Neun Nominierungen, vier Oscars: Der Film Grand Budapest Hotel hat bei den Oscar-Verleihungen abgeräumt. Schneider Michael Wolf aus Dresden hatte seinen Anteil an dem Erfolg.
Mirabell Schmidt
"Das guckst du dir mal an", dachte sich Michael Wolf, nachdem er einen Anruf erhalten hat, der ihn – zumindest gefühlt – zum Oscar-Gewinner gemacht hat. Der Anruf kam von der Produktionsfirma, die zu der Zeit in Görlitz gerade den Kinofilm "Grand Budapest Hotel" drehte, der kürzlich mit vier Oscars ausgezeichnet wurde - unter anderem für das Kostümdesign. "Die Dame am Telefon hat von dem Projekt erzählt, aber ihre Ausführungen sehr schwammig gehalten", erzählt der Schneider. Die Quintessenz des Gesprächs: Wolf sollte Teil des Kostümbildner-Teams am Filmset werden.
Warum eigentlich nicht? Also ab nach Görlitz, von Dresden ist das nicht weit. Im Team arbeitete Wolf mit Modisten, Kürschnern, Textilfärbern, Gewandmeistern und Schneidern aus Deutschland, Italien und den USA. Teils ging es hektisch zu, oft arbeiteten die Schneider im Akkord an einem Kostüm. Wolf schneiderte unter anderem an den Outfits von den Hauptdarstellern Tilda Swinton, Ralph Fiennes und des Hotelpagen, gespielt von Tony Revolori.
"Es war irgendwie skurril"
Das waren dreieinhalb Monate intensive Arbeit, zwölf Stunden-Tage waren keine Seltenheit. "Wenn Produktionsstau war, arbeiteten wir auch am Wochenende", erzählt Wolf. Im Görlitzer Kaufhaus , in dem der Film gedreht wurde, befand sich die Werkstatt der Kostümschaffenden. Dorthin kamen auch die Schauspieler zur Anprobe. "Sie waren alle sehr nett. Ihnen war bewusst, dass wir als Kostümschaffende letztendlich einen Anteil an ihren Charakteren haben", sagt der Schneider.
Irgendwie skurril sei es dennoch gewesen, Teil einer so großen Filmproduktion zu sein. "Das war nicht greifbar, man hat die Ausmaße des Ganzen gar nicht fassen können", erinnert sich der 28-Jährige. Unter dem Strich war es für ihn allerdings wie andere Arbeit auch: "Ich wollte, dass etwas Gutes dabei herauskommt." Nachdem der Film schon längst abgedreht und das normale Leben bei ihm bereits wieder eingekehrt war, sah er dann die Plakate für "Grand Budapest Hotel" in der Stadt. Wieder ein etwas surreales Gefühl.
Ein bisschen Oscar-Gewinner
Natürlich hat er sich den Film mit Freunden im Kino angesehen. "Ich habe versucht mir zu verkneifen, meinen Freunden über die Details der Kostüme zu erzählen und zu erklären, was, wo, warum gemacht werden musste", scherzt Wolf. Die Oscar-Verleihung in der Nacht hat er auch live verfolgt – doch "ganz langweilig bei mir auf der Couch", wie er sagt. Etwas aufgeregt war Wolf trotzdem. Zwar ging der Oscar offiziell an die Kostümdesignerin Milena Canonero , ein bisschen fühlt sich Wolf aber auch als Gewinner. "Ohne uns Kostümschaffende wäre das nicht möglich gewesen."
Und Glückwünsche für "seinen" Oscar hat er seither auch bekommen, unter anderem von einem Tatort-Schauspieler. "Das ist natürlich schon toll", sagt Wolf. "Irgendwie glaube ich aber, mein Umfeld erhebt das mehr als mich."
Es geht weiter mit Filmen
Derzeit arbeitete er unter anderem als Kostümbildner am Dresdner Boulevard-Theater , für einen Berliner Hutmacher und für ein Brautmodengeschäft. Eventuell sollen in diesem Jahr auch noch zwei bis drei Filmprojekte folgen. Zwar nicht Hollywood – aber ebenfalls von großen Produktionsfirmen. "Ich war zwar zuvor schon gut gebucht, bin seit 'Grand Budapest Hotel' aber noch etwas gefragter", erzählt der Schneider.
Persönlich favorisiert Wolf jedoch das Theater gegenüber dem Film. "Wenn man direkt sieht, wie die Leute reagieren und am nächsten Tag die Kritiken liest, ist das unglaublich aufregend."
Über "Grand Budapest Hotel"
Der Film Grand Budapest Hotel des Regisseurs Wes Anderson war für neun Oscars nominiert. Vier davon hat er abgeräumt in den Kategorien: Produktionsdesign, Kostümdesign, Make-up/Frisur sowie Filmmusik. Fast eine Million Menschen haben "Grand Budapest Hotel" in Deutschland im Kino gesehen.
Im Film geht es um einen legendären Concierge (gespielt von Hauptdarsteller Ralph Fiennes) eines berühmten europäischen Hotels in der Zeit um 1920, der sich als Mentor einem Hotelpagen (gespielt von Tony Revolori) annimmt. Gemeinsam werden sie in den Diebstahl und die Rettung eines wertvollen Renaissance-Gemäldes sowie in die Schlacht um ein riesiges Familienvermögen verwickelt und werden schließlich enge Freunde.
Gedreht wurde der Film unter anderem in Görlitz, ein altes Görlitzer Kaufhaus dient als Kulisse des Films.
