Kontakt gleich am ersten Tag des Papstbesuchs geplant Graumann setzt auf Dialog mit Christen und Muslimen

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, setzt auf eine stärkere Zusammenarbeit mit Christen und Muslimen. Im Interview der Nachrichtenagentur dapd sprach er von einem fortgesetzten Dialog mit Vertretern der muslimischen Glaubensgemeinschaften und betonte, das Verhältnis zwischen beiden Religionen in Deutschland habe sich schon gebessert.

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Graumann setzt auf Dialog mit Christen und Muslimen

Frankfurt/Main (dapd). Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, setzt auf eine stärkere Zusammenarbeit mit Christen und Muslimen. Im Interview der Nachrichtenagentur dapd sprach er von einem fortgesetzten Dialog mit Vertretern der muslimischen Glaubensgemeinschaften und betonte, das Verhältnis zwischen beiden Religionen in Deutschland habe sich schon gebessert. Positiv sieht Graumann auch dem Besuch von Papst Benedikt XVI. im September entgegen, bei dem gleich am ersten Tag eine Begegnung mit der Jüdischen Gemeinde geplant sei.

Graumann, der bereits wenige Wochen nach seiner Wahl zum obersten Repräsentanten der rund 108.000 Juden in der Bundesrepublik erste Gespräche mit führenden Vertretern der muslimischen Gemeinde geführt hatte, sagte: "Mir war es wichtig, den angekündigten Dialog mit den Muslimen sofort und glaubwürdig zu eröffnen. Viele reden ja nur vom Dialog, wir praktizieren ihn." Inzwischen habe es sogar zusätzliche Gespräche gegeben, weitere würden sicher folgen. Was den Dialog nicht immer ganz einfach mache, sei jedoch, "dass es so viele, sehr verschiedene, mitunter auch rivalisierende muslimische Organisationen gibt".

Das Verhältnis zwischen Muslimen und Juden in Deutschland habe sich gleichwohl "generell schon gebessert. Es muss aber noch besser werden", fügte Graumann hinzu. Voraussetzung dafür sei, dass bei den Gesprächspartnern viel mehr gegen den immer häufiger und heftiger werdenden Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen unternommen werde. Schließlich setze sich der Zentralrat immer leidenschaftlich ein, wenn etwa muslimische Menschen diskriminiert würden. In der Debatte über die Thesen Thilo Sarrazin beispielsweise, "war der Zentralrat auch die allererste Stimme, die sich laut und deutlich gegen diesen unsäglichen und respektlosen Umgang mit der muslimischen Community ausgesprochen und ihr Solidarität bekundet hat". Eine Beziehung mit Einbahnstraßen-Charakter hätte aber keine Zukunft.

Auch das Verhältnis zwischen den christlichen Kirchen und der jüdischen Gemeinschaft hat sich nach Einschätzung Graumanns in den letzten Jahrzehnten "zum Glück dramatisch verbessert". Er freue sich auch sehr, beim bevorstehenden Kirchentag im Mai in Dresden mit dabei sein zu können. "Hier werden wichtige Brücken von Vertrauen und von Freundschaft gebaut", fügte der Zentralratspräsident hinzu.

Auch vom Papstbesuch würden wichtige Impulse ausgehen. Die avisierte Begegnung des Oberhaupts der katholischen Kirche mit dem Zentralrat der Juden bezeichnete Graumann als "Zeichen von gutem Willen und von Freundlichkeit". Bei aller Kritik etwa an der Karfreitagsfürbitte, dem Thema Pius-Brüder oder der eventuell in Aussicht genommenen Seligsprechung von Papst Pius XII. "verbindet uns doch so viel - und gerade bei diesem Papst wissen wir doch, dass er selbst sich immer so engagiert für die Versöhnung eingesetzt hat", sagte er.

dapd