„Große Solidaritätsleistung des deutschen Handwerks“

Ex-ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer erinnert sich

„Große Solidaritätsleistung des deutschen Handwerks“

Am 30. Mai 1990 haben 15 Handwerkskammern der ehemaligen DDR ihren Beitritt zum DHKT und zum ZDH erklärt. Am 21. Juni kam es auch zur Integration der Fachverbände. Damit war das deutsche Handwerk wieder vereint. Für Hanns-Eberhard Schleyer, den ehemaligen Generalsekretär des ZDH, ist diese Wiedervereinigung zuallererst eine „großartige Solidaritätsleistung“.

Das Handwerk in den westdeutschen Bundesländern habe nach der Grenzöffnung ja nicht versucht - anders als die Industrie, die ehemalige DDR als neuen Markt für sich zu erobern: „Die Handwerker im Westen hatten ihre eigenen regionalen Märkte. Viele von ihnen haben ihre Kollegen in den neuen Ländern unterstützt und Zusammenarbeit angeboten.“ Gemeinsame Unternehmen seien gegründet worden. Und so seien relativ schnell tragfähige und effiziente handwerkliche Strukturen entstanden.

Als neuer ZDH-Generalsekretär hatte sich Schleyer 1989 vorgenommen, alle Kammern und Verbände zu besuchen. Just am 10. November stand die Handwerkskammer Berlin im Terminkalender - in der Nacht zuvor war die Mauer gefallen. Deshalb hatte er einen „sehr unmittelbaren, sehr bewegenden Eindruck davon, wie die Menschen sich damals gefühlt haben und wie sie aufeinander zugegangen sind“. Ebenso unvergessen bleibt ihm sein Aufenthalt in Bayreuth: „An diesem Tag sind die ersten Handwerker aus der DDR über die Grenze gekommen, und wir konnten die ersten Gespräche führen.“

Nicht ohne Stolz verweist Schleyer darauf, dass mit seiner Unterstützung Arbeitskreise in der westdeutschen Handwerksorganisation eingesetzt wurden, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit den ostdeutschen Kollegen auszuloten. Diese Bestandsaufnahme mündete in ein Mittelstandsprogramm für das ostdeutsche Handwerk, das der ZDH 1990 im Bundeswirtschaftsministerium vorschlug. „Dieses Programm war der Rahmen, innerhalb dessen sich die weitere Entwicklung bewegt hat“, sagte Schleyer

Nach Ansicht Schleyers hat das Handwerk eine Vorreiterrolle im Einigungsprozess gespielt. „Der Slogan ‚Ein Handwerk - eine Stimme‘ ist eine großartige Entwicklung gewesen, die uns auch von anderen Strukturen sehr deutlich unterschieden hat.“ Dies ist laut Schleyer der Anfang einer Entwicklung über die vergangenen 20 Jahre hinweg, in der das Handwerk bei allen Problemen des Zusammenwachsens beider deutscher Teilstaaten eine bedeutende Rolle gespielt hat. In Zahlen ausgedrückt: „Wir hatten etwa sieben Millionen Industriebeschäftigte in den staatlichen Kombinaten der alten DDR, die auf knapp 700.000 reduziert worden sind. Auf der anderen Seite hat das Handwerk, wenn man der amtlichen Statistik glauben darf, zu Beginn des Jahres 1990 etwa 340.000 Beschäftigten Brot und Arbeit gegeben. Mitte bis Ende der 90er Jahre hatten wir etwa 1,7 Millionen Beschäftigte im Handwerk in den neuen Bundesländern.“ Dies mache deutlich, welchen ungeheuren Beitrag das Handwerk in dieser Phase geleistet habe. rom