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Welche Möglichkeiten es gibt und was sie kosten Grabauflösung: Wohin mit dem Grabstein?

Ganz schön gruselig, was einer damals 13-Jährigen letzten Sommer passiert ist: In einem Freizeitpark entdeckte sie den Grabstein ihres verstorbenen Opas. Doch wie konnte das passieren? Es gibt verschiedene Möglichkeiten einen Grabstein zu entsorgen. Sechs davon im Überblick.

Aktuell wird am Landgericht Kitzingen ein gruseliger Fall verhandelt: Beim Besuch eines Freizeitparks entdeckte ein Mädchen vor dem Geisterhaus den Grabstein ihres Großvaters. Der Betreiber muss sich nun vor Gericht verantworten, denn mit den echten Grabsteinen hat der Betreiber das Andenken Gestorbener verunglimpft, so der Vorwurf. Aber wie konnte das passieren?

Keine klaren Regeln bei Ruhezeiten und Entsorgung von Grabsteinen

Die Ruhezeiten von Gräbern, also die Zeitspanne zwischen der Beisetzung eines Verstorbenen und der Neubelegung der Grabstelle, sind in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Je nach Region liegen diese zwischen zehn und dreißig Jahren. Wird die Pacht danach nicht verlängert, muss das Grab aufgelöst werden. Was mit dem ausgedienten Grabstein passiert entscheidet der Pächter, denn rein rechtlich gehört der Stein demjenigen, der ihn bezahlt hat. Aber was wenn man den Stein gar nicht möchte?

Beim Entsorgen eines Grabsteins spielt das persönliche Empfinden eine große Rolle: Manche Menschen empfinden eine Weiterverwendung pietätlos, andere haben damit kein Problem. Je nach Empfinden gibt es daher unterschiedliche Möglichkeiten, die in Frage kommen.

Im Fall oben hatte die Witwe des Verstorbenen kurz zuvor das Grab aufgelöst und den Grabstein einem Steinmetz überlassen. Dieser hatte wiederum den Stein und acht weitere an den Betreiber des Freizeitparks verkauft, allerdings unter der Bedingung, dass dieser die Inschriften entfernt. Das war nicht geschehen und die Steine wurden einfach aufgestellt. Hier liegt juristisch gesehen der Fehler – der Steinmetz war zum Weiterverkauf berechtigt. Welches Urteil den Betreiber des Freizeitparks erwartet, steht noch aus. Den Grabstein einem Steinmetz zu verkaufen ist nur eine Option. Wir haben verschiedene Ideen gesammelt.

6 Ideen, was Sie mit einem ausgedienten Grabstein machen können

1. Entsorgung durch die Friedhofverwaltung

Die einfachste Lösung ist es, der Friedhofsverwaltung die Auflösung der Grabstätte mitsamt dem Grabstein zu überlassen. In den meisten Fällen fällt eine Gebühr an, dafür hat man keine Arbeit damit. Die alten Steine werden nicht selten geschreddert. Die Bruchstücke werden dann beispielsweise im Straßenbau, bei der Erbauung von Mauern, als Uferbefestigung von Flüssen oder als Pflastersteine verwendet. Nur wer nachfragt, erfährt was genau mit dem Stein geschieht.

2. An einen Steinmetz oder Bestatter verkaufen 

Manche Bestatter und Steinmetze übernehmen alte Grabsteine. Vor allem wenn der Stein aus hochwertigem Naturstein besteht, nehmen ihn viele Steinmetze gerne an.  Für einen alten Grabstein erhält man zwischen zehn und zwanzig Prozent des Material-Neuwertes. Alternativ können Sie den Grabstein im Gegenzug für die Erledigung der Grabauflösung anbieten. Sie bekommen dann zwar kein Geld für Ihren Stein, müssen aber nichts für die Auflösung des Grabes bezahlen.

3. Selbst wiederverwenden

Soll der Grabstein nicht verkauft und später erneut benutzt werden, dann kann man ihn mitnehmen und einlagern. Ob eine Wiederverwendung möglich ist, sollte aber schon vorab geklärt werden. Viele Friedhöfe fordern mittlerweile ein Zertifikat, das die Herkunft eines Grabsteines belegt. Damit soll verhindert werden, dass billige Steine aus Kinderarbeit gekauft werden. Da viele Grabsteine älter als 20 Jahre sind, fehlt dieser Nachweis häufig und der Stein darf nicht erneut aufgestellt werden.

Ist ein Zertifikat vorhanden, ist die erste Hürde gemeistert. Nun muss entschieden werden, was mit der vorhandenen Inschrift passiert. Soll diese vor dem erneuten Gebrauch entfernt werden ist ebenfalls Vorsicht geboten. Damit der Grabstein stabil steht, muss er eine Mindestdicke haben. Ist die Inschrift zu tief oder der Stein nicht dick genug, kann es sein, dass nach dem Abschleifen die erforderliche Dicke nicht mehr gegeben ist. In diesem Fall darf der Grabstein ebenfalls nicht wieder verwendet werden.

Es ist aber nicht unbedingt nötig, den Stein abzuschleifen. Oft ist es möglich, eine Platte mit der neuen Inschrift über die schon vorhandene Schrift zu setzen. Manche Grabsteine können gedreht und auf der Rückseite beschriftet werden, das hängt von der Steinform und der Oberflächenbearbeitung ab. Auch diese Optionen sollten vorab geklärt werden.

4. Gedenkort einrichten

Kommt ein Verkauf oder ein erneuter Einsatz nicht in Frage, weil sie sehr am Grabstein hängen, kann er in seiner jetzigen Form einen Platz im Garten finden. Dort können sie sich einen persönlichen Gedenkort einrichten. Eingerahmt mit den passenden Pflanzen schaffen sie so einen Blickfang und einen Ort an dem sie sich an Ihre Angehörigen erinnern können. Gerade Steine, die Engelsfiguren oder ähnliches enthalten, eignen sich gut für diese Lösung.

Haben Sie keinen Garten, dann gibt es die Option, den Teil mit der Inschrift als Gedenkplatte heraus zu schneiden. Gefällt Ihnen der Gedanke daran eine Grabstein im Garten zu haben nicht, dann gibt es die Option den Teil mit der Inschrift als Gedenkplatte heraus zu schneiden. Dann haben Sie eine kleine Erinnerung im Kleinformat für zu Hause.

5. Umarbeiten lassen

Sind sie eher der praktische Typ und haben keine ethischen Probleme damit, können Sie den alten Grabstein umarbeiten lassen. Außer Steinmetzen verfügen Naturstein-Großhändler, Blockhändler und Steinbruchbetreiber über die erforderlichen Maschinen, um den Stein nach persönlichen Wünschen umzugestalten. Je nach Material und Form des Steines gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Aus einem Grabstein lässt sich beispielsweise eine Tischplatte, eine Sitzfläche, Steine für einen Fußweg oder ein Dekorationsstück gewinnen. Eine Umarbeitung kann je nach Umfang aber auch kostspielig sein, Sie sollten sich deshalb vorher bei einem Fachmann informieren.

6. Weiterverkaufen

Es gibt viele Privatleute, die sich keinen neuen Grabstein leisten können und deshalb einen gebrauchten Stein kaufen wollen. Möchten Sie den Stein privat veräußern, bieten sich die gängigen Onlineportale dafür an.  Gebrauchte Grabsteine sind allerdings nicht zwingend billiger als Neue. Hier kommen zusätzliche Kosten für den Käufer hinzu, um den Stein aufbereiten zu lassen. sm

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