Alfred Ritter war Konditor, Jakob Eberspächer Klempner, Karl Storz Instrumentenmacher: Viele große Industriefamilien haben ihren Ursprung im Handwerk. Vor allem im schwäbischen Raum wird das deutlich, wo heute große Mittelständler sitzen, die alle mal in der kleinen Werkstatt anfingen. Das neue Buch "Schwäbische Pioniere" von Burkhard Riering erzählt diese Geschichten.
Zäh und fleißig waren sie, visionär und innovativ, aber auch richtig stur und verschwiegen: jene schwäbischen Wirtschaftspioniere, die ihre Firmen aus den Anfängen im Handwerk im Laufe ihres Lebens zu Weltunternehmen ausgebaut haben. Ob der Anlagenbauer Voith, der Autozulieferer Eberspächer oder die Süßwarenfirma Ritter – das sind heute Namen von Weltruf; und sie alle begannen im 19. und 20. Jahrhundert im klassischen Handwerk.
Das neue Porträtbuch „Schwäbische Pioniere – von der Werkstatt zum Weltunternehmen“ würdigt diese schwäbischen Handwerker und Unternehmer, deren Lebensgeschichten sonst nicht erzählt werden. Es geht um Menschen, deren Namen zwar auf Produkten und Maschinen in aller Welt stehen, die aber als Persönlichkeiten einer größeren Öffentlichkeit unbekannt geblieben sind.
Mit Handwerk ganz nach oben
Max Weishaupt (1908–1982) aus Schwendi im Kreis Biberach war ein gescheiter Junge und wollte studieren. Doch der Vater sagte: „Ein ehrliches Handwerk, mehr braucht ein rechtschaffender Mann nicht.“ Er behielt Recht. Weishaupt machte in der Schmiede des Vaters die Lehre, war völlig vereinnahmt vom Entwickeln und Bauen neuartiger Geräte und stieg mit seiner eigenen Firma zum größten Arbeitgeber der Region auf. Seine Idee: Ölbrenner. Heute wärmen die Geräte die Zuhörer in der Royal Albert Hall in London oder sorgen in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan für konstantes Klima.
Der Flaschnermeister Jakob Eberspächer (1840–1899) formte zeit seines Lebens frohgemut Gießkannen, Bettflaschen, Abflussrohre und Dachrinnen. Später wurde der fromme Handwerker im Shedbau – der kittlosen Verglasung von Dächern – zur Nummer eins weit und breit. Die Anfänge des Automobilbaus hat er kaum mehr miterleben können. Dennoch ist seine bescheidene Firmengründung vor 150 Jahren der Grundstein für den heute global agierenden Automobilzulieferer Eberspächer in Esslingen.
Der Tuttlinger Karl Storz (1911–1996) durchlief die Ausbildung zum Instrumentenmacher, bevor er nach dem Zweiten Krieg eine Werkstatt gründete. Mit Fleiß und Geduld schaffte er es zusammen mit seiner Frau, aus dem kleinen Betrieb etwas ganz Großes aufzubauen und zum Pionier in der neuzeitlichen Endoskopie zu werden. Heute ist Storz in vielen Bereichen der Medizintechnik Weltmarktführer.
Ritter, die "Sport-Schokolade"
Die Erfolgsstory des Konditors Alfred Ritter (1885–1952) begann an dem Tag, als er Clara Göttle kennenlernte. Er heiratete die Süßwarenladenbesitzerin aus Cannstatt und gründete mit ihr eine Firma, die mit der Erfindung der quadratischen „Ritter Sport“ berühmt wurde.
Schwäbische PioniereDies sind nur einige Geschichten von vielen aus dem reich bebilderten Sondereinband, das seit vergangener Woche im Buchhandel erhältlich ist. Es besteht insgesamt aus zehn Porträts: Hans Liebherr, Karl Storz, Max Weishaupt, Alfred Kärcher, Heinrich Vollmer, Alfred Eugen und Clara Ritter (Doppelporträt), Georg Allgaier, Albert Leitz, Friedrich Voith und Jakob Eberspächer.
Autor des Buchs ist Burkhard Riering, der Chefredakteur der Deutschen Handwerks Zeitung, der in den Archiven der Familien und Firmen intensiv recherchiert hat.
„Schwäbische Pioniere“ ist in der Biberacher Verlagsdruckerei erschienen und kostet 19,80 Euro. dhz
