30 Jahre Gurtpflicht auf dem Rücksitz Gurt bleibt Lebensretter Nummer eins

Auch auf dem Autorücksitz muss sich angeschnallt werden – aus gutem Grund. Das regelt die Gurtpflicht seit 30 Jahren. Doch der Alltag sieht anders aus.

der Crashtest zeigt: Ohne Sicherheitsgurt kann es bei einem Unfall zu schwersten Verletzungen kommen. - © Foto: Dekra

Am 1. August 1984 ist die Anschnallpflicht  für den Rücksitz eines Autos in Kraft getreten. Doch bis heute ist die Anschnallquote hinten im Auto am geringsten. Darauf weist die Sachverständigenorganisation Dekra hin.

Gurt ist Sicherheitssystem Nummer eins

Allerdings würden sich nach der jüngsten Erhebung der Dekra rund 94 Prozent aller Befragten auf dem Rücksitz anschnallen. Insgesamt liege die Anschnallquote bei 97 Prozent. "Das klingt zunächst einmal immer noch nach einer guten Quote, aber es bedeutet eben auch, dass jeder sechzehnte Insasse hinten nicht angegurtet ist", Jörg Ahlgrimm, Leiter der Dekra Unfallanalyse.

Auch weist die Dekra darauf hin, dass nur bei einem angelegten Gurt andere Sicherheitssysteme wie Airbags den Schutz bieten, für den sie konstruiert sind. Airbags seien nur als ergänzende Schutzeinrichtung konzipiert und schützen bei einem Unfall zusätzlich zum Sicherheitsgurt.

Darüber hinaus macht die Organisation darauf aufmerksam, dass gerade innerorts und bei niedrigen Geschwindigkeiten viele Verkehrsteilnehmer dem Irrtum aufsitzen würden, ihnen würde nichts passieren und bräuchten somit den Gurt nicht. Laut Ahlgrimm wäre das eine fatale Fehleinschätzung.

"Schon bei einer Geschwindigkeit von 14 Stundenkilometern wirken beim Aufprall auf ein Hindernis Kräfte, die dem Achtfachen des eigenen Körpergewichts entsprechen. Kein Mensch kann das abfangen", erläutert Ahlgrimm.

Gurt schützt auch Mitfahrer

Laut Angaben von Dekra ginge es beim Anschnallen auf dem Rücksitz nicht nur um den Schutz vor einem selbst, sondern auch für andere Mitfahrer . Zudem verhindere der Sicherheitsgurt, dass Insassen gegeneinander geschleudert werden. "Wenn ein nicht angegurteter Mitfahrer vom Rücksitz nach vorne geschleudert wird, kann er nicht nur selbst schwer verletzt werden, sondern der auch vor ihm Sitzende", sagt Ahlgrimm.

Schon allein aus Eigenschutz sollte der Fahrer laut dem Dekra-Experten immer darauf achten, dass alle Mitfahrer angeschnallt sind. Darüber hinaus betont Ahlgrimm, dass der Gurt möglichst straff angelegt werden sollte, damit er seine volle Wirkung entfalten könne. "Ihn von sich weg zu ziehen, um gefühlt mehr Bewegungsfreiheit zu haben, geht im Ernstfall nach hinten los", so Ahlgrimm.

Auf den Rücksitzen sieht der Dekra-Experte auch noch Potenzial zur Optimierung der Sicherheitsgurte. Sein Appell richtet sich gezielt an die Autohersteller. "Nicht alle Hersteller bauen hinten optimale Rückhaltesysteme mit Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer ein". Ahlgrimm rät dazu, beim Kauf eines Autos darauf zu achten, wie die Sicherheitsgurte auf den Rücksitzen ausgeführt sind. dhz