Der achte Bundesligaspieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Gomez kehrt ans Licht zurück

Man hatte schon fast vergessen, was der wirkliche Beruf des Mario Gomez ist. Bergmann, so wie das vergangene Woche bei der Rettung der 33 Verschütteten in Chile kolportiert wurde. Oder Model für die Marke Boss. Nein, alles falsch. Gomez ist Stürmer beim FC Bayern München und meldete sich nach 245 Tagen zum Dienst zurück. Bundesliga-Kolumne von Stefan Galler

Gomez kehrt ans Licht zurück

Meisterbetrieb: Die Türkei schlägt zurück

Los geht es mit dem aktuellen Wochenspiegel der Top-News aus Politik und Gesellschaft. Zunächst wollen wir mit einem lauten Peng in die aktuelle Integrationsdebatte einsteigen. Schließlich sollen die populistischen Äußerungen so manches Politikers ja besonders beim leicht gestrickten Deutschen auf fruchtbaren Boden fallen. Man nehme den Kölner Fußballprofi Lukas P., selbst geboren in einem östlichen Nachbarland und offenbar dennoch kein Freund von Überfremdung. Sein privater Zoff mit dem Dortmunder Türken Nuri Sahin am Freitag ließ da tief blicken. Nachdem P. in seiner Eigenschaft als FC-Stürmer das 1:1 erzielt hatte, geriet er mit Zuwanderer-Sohn Sahin aneinander, bedeutete ihm grinsend mit den Fingern mehrfach eine "Drei" und eine "Null", garniert mit einer ziemlich obszönen Geste. Kann man schon mal machen, blöd nur, wenn der Schuss dann derart nach hinten los geht wie im Fall des oftmals als Karnevalsprinz verspotteten P.

Sahin selbst sorgte nämlich in den Schlusssekunden des Spiels für den Siegtreffer seiner Borussia und revanchierte sich mit einer Jubelgrätsche direkt vor die Beine des Kontrahenten. P. wollte sich hinterher zu den Vorfällen nicht äußern, ein heimlicher Mitschnitt der Konversation belegt jedoch, dass die rheinische Frohnatur mit seinem Theater gar nicht auf den deutschen 3:0-Sieg im Länderspiel gegen die Türkei angespielt hätte: Vielmehr wollte er dem in Lüdenscheid geborenen Sahin bedeuten, jener habe im Training schon dreimal ein Kopftuch getragen und sei in seinem Leben null Mal in einem Deutschkurs gewesen. Entsprechend groß die Empörung bei den Dortmundern, schließlich würde es BVB-Trainer Jürgen Klopp niemals zulassen, dass einer seiner Spieler dank ungewohnter Kopfbekleidung schillernder wirkt als er selbst.

Und zum Thema Deutschkurs ist zu sagen, dass der türkische Nationalspieler Sahin unsere Sprache mindestens so gut spricht wie die halbe deutsche Auswahl, besser als Lukas P. allemal.

Gesellenstück: Rückkehr ans Licht

Wir bleiben bei jenen Themen, die die Nachrichten der vergangenen Tage ganz abseits des Fußballs beherrschten. So hat die ganze Welt vergangene Woche gebannt die Rettung der chilenischen Bergarbeiter verfolgt. Und praktisch jeder, der auch nur einen Funken Menschlichkeit in sich trägt, hatte gehofft, dass alles gut gehen würde. Auch Mario Gomez, der zuletzt so bemitleidenswerte Stürmer a.D., dem man in jüngster Zeit kaum abnehmen konnte, dass Toreschießen die Tätigkeit in seinem Dasein ist, die er am besten beherrscht. Man mochte sich vor diesem Hintergrund gar nicht vorstellen, wie sich Gomez beim Rasenmähen, Kartoffeln schälen oder Einparken anstellen muss, wenn er schon bei seiner Berufsausübung dermaßen dilettiert.

Doch dieser Mario Gomez trat am Samstag aus dem fußballerischen Dunkel wieder ans Licht. Dass es für ihn gegen Hannover 96 gut laufen würde, hatte er selbst schon im Vorfeld gewusst. Und zwar laut eigener Aussage deshalb, weil einer der geretteten Chile-Kumpel ebenfalls Mario Gomez heißt und weil es sich insgesamt um 33 Verschüttete handelte – 33, die Rückennummer von Mario Gomez. Mag ja sein, dass es sich beim einstigen TOR-ero und den unglücklichen Südamerikanern um Seelenverwandte handelt – immerhin spielte Gomez zuletzt ja im wahrsten Sinne des Wortes total unterirdisch.

Der wahre Grund für die Leistungsexplosion des Nationalstürmers war jedoch am Samstag einzig und allein die Tatsache, dass er endlich ohne Druck aufspielen konnte. Es gibt derzeit beim FC Bayern nämlich außer ihm und Halbstürmer Müller keinen gesunden Angreifer. Nervenbündel Gomez blickte immer wieder auf die Reservebank und fand partout keinen, der ihm seinen Platz streitig machen würde. Dann tat er endlich wieder das richtig gut, was er am besten kann: Tore schießen.

Erstes Lehrjahr: Französische Eier

Damit schauen wir nach Frankreich, wo die breite Basis derzeit alles andere als glücklich ist mit der Regierung von Nicolas Sarkozy. Die Menschen demonstrieren voller Wut gegen die geplante Rentenreform, zeitweise wurden sogar die Benzin-Raffinerien des Landes bestreikt, Flughäfen lahm gelegt. Man könnte also salopp sagen, die Franzosen treten ihrem Präsidenten momentan böse in die Eier. Womit wir wieder bei der Bundesliga wären, wo derlei feindselige Verhaltensmuster an der Tagesordnung sind: Übungsleiter quälen ihre Spieler im Training mit Medizinbällen und Laktattests, die Profis piesacken ihre Kontrahenten auf dem Feld mit Fouls am laufenden Band, Fans gehen entweder auf den gegnerischen Mob los oder entziehen ihren eigenen Kickern die Zuneigung.

Doch manchmal tritt einer den anderen auch wirklich und tatsächlich dahin, wo es dem Mann am wehsten tut: Gladbachs Juan Arango etwa nahm sich am Sonntag die Familienjuwelen von Hoffenheims Salihovic vor, wurde prompt vom Platz gestellt und brachte sein Team damit auf die Verliererstraße. Später kassierte die Borussia sogar noch einen Platzverweis, womit das Team von Trainer Frontzeck die alleinige Tabellenspitze der Treter übernahm: Vier Rote Karten haben die Fohlen mittlerweile gesammelt. Und weil dieser umfangreichen Sammlung aktuell nur sechs erspielte Punkte gegenüberstehen, droht Gladbach ein hartes Jahr.

Da geht es den Borussen nicht viel besser als Nicolas Sarkozy. Abstieg und Abwahl – beides geht Betroffenen mächtig auf die Eier.

Zwei linke Hände: Keller-Duell bei Kellers Debüt

Und zu guter Letzt noch ein Blick zur Kontroverse um das Bahnhofprojekt Stuttgart 21. Dort wird ja vehement um einen Baustopp gerungen, mit Wasserwerfern auf Schüler und Greise geschossen und auch sonst den Regeln des Fairplay nicht immer Genüge getan. Auch hier ist der Bezug zum Bundesligafußball schnell hergestellt. Christian Gross, der einstige Erfolgstrainer, der den in der Bahnhofstadt beheimateten VfB im Vorjahr von den Abstiegsplätzen in die Europa League gehievt hat, wurde zwar nicht körperlich geknüppelt, aber vergangene Woche Knall auf Fall gefeuert. Seinen Platz übernahm der bisherige Assistent, dessen Name so gut zur Tabellensituation der Stuttgarter passt: Jens Keller soll dem VfB den Weg aus selbigem weisen.

Sein Debüt als Chefcoach war dann auch gleich ein richtiges Keller-Duell, denn der bisherige Vorletzte Schalke 04 bat zum Treffen der gestürzten Favoriten. Es passte zur Situation, dass die Partie unentschieden endete. Die Schwaben tragen weiterhin die Rote Laterne und so langsam drängt sich der Verdacht auf, dass Stuttgart 21 in Wirklichkeit der Deckname für diese Gruselsaison aus VfB-Sicht ist: Sollte man nämlich am Ende der Spielzeit nur 21 Punkte haben, dann wäre der Zug in Sachen Erstligafußball definitiv abgefahren – und zwar tief unter der Erde.