Handwerk will sein Image aufpolieren
Von Roman Leuthner
Gute Investition
Der Handwerksmeister. Für viele ein Tüftler, einer, der technisch beschlagen ist. Aber auch einer, der nicht viel von der Kommunikation mit seinen Kunden hält, bisweilen kurz angebunden daherkommt und unflexibel auf Sonderwünsche reagiert. Der Handwerksmeister: Ein bisschen altbacken halt, ein bisschen verstaubt in seinen Ansichten „Old Economy“…
So oder so ähnlich lässt sich das Bild zeichnen, dass Otto Normalverbraucher in den Kopf kommt, wenn er den Begriff Handwerk hört. Die Medien tun ja auch einiges dafür. Schick und modern ist, was über den roten Teppich der Talkshows und TV-Galas spaziert Global Player, Konzerne, börsennotierte Großunternehmen. In diese erlauchte Auswahl der Wirtschaft, der Bosse, Banker und Börsengurus passt der brave Meister nicht hinein. Schade eigentlich, denn genau dieser schafft soliden Wohlstand. Er baut Stein auf Stein, das volkswirtschaftliche Fundament, auf dem die High Society der Wirtschaft manch wilde Party feiert und sich bisweilen brachial verspekuliert.
Kein Wunder also, dass eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa 2008 ergeben hat, dass viele Deutsche die Attraktivität des Handwerks unterschätzen. Gerade die jungen Befragten beurteilten den Wirtschaftsbereich kritischer als die Älteren zum Beispiel halten lediglich 56 Prozent der Jüngeren das Handwerk für sympathisch.
Dieser Wert bei der Einschätzung jüngerer Menschen ist für den Anspruch der Handwerksorganisation zu gering und entspricht auch nicht dem traditionell hohen Ansehen des Handwerks in mittleren und älteren Jahrgängen. In unserer Mediengesellschaft verschafft Prestige nicht nur ein gutes Image, sondern auch politisches Gewicht, Einfluss und Macht, wenn es um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen in Deutschland geht. Und bedeutend ist Prestige auch für die Berufswahl von Jüngeren. Und genau die benötigt das Handwerk in den kommenden Jahren dringend.
Deshalb startet die Handwerksorganisation eine groß angelegte Imagekampagne, die allen Bürgern vor Augen führen soll, was das Handwerk eigentlich ist: modern, innovativ und facettenreich. Möglicherweise gibt es Kritiker, die die finanziellen Mittel, die dafür in den kommenden Jahren aufgewendet werden, für zu hoch erachten. Zu bedenken dabei ist zweierlei: Zum einen die Einmütigkeit, mit der die Organisation das Projekt trägt, und zum anderen die Tatsache, dass Image kein weicher Wirtschaftsfaktor ist, sondern ein knallharter. Ohne Renommee bekommt kein Betrieb einen Auftrag. Wichtig natürlich ist die Mund-zu-Mund-Propaganda vor Ort, immer entscheidender wird aber auch, dass die Qualität, die Flexibilität und die Kundennähe des Handwerks noch stärker in den Köpfen der Bürger verankert werden. Das Geld für die Imagekampagne ist deshalb eine gute Investition.