Der Quadriga-Verein will den Preis nun doch nicht an Putin verleihen Grüne Expertin: Medwedew hätte Quadriga-Preis verdient

Die Russland- und Osteuropaexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Marieluise Beck, ist erleichtert, dass Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin nun doch nicht den Quadriga-Preis erhält. Die Entscheidung des Quadriga-Vereins, die Ehrung für Putin abzusagen, sei überfällig, sagte Beck der "Berliner Zeitung".

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Grüne Expertin: Medwedew hätte Quadriga-Preis verdient

Berlin (dapd). Die Russland- und Osteuropaexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Marieluise Beck, ist erleichtert, dass Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin nun doch nicht den Quadriga-Preis erhält. Die Entscheidung des Quadriga-Vereins, die Ehrung für Putin abzusagen, sei überfällig, sagte Beck der "Berliner Zeitung". "Es ist nur zu bedauern, dass es überhaupt so weit gekommen ist, dass der Verein Putin für preiswürdig hielt", fügte sie hinzu.

Am Wochenende hatte der Quadriga-Verein verkündet, aufgrund der öffentlichen Kritik in diesem Jahr keine Auszeichnung zu vergeben.

Beck sagte, wenn der Quadriga-Verein die deutsch-russischen Beziehungen hätte würdigen wollen, hätte er den Preis an Staatspräsident Dmitri Medwedew vergeben müssen. "Medwedew wirbt immerhin dafür, dass Demokratisierung und Modernisierung in Russland zusammengehören", sagte sie. Es werfe ein bezeichnendes Licht auf den Quadriga-Verein, sich im internen Machtgerangel in Moskau ausgerechnet auf die Seite Putins zu stellen.

Medwedew habe in seinen Reden mehrfach einen "Rechtsnihilismus" in seinem Land beklagt und Modernisierungen angemahnt, sagte Beck der Zeitung "Die Welt".

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, das Kuratorium des Quadriga-Preises sei mit der Absage der Preisverleihung an Putin einem Proteststurm deutscher Wissenschaftler zuvor gekommen. 260 Historiker und Wissenschaftler anderer Disziplinen hätten ein Schreiben unterzeichnet, in dem die Rücknahme der geplanten Ehrung gefordert werde. Unter der Ägide Putins seien in Russland Bürgerrechte beschnitten und ein autoritäres Regime errichtet worden, zitierte das Blatt aus dem Brief, den zahlreiche Osteuropa-Experten, aber auch die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) unterzeichnet hätten.

dapd