Finanzen + Geld -

Finanzen: Bankverbindung Grüne Banken: Alternative fürs Familienvermögen

Eine wachsende Zahl an Kunden will Geld verantwortungsvoll anlegen. Spezialisierte Banken lassen sich an ökologischen und sozialen Kriterien messen.

Chemie, Waffen, Kinderarbeit. Schlagworte, die kein Mensch gerne hört – geschweige denn unterstützen oder finanzieren will. Legen Kunden Geld als Tagesgeld oder Sparbriefe an, haben sie jedoch oft keinen Einfluss darauf, an wen die Bank das Geld ausleiht.

Die Stiftung Warentest hat rund 1.650 Banken und Sparkassen bundesweit auf ökologische und soziale Kriterien getestet. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur zehn Banken bieten gute Bedingungen für ein Familienvermögen und arbeiten transparent sowie verantwortungsvoll. Deutlich mehr Finanzhäuser bieten etwa einzelne Sparmodelle für grüne Energie an. Als besonders transparent eingestuft hat Stiftung Warentest die GLS Bank und die Nachhaltigkeitsbank Triodos.

Angebote online gut vergleichbar

Beim Thema Zinsen liegt die Pro-Credit Bank für Entwicklung vorn. Gefolgt von Triodos und der ethisch-ökologischen Umweltbank Nürnberg. Online können Anleger nun vergleichen, welches Angebot ihnen am besten zusagt. Informationen über Laufzeit, Girokonto oder Festgeld und Rendite sind übersichtlich aufgelistet. Gesamturteil des Tests: Die Einlagen sind sicher und die Angebote stellen eine Sparalternative für Familienanleger und andere dar.

Bereits seit den sechziger Jahren schreibt sich die GLS Bank auf die Fahne, ausschließlich nachhaltige und soziale Projekte zu finanzieren. Ihr Modell zieht seit Jahren einen Zustrom von 1.800 bis 2.500 Neukunden pro Monat an. Denn jeder Kunde entscheidet zu Beginn, wofür sein Geld genutzt werden darf. Zehn Kategorien stehen zur Auswahl. Ökologische Landwirtschaft, nachhaltiges Bauen, regenerative Energien und Leben im Alter sind nur einige davon.

Jeder Kredit wird offengelegt

"Rund fünfzig Prozent der Kunden setzen ihr Kreuzchen jedoch bei 'keine Präferenz'. So können wir unterschiedlichste Projekte finanzieren – unabhängig von aktuellen politischen Themen", sagt Pressesprecher Christof Lützel. Um sich dennoch vergewissern zu können, in welche Projekte das Geld konkret fließt, legt die grüne Bank jeden Kredit mit Summe, Name und Adresse des Kreditnehmers offen. Hier finden Mitglieder sowohl den Bio-Imker von nebenan mit lediglich 10.000 Euro als auch das Berliner Wohnprojekt der Möckernkiez-Genossenschaft mit rund 70 Millionen Euro Finanzierungsvolumen: soziales, ökologisches, nachhaltiges und barrierefreies Wohnen für Jung und Alt.

Dass das Konzept nicht nur ein Gedanke von Hippie-Exoten, sondern längst als Strategie fürs Familienvermögen salonfähig ist, beweisen die Zahlen: Kann die Bank in den ersten dreißig Jahren ihres Bestehens ­lediglich auf deutlich unter 290 Millionen Euro Bilanzvolumen blicken, hat es sich in den zurückliegenden 14 Jahren, also der Hälfte der Zeit, auf 4,65 Milliarden Euro erhöht.

Potential der grünen Banken nicht ausgereizt

Argumente gegen kleinere und grüne Banken lauten oft, dass sie keine Full-Service-Anbieter sind. Also meistens nicht sowohl Anlagen als auch verschiedene Konten bieten. Vorurteile wie hohe Kosten kommen dazu. Dabei sind rund 16 Millionen Menschen, darunter viele Unternehmer mit ihrem Privatvermögen, offen für grünes Geld. Das Potential ist also bei Weitem noch nicht ausgereizt, schätzen die grünen Banker. Zusammengenommen haben jedoch deutschlandweit alle grünen Banken erst weniger als eine halbe Million Kunden. Dabei stünden sie herkömmlichen Hausbanken mit gleichen Angeboten und Produkten wie Konten oder Baufinanzierung in nichts nach.

Seit mehr als zehn Jahren können etwa GLS-Kunden EC-Karten und Girokonten beantragen und an jedem der rund 2.000 Geldautomaten des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken kostenlos Geld abheben, so beispielsweise der Sparda-Bank. Kontoführungsgebühren sowie der Tagesgeldzins orientieren sich am aktuellen Markt der großen Konkurrenten. Wer sein privates oder geschäftliches Konto um bis zu drei Nettomonatsgehälter, begrenzt auf 10.000 Euro, überzieht, muss dafür sogar nichts zahlen. Dieser hohe Dispokredit entspricht kleinen Handwerksbetrieben, die oft Material vorstrecken müssen, und immer liquide sein wollen.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten