "unzufrieden", sagte Schwannecke weiter. Besonders gut liefen die Geschäfte in den Bau- und Ausbauhandwerken und den Handwerken für den gewerblichen Bedarf. Insgesamt hat der Geschäftsklimaindex, der Lage und Erwartung bündelt, mit 145 Punkten ein weiteres Allzeithoch erreicht. Als Grund für die gute Lage nannte das Handwerk die allgemein gute konjunkturelle Lage mit niedrigen Zinsen und hoher Erwerbstätigkeit.

Besonders hohe Auftragsreichweite im Bauhauptgewerbe

Das bleibt nicht ohne Folgen. Die Kapazitäten sind ausgelastet, die Investitionen in Maschinen und Anlagen steigen und die Auftragspolster werden dicker. "Besonders in Branchen wie Bau- und Ausbau bestehen weiter hohe Auftragsbestände", sagte Schwannecke weiter. Die Auftragsreichweite betrage im Bauhauptgewerbe mittlerweile elf Wochen. "Vor allem in Ballungsgebieten müssen Bauherren deshalb rechtzeitig planen und Aufträge erteilen", riet er. Aber auch in anderen Gewerken habe sich die Reichweite gegenüber dem Frühjahr von knapp sieben auf fast acht Wochen erhöht.

Fachkräfteengpass bleibt Wachstumsbremse

Um die Aufträge abzuarbeiten, hätten schon jetzt knapp ein Fünftel der Betriebe das Personal aufgestockt. Insgesamt seien bis zur Jahresmitte 33.000 neue Fachkräfte eingestellt worden. 2016 konnten insgesamt 25.000 Stellen im Handwerk mehr geschaffen werden. Wie Schwannecke weiter sagte, ist es für die Betriebe allerdings schwierig, die Kapazitäten weiter auszuweiten. "Es sind einfach nicht genügend Fachkräfte zu finden", sagte er. "Dieser Fachkräfteengpass verhindert letztlich, dass die Beschäftigung wie auch die Umsätze im Handwerk noch stärker wachsen als sie es derzeit schon tun", betonte er.

Absatzpreise steigen

Das hat auch Auswirkungen auf Löhne und Preise. Die Engpässe am Arbeitsmarkt hätten die Lohndynamik erhöht, heißt es im ZDH-Konjunkturbericht. Sie machten Preiserhöhungen für viele handwerkliche Erzeugnisse und Dienstleistungen unumgänglich. So hätten 23 (Vorjahreszeitraum: 17) Prozent der befragten Betriebe ihre Preise im Befragungszeitraum erhöht und nur fünf (6) Prozent ihre Preise gesenkt. In manchen Gewerken spielten auch höhere Energie- und Materialpreise eine Rolle.