Das in die Kritik geratene Marine-Segelschulschiff "Gorch Fock" hat die Kieler Bucht erreicht. Donnerstagmittag erreichte die Dreimast-Bark den Kieler Vorort Strande. "Das Schiff liegt dort vor Anker", sagte Marinesprecher Achim Winkler auf dapd-Anfrage. Am Abend wollte Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Torsten Geerdts (CDU) das Patenschiff des Landesparlaments besuchen.
"Gorch Fock" wieder zurück in der Kieler Bucht
Kiel (dapd-nrd). Das in die Kritik geratene Marine-Segelschulschiff "Gorch Fock" hat die Kieler Bucht erreicht. Donnerstagmittag erreichte die Dreimast-Bark den Kieler Vorort Strande. "Das Schiff liegt dort vor Anker", sagte Marinesprecher Achim Winkler auf dapd-Anfrage. Am Abend wollte Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Torsten Geerdts (CDU) das Patenschiff des Landesparlaments besuchen.
Am Freitag (10.00 Uhr) soll die Dreimast-Bark im Marinestützpunkt festmachen. Gesegelt wird das Schiff von der 181 Männer und Frauen starken Stammbesatzung unter dem Kommando von Michael Brühn. Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki forderte, die die Ausbildung auf dem Schiff dürfe nicht infrage gestellt werden. Er kündigte an, dem Schiff an Bord seines Motorbootes entgegen zu fahren und sie beim Einlaufen in den Hafen begleiten zu wollen.
Für Juni hat Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) den Abschlussbericht seines Ministeriums zu den Vorfällen auf dem Segelschulschiff angekündigt. Das geht laut "Financial Times Deutschland" aus einem Schreiben des Ministers an den Verteidigungsausschuss des Bundestags hervor. Es sei seine Absicht, "so zeitgerecht Stellung zu nehmen, dass eine Beratung im Verteidigungsausschuss in der ersten Sitzung im Juni vorgesehen werden könnte", heißt es darin.
Laut de Maizière soll in den Abschlussbericht die Entscheidung der Kieler Staatsanwaltschaft zum Tod einer Offiziersanwärterin an Bord des Ausbildungsschiffs im November 2010 einfließen. Außerdem sollen darin der noch ausstehende Bericht des Havariebeauftragten der Marine sowie der bereits vorliegende Bericht einer Untersuchungskommission der Marine Berücksichtigung finden. Die Marinekommission hatte ihre Bewertung der Vorfälle nach Abschluss der Befragungen der Mannschaft im März vorgelegt.
Die Affäre um die "Gorch Fock" hatte nach dem tödlichen Sturz der 25-jährigen Offiziersanwärterin Sarah Lena S. aus der Takelage des Segelschulschiffes begonnen. Sie war am 7. November vergangenen Jahres im brasilianischen Hafen von Salvador da Bahia aus 27 Meter Höhe auf Deck gestürzt.
Anschließend waren Vorwürfe laut geworden, an Bord würden Kadetten drangsaliert. Daraufhin hatte der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den Kommandanten Norbert Schatz suspendiert und eine Untersuchungskommission auf das Schiff geschickt. Ein an den Verteidigungsausschuss des Bundestags übergebener nichtöffentlicher Bericht entlastet Schatz nach dapd-Informationen.
Nach ihrer Rückkehr nach Kiel soll das Ausbildungsschiff vorerst aus der Fahrbereitschaft genommen werden. Nach den Worten der FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff gibt es im Bundestag "in den Fraktionen eine Tendenz zum Erhalt der Institution 'Gorch Fock' innerhalb der Bundesmarine". "Voraussetzung ist aber, dass alles dafür getan wird, dass das Schiff aus den Schlagzeilen kommt", sagte Hoff der "Leipziger Volkszeitung".
dapd
