Lemke sieht Partei 2013 in Bundesregierung Grüne zwischen Selbstsicherheit und Verunsicherung

Der Höhenflug der Grünen steigert das Selbstbewusstsein der Partei. Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke sieht die Grünen 2013 bereits in der Bundesregierung. Der bayerische Grünen-Chef Dieter Janecek legte seinen Kollegen nahe, sich mit der Rolle einer Volkspartei anzufreunden.

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Grüne zwischen Selbstsicherheit und Verunsicherung

Berlin (dapd). Der Höhenflug der Grünen steigert das Selbstbewusstsein der Partei. Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke sieht die Grünen 2013 bereits in der Bundesregierung. Der bayerische Grünen-Chef Dieter Janecek legte seinen Kollegen nahe, sich mit der Rolle einer Volkspartei anzufreunden. Auch Grünen-Fraktionschefin Renate Künast gab sich optimistisch für die anstehenden Wahlen, schlug aber zugleich nachdenkliche Töne an.

Die Grünen hatten bei den jüngsten Landtagswahlen kräftig zugelegt und in Baden-Württemberg einen historischen Machtwechsel eingeleitet. Gemeinsam mit der SPD gelang es ihnen, die jahrzehntelange CDU-Vormacht im Südwesten zu beenden. Winfried Kretschmann regiert dort nun als erster Ministerpräsident in der Geschichte der Grünen. Auch in Umfragen fährt die Partei seit Wochen Rekordwerte ein und erreichte im Bund zuletzt deutlich mehr als 20 Prozent.

Annäherungsversuche an den Begriff Volkspartei

"Klein aber fein - das geht nicht mehr", sagte Janecek und riet dazu, sich auch mit der möglichen Entwicklung zur Volkspartei zu beschäftigen: "Wir wollen es nicht, aber werden es möglicherweise irgendwann einmal und müssen dann damit umgehen." Speziell in Bayern hätten die Grünen eine Vielfalt, wie sie in einer Volkspartei auch nicht anders sei. "Und die Leute scheinen mir bereit zu sein, das auch zu akzeptieren", sagte Janecek.

Bundesgeschäftsführerin Lemke sagte, seit dem Frühjahr werde anders auf die Grünen geschaut. "Wir ernten Zustimmung für Themen, für die wir vor 24 oder 12 Monaten von anderen Parteien noch brutal verprügelt wurden sind." Sie rief die Grünen auf, "Motor und Kompass zu bleiben" und auch unbequeme Themen anzupacken. Von der Debatte über einen möglichen grünen Kanzlerkandidaten riet Lemke ihrerPartei dringend ab.

Für das laufende Jahr haben sich die Grünen noch einiges vorgenommen. Bei der Bürgerschaftswahl in Bremen am kommenden Wochenende wollen sie sich in der Koalition mit der SPD halten, in Mecklenburg-Vorpommern im September neu in den Landtag einziehen. Und bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin - ebenfalls im September - haben sie das Ziel ausgegeben, wie in Baden-Württemberg die Nummer eins in der Regierung zu werden. Künast geht dafür gegen den Amtsinhaber, Berlins Regierenden Bürgermeister, Klaus Wowereit (SPD), ins Rennen.

Künast sagte für die Wahl in Bremen eine "auskömmliche, gute Mehrheit für die Fortsetzung des rot-grünen Bündnisses" voraus. Sie erwarte auch, dass die Grünen reichlich zulegten und zur zweitstärksten Kraft in Bremen würden. Jüngsten Umfragen zufolge kann Rot-Grün in Bremen mit einer klaren Mehrheit rechnen. Die Grünen könnten laut Meinungsforschern sogar die CDU überholen. Selbst im Bund schließen die Grünen immer weiter zur Union auf.

Zwtl: Erfolg ist auch Bürde

Die Grünen-Fraktionschefin empfindet die jüngsten Wahlerfolge ihrer Partei - insbesondere in Baden-Württemberg - aber auch als Bürde. Die Grünen wüssten durchaus, dass sie "Hanteln auf den Schultern" hätten, sagte Künast. "Solche Wahlergebnisse sprechen Vertrauen aus, und das heißt auch, dass du diesem Vertrauen gerecht werden musst."

Künast räumte ein, sie sehe ein Risiko, dass die Grünen Wähler verprellen könnten - auch in Rheinland-Pfalz, wo die Grünen den Bau der Hochmoselbrücke in den Koalitionsverhandlungen mit der SPD nicht hatten verhindern können. "Die Gefahr ist da, und ich bin auch persönlich frustriert hinsichtlich der Moselbrücke", sagte sie. Die Grünen rücken auch in Rheinland-Pfalz neu auf die Regierungsbank. Der geplante Bau der Hochmoselbrücke ist für sie eine Niederlage. Die SPD hatte sich immer für das 330 Millionen Euro teure Projekt ausgesprochen, die Grünen dagegen.

(Quellen: Lemke am Samstag in Magdeburg; Künast im Südwestrundfunk; Janecek am Freitagabend in Würzburg)

dapd