Künast setzt auf grüne Wirtschaft und will Berlin zur "Klimahauptstadt" machen Grüne wollen 100.000 neue Arbeitsplätze in Berlin schaffen

Die Grünen wollen im Falle eines Wahlsieges binnen fünf Jahren 100.000 neue Jobs in Berlin schaffen. Bislang ziehe der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland noch an der Stadt und seinen Arbeitslosen vorbei, sagte die Spitzenkandidatin der Partei für das Amt des Regierenden Bürgermeisters, Renate Künast, am Freitag. Nur "hipp" sein reiche für eine solche Metropole nicht.

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Grüne wollen 100.000 neue Arbeitsplätze in Berlin schaffen

Berlin (dapd-bln). Die Grünen wollen im Falle eines Wahlsieges binnen fünf Jahren 100.000 neue Jobs in Berlin schaffen. Bislang ziehe der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland noch an der Stadt und seinen Arbeitslosen vorbei, sagte die Spitzenkandidatin der Partei für das Amt des Regierenden Bürgermeisters, Renate Künast, am Freitag. Nur "hipp" sein reiche für eine solche Metropole nicht.

"Berlin und seine Wirtschaft haben eine Sogwirkung, genügend Fläche steht zur Verfügung - es wird nur zu wenig daraus gemacht", kritisierte Künast. Schuld habe der rot-rote Senat. "Es ist, als koche ein Topf, aber jemand hält den Deckel drauf."

Ihre Partei setzte auf "Green Economy" als industrielles Standbein, sagte Künast. Dies müsse sich mit klimagerechtem Wirtschaften durch alle Bereiche ziehen. Berlin könne Lösungen aufzeigen für weltweite Probleme wie den Anstieg des Ölpreises, den Klimawandel, den demografischen Wandel und die Zuwanderung in die Städte. Nur auf Dienstleistungen zu setzen, wie zur Zeit praktiziert, sei für Berlin riskant.

Während es Rot-Rot an einer Vision für die Wirtschaft fehle, würden die Grünen im Falle eines Wahlsieges Berlin zuerst ein Leitbild geben, kündigte Künast an: "Wir wollen die Klimahauptstadt werden." Dazu gehöre, dass Wirtschaft, Kreativwirtschaft und Wissenschaft endlich an einen Tisch geholt würden.

"Darüber hinaus brauchen wir eine Willkommenskultur für Unternehmen", sagte die Politikerin. Sie schlug die Schaffung eines Hauses der Wirtschaft vor, in dem Unternehmer sowohl für Fragen zu Gewerbeflächen als auch bei der Suche nach Fachkräften einen gemeinsamen Ansprechpartner hätten.

Künasts Plänen zufolge sollen die zusätzlichen neuen Jobs in der hauptstädtischen Gesundheitswirtschaft, in der Kreativwirtschaft, durch Umwelttechnologien, durch Gebäudesanierung, im Tourismus und durch Elektromobilität entstehen.

Künast sagte, dass die Gesundheitswirtschaft nur eine Rolle spielen könne, wenn die Zukunft der Charité gesichert sei. Momentan jedoch lasse der rot-rote Senat das Universitätsklinikum "verrotten". "Wir wollen den Investitionsstau an der Charité auflösen. Gleichzeitig schlagen wir vor, Charité und Vivantes unter ein Dach zu bringen", sagte Künast. Die Grünen hatten das Papier bewusst in Räumen der Charité präsentiert.

Die Industrie- und Handelskammer bezeichnete das Ziel, 100.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen, als "realistisch". Auch die Pläne einer Willkommenskultur für Unternehmen sowie für Synergien bei Charité und Vivantes seien "richtige Schritte", sagte ein Sprecher. Er nannte es "erfreulich", dass die Wirtschaft im beginnenden Wahlkampf bei den Grünen und allen anderen Parteien ein zentrales Thema sei.

Linke-Landeschef Klaus Lederer sagte, Kreativ-, Umwelt-, Gesundheits- und Tourismuswirtschaft seien die von Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) seit Jahren identifizierten und speziell geförderten Wachstumsbranchen. Die Zuwachsraten lägen inzwischen weit über dem Bundesdurchschnitt. "Hier sind die Grundlagen gelegt, mit denen in den kommenden Jahren weit über 100.000 Arbeitsplätze entstehen werden."

dapd