Online-Voting von Foodwatch "Goldener Windbeutel 2017": Die 5 dreistesten Werbelügen

Fünf Produkte standen zur Auswahl für den Preis "Goldener Windbeutel 2017" von Foodwatch. Darunter Müsli, Pflanzenöl und eine Ochsenschwanzsuppe, in der man vergeblich den Ochsenschwanz sucht. Das Produkt mit der dreistesten Werbelüge ist aber ein unscheinbarer Babykeks von Alete.

Fünf Produkte hatte Foodwatch für den "Goldenen Windbeutel" nominiert. Die Mehrheit der Teilnehmer des Online-Votings sprach sich für den "Babykeks" von Alete aus. - © foodwatch

Der "Goldene Windbeutel" von Foodwatch geht 2017 an Alete. Bei einer Online-Abstimmung sprachen sich nach Angaben der Verbraucherorganisation rund 50 Prozent der insgesamt 73.000 Teilnehmer für einen "Kinderkeks" des Herstellers aus.

Wie Foodwatch mitteilt, vermarktet Alete das Produkt entgegen den Empfehlungen von Medizinern schon für Säuglinge ab dem achten Monat "zum Knabbernlernen". Die Babykekse seien mit 25 Prozent Zuckeranteil sogar zuckriger als Leibniz Butterkekse und förderten Karies.

Die Verbraucherorganisation forderte den Babynahrungshersteller auf, das Produkt vom Markt zu nehmen und sein Sortiment zu überarbeiten. Alete habe in einem Schreiben an Foodwatch angekündigt, den zuckrigen Babykeks in Zukunft nicht weiter als "babygerecht" zu bewerben. Zudem arbeite der Nahrungsmittelhersteller bereits an einer Rezepturveränderung.

Die Kandiadaten für den "Goldenen Windbeutel" 2017

Außer dem Alete Babykeks waren vier weitere Produkte für den "Goldenen Windbeutel" 2017 nominiert. Das Ergebnis im Detail:

Rang Produkt Ergebnis der Abstimmung (in Prozent) Begründung von Foodwatch
1 Alete Kinderkeks 50 Alete bezeichnet seinen Kinderkeks als "babygerecht" und empfiehlt ihn "zum Knabbernlernen" ab dem achten Monat. Ein Keks mit 25 Prozent Zucker – babygerecht?! Babynahrungsspezialist Alete hat für "babygerecht" seine ganz eigene Definition, nämlich: "für die kleine Hand zum Selberessen". Auf der Verpackung erklärt Alete das nur versteckt in einer Fußnote.
2 Unilever: Becel Omega-3 Pflanzenöl 16,5 Unilever täuscht mit seinem Becel Pflanzenöl ein hochwertiges Gesundheitsprodukt vor und rühmt das Öl als Quelle von gesundem Omega-3. Ganz normales Rapsöl enthält aber ein Drittel mehr von dieser wichtigen Fettsäure und kostet deutlich weniger. Hauptzutat bei Unilever ist billiges Sonnenblumenöl, hochwertig ist lediglich der Preis (6,58 Euro pro Liter).  
3 Continental Foods: Lacroix Ochsenschwanz Suppe 15,3 Hersteller Continental Foods bewirbt seine Ochsenschwanzsuppe mit der "Lacroix-Qualitätsphilosophie" und bezeichnet sie als "kleinen kulinarischen Höhepunkt des Tages". Doch in der Ochsenschwanzsuppe sucht man eins vergeblich: Ochsenschwanz.  
4 Kellogg's: Urlegenden Müsli Quinoa, Apfel, Cranberries & Chia-Samen 13,8 Kellogg‘s wirbt mit "Urkorn" – in dem "Urlegenden Müsli Quinoa, Apfel, Cranberries & Chia-Samen" sind aber nur 2,5 Prozent "Urkorn" enthalten (Quinoa). Was die Märchenonkel von Kellogg‘s außerdem im Kleingedruckten verstecken: Das "Frühstück für Legenden" enthält neben 20 Prozent Zucker auch Palmöl, Aroma und Zusatzstoffe. Das ist alles andere als ursprünglich.
5 Bauer: Protein Drink Vanille 4,5 Der Hersteller Bauer bewirbt seinen Protein-Drink an eine "fitnessorientierte und alltagsaktive Zielgruppe". Doch selbst wer viermal die Woche joggen geht, braucht keinen Protein-Zusatz. Der Protein-Trend ist eine überflüssige Marketing-Masche, die Verbraucherinnen und Verbraucher teuer bezahlen: Der Bauer Milch-Drink ist etwa 50 Prozent teurer als andere Vanillemilch.  

Foodwatch vergibt den "Goldenen Windbeutel" in diesem Jahr zum siebten Mal. Die erste Wahl fand 2009 statt. Bisherige Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein Instant-Tee für Kinder von Hipp (2012). Ziel ist es, mit dem Negativpreis auf die systematische, ganz legale Irreführung bei Lebensmitteln hinzuweisen und bessere Gesetze zu erwirken. dhz