Zertifizierungen Gütesiegel erobern das Handwerk

Qualitätsmanagement wird bei zunehmendem Wettbewerbsdruck auch im Handwerk immer wichtiger. ZDH Zert gehört inzwischen zu den Top 10 unter den deutschen Zertifizierern und richtet sich speziell an kleine und mittlere Betriebe.

Steffen Guthardt

ZDH-ZERT-Auditor (links) bei der Prüfung der notwendigen Unterlagen eines Betriebs für die Zertifizierung. - © ZDH-Zert

TÜV. Das Kürzel des Technischen Überwachungs-Vereins kennt in Deutschland wohl jeder, der ein für den Straßenverkehr zugelassenes Fahrzeug besitzt. Doch kennen Sie auch ZDH-ZERT? Noch nie gehört? Dieser von den Organisationen des Handwerks gegründete e.V.  ist auf dem Gebiet der Zertifizierung von QM-Systemen in Handwerk und KMU inzwischen einer der stärksten Wettbewerber geworden und gehört zu den Top Ten in Deutschland.
ZDH-ZERT e.V. verfügt über zwei operative Einheiten: Die ZDH-ZERT GmbH hat es sich zum Ziel gesetzt, speziell die Managementsysteme von Betrieben aus dem Handwerk und dem Mittelstand nach den jeweils einschlägigen Normen zu begutachten und zu zertifizieren. Kerngeschäft ist das Qualitätsmanagement; zu den Leistungen zählen aber auch die Überprüfung von Standards hinsichtlich der Umweltfreundlichkeit und der Arbeitssicherheit innerhalb von Unternehmen. Unter dem Dach des Vereins agiert daneben die Firma Medical Device Certification, die auf die Zertifizierung von Medizinprodukten und das handwerkliche Gesundheitswesen spezialisiert ist.

Die Zertifizierer ihrerseits werden von staatlichen bzw. halbstaatlichen Stellen regelmäßig überprüft und überwacht und unterliegen einem strengen Akkreditierungsreglement.

Begutachten und optimieren

„Qualitätsmanagement und Zertifizierung werden als Komponente der Unternehmensphilosophie von Handwerksbetrieben zunehmend wichtiger“, sagt Wolfgang Glaser, Vorstand von ZDH-ZERT. Während Firmen aus der Medizinbranche aufgrund von Normen und Rechtsvorschriften gezwungen sind, sich den Begutachtungen zu unterziehen, um ihre Produkte überhaupt am Markt anbieten zu dürfen, ist in den meisten anderen Branchen die Zertifizierung freiwillig.

Trotzdem gibt es immer mehr Handwerksunternehmen, die ihre Geschäftsprozesse von einer unabhängigen Stelle auditieren lassen. Die Zertifizierung deckt betriebliche Schwachstellen auf und zeigt dem Betrieb, wie er seine Effizienz steigern kann. Damit optimiert das Unternehmen im Idealfall nicht nur die Qualität seiner Produkte, sondern spart auch Zeit und damit nachhaltig Kosten ein.

„Eine erfolgreiche Zertifizierung ist darüber hinaus natürlich auch eine hervorragende Form der Werbung für einen Betrieb“, weiß ZDH-ZERT-Geschäftsführer Karlheinz Kohl. Ähnlich wie die verschiedenen Gütesiegel bei Lebensmitteln kann die Zertifizierung eines Betriebs das Vertrauen der Kunden steigern und somit verkaufsfördernd wirken. Einen Trend, sich nur für Marketingzwecke begutachten zu lassen, gebe es aber nicht, wenngleich schlagzeilen­trächtige Zertifizierungen wie die des FC St. Pauli etwas anderes suggerieren.

Aufwendiges Verfahren

Zumindest bei anerkannten und unabhängigen Zertifizierungsgesellschaften ist die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems unabhängig vom Budget eines Unternehmens nur nach einem zeitaufwendigen Verfahren zu erreichen. In der Regel dauert es mehrere Monate, bis ein Betrieb den Zyklus von der ersten Erfassung der Unternehmensdaten bis zur abschließenden Zertifikatserteilung durchlaufen hat.

Die Kosten für die Zertifizierung messen sich an diesem Aufwand. So kostet die Erstzertifizierung in einem Kleinstbetrieb des Handwerks bei ZDH-ZERT durchschnittlich 2.000 Euro. Die Gesamtkosten für die Einführung eines QM-Systems können für den Betrieb aber deutlich höher sein, nämlich dann, wenn er für die Einführung des Systems (z.B. Erstellung eines QM-Handbuchs, Mitarbeiterschulung) externe Hilfe in Anspruch nimmt.

Der zertifizierte Betrieb muss sich jährlichen Überwachungen durch die Zertifizierungsgesellschaft unterziehen. Die Kosten belaufen sich auf etwa ein Drittel der Erstzertifizierung. Um die Gültigkeit des Zertifikats aufrechtzuerhalten, ist alle drei Jahre dessen Erneuerung fällig. Dafür fallen rund zwei Drittel der Kosten der Erstzertifizierung an.

Trotz der dauerhaften Kosten blieben Betriebe, die Erfahrung mit Zertifizierungen haben, in der Regel dabei, sagt Kohl, der noch viel Wachstumspotenzial für Zertifizierungen im Handwerk sieht.

Das Angebot des ZDH Zert finden Sie unter zdh-zert.de .