Gegenwind aus den Regierungsparteien Grünen-Politikerin Sager will Doktortitel aus dem Personalausweis streichen

Die Grünen wollen nach den jüngsten Plagiatsfällen den Doktortitel aus dem Personalausweis streichen, stoßen damit aber auf heftige Kritik. Die forschungspolitische Sprecherin der Grünen, Krista Sager, sagte: "Um den Doktor aus der Sphäre von Statuskonventionen heraus zu lösen und auf seine wissenschaftliche Bedeutung zu konzentrieren, sollte er nicht mehr im Personalausweis eingetragen werden."

Grünen-Politikerin Sager will Doktortitel aus dem Personalausweis streichen

Berlin (dapd). Die Grünen wollen nach den jüngsten Plagiatsfällen den Doktortitel aus dem Personalausweis streichen, stoßen damit aber auf heftige Kritik. Die forschungspolitische Sprecherin der Grünen, Krista Sager, sagte: "Um den Doktor aus der Sphäre von Statuskonventionen heraus zu lösen und auf seine wissenschaftliche Bedeutung zu konzentrieren, sollte er nicht mehr im Personalausweis und im Reisepass eingetragen werden."

Der Doktor sei rechtlich kein Namensbestandteil, sondern ein akademischer Grad, erklärte sie am Donnerstag in Berlin. Auf diesen Qualifikationsnachweis müsse er konzentriert werden, anstatt ihn für "gesellschaftliche Eitelkeiten und Titelhuberei" zu nutzen. Der Wissenschaft tue das offenkundig nicht gut.

Zudem sei der Doktortitel im Personalausweis überhaupt nicht mehr zeitgemäß und beruhe nur auf deutschen Konventionen. International sei das völlig unüblich. "Deutsche Promovierende haben im Ausland einen sehr guten Ruf. Dies zu erhalten ist wichtig. Doch der Doktor im deutschen Ausweis oder als Anrede löst international eher Missverständnisse und Verwunderung aus."

FDP: Vorschlag ist "Sommertheater"

Unterstützung erhielt Sager von den Sozialdemokraten. Ernst Dieter Rossmann, Sprecher der SPD-Arbeitsgruppe Bildung und Forschung, sagte der Nachrichtenagentur dapd: "Dadurch würde die Spreu vom Weizen getrennt." Diejenigen, die eine Arbeit nur wegen des Titels schreiben, würden entlastet, weil dieser nicht mehr so öffentlich geführt würde. Und diejenigen, die für die Wissenschaft promovieren, würden dies auch weiterhin tun.

Ablehnung kam von Union und FDP. Damit würde dem Forschungsstandort Deutschland ein Bärendienst erwiesen, sagte der forschungspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Albert Rupprecht (CSU). Der Doktortitel habe einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft und eine gute Tradition. Dabei solle es bleiben. "Wir dürfen den Titel nicht abwerten." Sager solle sich als Forschungspolitikerin in der Öffentlichkeit mit anderen Sachen beschäftigen.

Der forschungspolitische Sprecher der Liberalen, Martin Neumann, bezeichnete die Forderung als "Sommertheater". "Als ich das gehört habe, dachte ich, es ist ein Witz. Das geht völlig am Thema vorbei." Der Fehler liege im System, sagte der FDP-Politiker der dapd. Dort müsse man ansetzen und beispielsweise die Zahl der Gutachter von Doktorarbeiten erhöhen. Es müsse zudem darauf reagiert werden, das die Universitäten zu einer hohen Zahl von Promovierenden gezwungen würden, um mehr Gelder zu erhalten.

dapd