Geldanlage in unsicheren Zeiten Goldrausch 2026: Wie viel Edelmetall gehört wirklich ins Depot?

Die Preise für Gold und Silber sind explodiert und schwanken seither heftig. Warum Edelmetalle trotzdem einen Platz im Depot verdienen, welche Anlageformen sich eignen – und wann physische Münzen sinnvoller sind als börsengehandelte Produkte.

Gold zum Anfassen: Kleine Barren und Münzen gelten als möglicher Währungsersatz in Krisenzeiten, sind als reines Investment wegen Präge- und Lagerkosten aber nur bedingt geeignet. - © Prach - stock.adobe.com

Gold gilt seit Jahrtausenden als wertvoll, aber Preissprünge wie in den letzten Monaten sind für das glänzende Edelmetall trotzdem ungewöhnlich: Noch vor zwölf Monaten notierte es unter 3.000 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), im Januar 2025 erzielte es kurzzeitig Preise über 5.500 Dollar und liegt jetzt um 5.000 Dollar. Noch extremer war die Entwicklung bei Silber: Von einem Niveau von knapp über 30 Dollar je Unze ging es auf über 120 Dollar hoch. Der Preishype hat sich zwar zuletzt etwas beruhigt, aber es werden immer noch 75 Dollar und mehr geboten.

"Für die Preissprünge bei Gold und Silber haben in den letzten Wochen Spekulanten gesorgt, aber es gibt mehrere Gründe für das generell gestiegene Niveau", erklärt Mirko Kohlbrecher, Investmentstratege beim Vermögensverwalter Spiekermann & CO AG aus Osnabrück. Gold ist traditionell gefragt, wenn die Unsicherheit steigt, und davon gibt es derzeit jede Menge. Wie geht es weiter mit Inflation und Zinsen, dem Konflikt China-USA, dem Krieg in der Ukraine, der globalen Staatsverschuldung, der Monetarisierung der KI-Investments – um nur einige Themenfelder zu nennen. Silber hat neben der Funktion als mögliche Krisenwährung auch noch eine gewichtige Rolle als Industriemetall, etwa für Photovoltaik oder Elektromobilität. Die hier künftig erwartete Nachfrage kann Kursentwicklungen wie zuletzt verstärken oder wie in anderen Jahren abschwächen.

Aber was bedeutet das jetzt alles für Anleger? Sollen sie Gold oder Silber kaufen oder lieber die Finger davonlassen?

Edle Anlage aufbauen?

Tatsächlich kann diese Frage niemand mit absoluter Sicherheit beantworten. Ein Blick in die Vergangenheit scheint nur eins ganz klar zu zeigen: Wertlos war insbesondere Gold schon seit Jahrtausenden nicht. Es gilt nicht umsonst als das Werterhaltungsmittel. Ob Währungsreformen, Kriege oder andere Krisen – Edelmetall fand immer Abnehmer. Das bedeutet aber leider nicht, dass es immer eine gute Investmentidee war, einen glänzenden Schatz zu horten. Bei Silber sollten sich Anleger darüber im Klaren sein, dass die tatsächliche Nachfrage aus der Industrie eine wesentliche Rolle spielt, während dieser Faktor bei Gold eher vernachlässigbar ist.

Langfristig scheinen strategische Überlegungen von Zentralbanken und institutionellen Anlegern relativ bedeutsam zu sein. Wohin die Entwicklung geht, ist jedoch in der Regel nicht eindeutig vorherzusagen. "Das momentane Preisniveau ist auch ein Ausdruck allgemeiner Zweifel an der Entwicklung von Papierwährungen, trotzdem ist es nicht empfehlenswert, alles auf Gold zu setzen, denn es wirft keine Zinsen oder Dividenden ab und es gab auch schon mehrjährige Seitwärtsphasen", sagt Claus Walter von der Freiburger Vermögensmanagement GmbH. Hinzu kommen je nach Anlageform Prägekosten bei Münzen, Lagergebühren für Goldbarren im Schließfach oder Versicherungsprämien für die Reserve im heimischen Tresor. Unter dem Strich sind Beteiligungen an Unternehmen über Aktien langfristig oft die bessere Wahl, um die Kaufkraft von Vermögen nicht nur zu erhalten, sondern durch reale Renditen auszubauen. Das heißt aber nicht, dass professionelle Anleger Gold als Anlagebaustein in einem breit aufgestellten Vermögensmix ablehnen.

Notreserve, aber kein Allheilmittel

"Gold stellt für uns eine Art Notanker im Depot dar, der auch ein Gegengewicht zu volatilen Anlageklassen bilden kann", erklärt der Freiburger Investmentexperte Claus Walter. Denn oft ist Gold besonders dann gefragt, wenn es an den Aktien und Anleihenmärkten turbulent wird. Das kann die Wertschwankungen eines Anlagemix ein Stück weit begrenzen. Gleichzeitig könnte es eine gute Idee sein, eine gewisse Notreserve zu haben, die mehr oder weniger immer flüssig ist, falls es zu so etwas wie dem Zusammenbruch des Euro oder einer Hyperinflation wie im letzten Jahrhundert in Deutschland kommt.

Wer jedoch wirklich an so etwas glaubt, würde eine letzte Reserve wahrscheinlich nicht in einem Bankdepot horten: "In so einem Fall wären wir tatsächlich dann bei physischen Silber- und Goldmünzen in gängigen Prägungen und möglichst kleinen Stückelungen", sagt Spiekermann & CO-Investmentstratege Mirko Kohlbrecher: "Aber eigentlich rechne ich nicht mit so einem Szenario, sondern mit einer schleichenden Entwicklung." Bleibt es also eher langweilig normal, dürfte ein klassischer Anlagemix aus Aktien, festverzinslichen Wertpapieren und etwas Gold die bessere Option statt eines vergrabenen Schatzes im Garten sein, um Vermögen über die nächsten Jahrzehnte gut und rentabel zu positionieren.

"Früher galt ein Fünf-Prozent-Anteil am Gesamtvermögen als typische Empfehlung. Aus der heutigen Perspektive und in einem wahrscheinlich eher inflationären Umfeld ist das wahrscheinlich etwas gering bemessen und es dürfen je nach Risikoneigung auch mal bis zu 15 oder 20 Prozent sein", sagt Kohlbrecher zum empfohlenen Goldanteil im Depot. "Alles darüber hinaus ist dann schon eher eine Wette auf den Kollaps des Finanzsystems und an den glauben wir eher nicht."

Wie können Anleger in Edelmetalle investieren?

Und welche Vor- und Nachteile haben Minenaktien, ETCs, ETFs, Barren und Münzen?

AnlageklasseVorteileNachteileTipp
ETCs (Exchange Traded Commodities)Einfach zu handelnETCs sind rechtlich – anders als ETFs – kein Sondervermögen, sondern eine Schuldverschreibung. Je nach Konstruktion könnte bei einer Pleite des Emittenten das Investment wertlos werden. Für Krisen garantieren deswegen manche Anbieter eine physische Auslieferung, aber auch die kann kosten.Ein typisches Produkt mit physischer Hinterlegung wäre Xetra-Gold der Deutschen Börse (ISIN: DE000A0S9GB0)
ETFs (Exchange Traded Funds)Theoretisch Sondervermögen, preisgünstig und einfach zu handelnReine Gold- oder Silber-ETFs, die allein den Preis einzelner physischer Edelmetalle abbilden, sind aus rechtlichen Gründen in Deutschland nicht handelbar.In der Schweiz oder den USA sind solche Produkte zugelassen und für dortige Kunden handelbar.
Große BarrenKaufpreis relativ nahe am EdelmetallpreisSichere Lagerung kostet. Tauschwert für Krisenzeiten gerade bei Goldbarren oft zu hoch für Alltagsgeschäfte. 1 Unze entspricht hier momentan rund 4.000 Euro*Um vor Fälschungen sicher zu sein, nur bei etablierten Händlern oder Banken kaufen. Preise vorab zu vergleichen kann sich lohnen.
Münzen/kl. Barren/SchmuckBei gängigen Münzen und kleinen Standardbarren ist der Tauschwert leicht bestimmbarKosten für Prägung, Stückelung oder Schmuckdesign, drücken Renditeaussicht schon beim KaufMöglicher Währungsersatz in Krisen, aber als Investment eher ungeeignet. Beim Verkauf in normalen Zeiten lohnt sich oft der Weg zu einer Scheideanstalt, statt zu lokalen Juwelieren und Ankäufern zu gehen.
MinenaktienProfitieren von steigender Nachfrage oft noch stärker als die EdelmetallpreiseKlassische Risiken eines Aktieninvestments bis zum Totalverlust. Minenaktien gelten dabei als besonders schwankungsanfälliges Segment.Eher auf breite Investments über ETFs oder klassische Fonds setzen, um Risiken zu streuen oder Fachexpertise zu nutzen.

*(Quelle: scheideanstalt.de, Stand 17.2.26)