Gute Planung zahlt sich aus

Auch ohne Eigenkapital konnte Manuel Pichler seinen Traum eines Hörgeräte-Forums erfüllen

Von Martin Buttenmüller

Gute Planung zahlt sich aus

Mein Businessplan war 50 Seiten dick“, erinnert sich Manuel Pichler an die Zeit seiner Existenzgründung. „Ich hatte alles sehr genau geplant“, betont der 26-jährige Inhaber eines Geschäfts für Hörgeräte. Dennoch sei vieles anders gekommen als erwartet.

Nach seiner Ausbildung zum Hörgeräteakustiker und fünf Jahren als Geselle war der Wunsch nach einem eigenen Unternehmen sehr stark: „Ich wollte für mich und nicht mehr für andere arbeiten.“ Er tauschte sich mit einem anderen Gründer aus, der sich zur gleichen Zeit selbstständig machen wollte, sowie mit einer Beraterin der Handwerkskammer Reutlingen. „Das kann ich nur empfehlen“, sagt Pichler. „Wenn man seine Gründung mit anderen bespricht, wird einem allein dadurch vieles klarer.“ Noch während seines Meisterstudiums suchte Pichler den Standort für sein Unternehmen. Auf einer regionalen Landkarte markierte er mit Stecknadeln die Orte, in denen es Wettbewerber gab. Auf diese Weise ermittelte er, dass Spaichingen mit Anbietern von Hörgeräten noch unterversorgt war. Er beschloss eine Gründung in dieser Gemeinde.

Am Anfang war ein Zettel

So sorgfältig der Standort geplant war, so zufällig war die Wahl der Räumlichkeiten. Auf der Hauptstraße von Spaichingen hing ein Zettel: „Zu vermieten“. Die Gewerberäume sahen zwar äußerst renovierungsbedürftig aus, aber zwei Tage später unterschrieb Pichler den Mietvertrag. Wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, da er weder seinen Meisterbrief besaß, noch die Finanzierung in trockenen Tüchern hatte dieses Risiko ging der von seiner Idee überzeugte Gründer ein.

„Ich finde, eine Gründung sollte man nicht nach dem Motto ,Ich probier das jetzt mal‘ betreiben“, ist Pichler überzeugt. „Ich mach’ das jetzt“, habe er sich damals gesagt und ging mit einer Vorbestätigung seines Meisterbriefs zur Sparkasse. Den Bankberater konnte er schnell von dem Gründungsvorhaben überzeugen. Da Manuel Pichler nicht über eigene Mittel verfügte, wurde die Finanzierung mit dem Förderprogramm „Starthilfe“ realisiert. Dieses besteht aus einem zinsverbilligten Darlehen der L-Bank, Staatsbank für Baden-Württemberg, in Kombination mit einer Bürgschaft der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg in Höhe von 80 Prozent. Gründer, denen es an Eigenkapital und Sicherheiten mangelt, können mit diesem Förderprogramm dennoch ihre Vorhaben finanzieren.

Starthilfe für den Erfolg

Für den Hörgeräteakustiker war dabei besonders wichtig, dass bei der Starthilfe bis zu 100 Prozent der Kosten gefördert werden.

Die ersten beiden Anlaufjahre sind tilgungsfrei. Auf diese Weise haben Existenzgründer Zeit, die anfänglichen Hürden zu nehmen und sich zu stabilisieren. Der Antrag wird über die Hausbank, im Fall von Manuel Pichler über seine Sparkasse, gestellt.

Nach kurzer Zeit erhielt er dort die mündliche Zusage: „Wenn Sie den Meisterbrief vorlegen, erhalten Sie das Darlehen.“ Vier Monate später, nachdem die Finanzierung endgültig gesichert war und er mit viel Eigenleistung seine Räume gestaltet hatte, konnte er sein „Hörforum“ eröffnen.

Seine Zielgruppe, überwiegend ältere und anspruchsvolle Kunden, reagierte von Beginn an sehr positiv.

„In meinem Businessplan war ich zwar keineswegs pessimistisch“, erläutert er seine Erfahrungen. „Aber ich hatte auch ein Szenario für den Fall, dass die Resonanz zunächst weniger gut ist.“ Aber das Konzept kam gut an: Manuel Pichler verkauft hochwertige Hörgeräte, er bietet dabei hervorragendes Knowhow und ein angenehmes Ambiente, vor allem aber eine ausführliche Beratung. „Nicht der schnelle Euro ist mein Ziel“, betont er, „sondern die langfristige Kundenzufriedenheit.“ Deshalb gehören auch ein elektronisch gesteuerter Hörtest, Hilfestellung bei der Anprobe und mehrere Termine für die Optimierung der Einstellungen zu seinen Dienstleistungen.

Jedes Gerät maßgefertigt

Etwa sechs Stunden dauert es insgesamt, bis ein Gerät optimal angepasst ist. „Jedes Hörgerät ist eine Maßanfertigung“, erklärt Pichler seine Philosophie, die auf langfristige Kundenbindung ausgerichtet ist. Die durchschnittliche Tragedauer eines Hörgerätes beläuft sich auf rund sechs Jahre. Damit diese Kunden dann das nächste Hörgerät bei ihm und nicht bei Wettbewerbern kaufen, bindet er sie durch zahlreiche Serviceleistungen. So lassen sich viele bei ihm kostenlos die Batterien wechseln oder ihr Gerät neu einstellen.

Sein Fazit nach knapp zwei Jahren Selbstständigkeit? „Mein Plan ist aufgegangen“, freut sich der Unternehmer. „Die Kunden honorieren neben dem Service auch die Qualität der Beratung.“ Wichtig dafür ist es, immer auf dem Laufenden zu bleiben. Jeden Abend liest Pichler 30 Minuten Fachliteratur, etwa zehn neue Hörgeräte testet er monatlich. „Gerade die Digitalisierung hat vieles für die Kunden möglich gemacht, wovon man früher nur träumen konnte.“ So sind die heutigen Hörgeräte nicht nur deutlich kleiner, sondern können auch weitaus besser auf die Bedürfnisse und Hörgewohnheiten der Kunden abgestimmt werden.

Die Kundenorientierung zahlt sich für Pichler aus. Bereits vier Teilzeitkräfte arbeiten für ihn. Und seine Pläne für die Zukunft? „Ich möchte mich weiter etablieren“, so Manuel Pichler, „und durch die hohe Kundenzufriedenheit die Existenz meines Unternehmens sichern.“ Denn beides gehört für ihn zusammen: „Langfristig werde ich nur auf dem Markt bleiben, wenn ich für meine Kunden individuelle und hochwertige Leistungen anbiete.“