Berufsbildungsbericht 2010 Gründliche Berufsorientierung soll Fachkräftemangel abfedern

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist paradox. Während auf der einen Seite immer noch etlichen Jugendlichen kein Einstieg in eine Ausbildung gelingt, zeichnet sich auf der anderen Seite schon jetzt ein Bewerbermangel ab. Von Karin Birk, Berlin

Gründliche Berufsorientierung soll Fachkräftemangel abfedern

"Wenn wir jetzt nicht ambitioniert handeln, werden wir in ein paar Jahren erhebliche Probleme haben", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan bei der Vorstellung des Berufsbildungsberichts 2010. Jetzt gelte es, alles zu tun, damit der Fachkräftemangel nicht zur "größten Wachstumsbremse" werde. Künftig soll es deshalb "flächendeckend" eine bessere Berufsorientierung für Hauptschüler ab Klasse 7 geben. Nicht zuletzt sollen so auch die Warteschleifen abgebaut werden.

Ausbau von Bildungsketten

Angefangen mit einer individuellen Potenzialanalyse – zur Feststellung der Stärken und Schwächen – in Klasse 7 über gezielte Praxiswochen in Berufsbildungszentren in Klasse 8 und vertieften Praktika in Klasse 9 soll der Einstieg in die duale Ausbildung verbessert werden. "Ich halte diesen Ansatz für Erfolg versprechender als alles, was wir bisher in der vollschulischen Berufsbildung gemacht haben", sagte Schavan. Ingesamt wolle sie bis 2018 rund 755 Millionen Euro dafür zur Verfügung stellen. So sollen neben der Finanzierung der Potenzialanalysen bundesweit rund 3.200 haupt- und ehrenamtliche Berufseinstiegsbegleiter in ihrer Arbeit unterstützt werden.

Das Handwerk begrüßt den Ausbau dieser so genannten Bildungsketten. "Die Festlegung der individuellen Stärken und Schwächen schon in Klasse 7 und eine daran angepasste Förderung ist der richtige Weg, um Jugendliche zur Ausbildungsreife zu führen", sagte Handwerkspräsident Otto Kentzler. ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke sieht es nicht anders. So könnten nicht nur Fehlentscheidungen in der Berufswahl und mögliche Ausbildungsabbrüche vermieden werden. So könnten auch mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund für die duale Ausbildung gewonnen werden.

Handwerk klagt über unbesetzte Lehrstellen

Denn eines ist sicher: Auch 2010 wird es für das Handwerk schwer, geeignete Bewerber zu finden. "Viele Ausbildungsplätze im Handwerk werden unbesetzt bleiben“, warnte Kentzler. Dies gelte vor allem für Ostdeutschland. Der Rückgang der Schulabgängerzahlen – vor allem aus Haupt- und Realschulen – mache es für Handwerksbetriebe erneut schwieriger, passende Bewerber zu finden. Hinzu komme noch die viel zu hohe Zahl an Schulabgängern ohne Abschluss oder mit Kompetenzschwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen. Trotzdem geht der Handwerkspräsident davon aus, dass sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Handwerk stabilisieren werde.

Im vergangenen Ausbildungsjahr war die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge im Handwerk um 7,5 Prozent auf 157.279 zurückgegangen. Dabei fiel der Rückgang in den neuen Ländern besonders drastisch aus. Insgesamt ging die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge um 8,2 Prozent auf 566.004 zurück.