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Fünftelregelung Abfindung: So lässt sich die Steuerlast abmildern

Die Corona-Krise sorgt für eine steigende Arbeitslosenquote in Deutschland. Wenn Entlassungen ins Haus stehen, erhalten betroffene Mitarbeiter mitunter eine Abfindung. Doch dabei hält auch der Fiskus die Hand auf. Wie Arbeitnehmer bei der Abfindung Steuern sparen können.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Kündigung: Tipps und Fallstricke

Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsmarkt mit voller Wucht getroffen. Millionen von Arbeitnehmern sind in Kurzarbeit, andere haben ihren Job bereits verloren: Im Mai 2020 stieg die Arbeitslosenquote in Deutschland auf 6,1 Prozent, die Zahl der als arbeitslos gemeldeten Personen stieg gegenüber dem Vormonat um mehr als 169.000 an. Im Vergleich zum Mai vergangenen Jahres stieg die Zahl der Arbeitslosen sogar um 577.000 an. Und weitere Stellenstreichungen werden folgen, davon sind die Experten überzeugt.

Den Arbeitsplatz durch eine Kündigung zu verlieren, ist bitter. Manche Arbeitnehmer erhalten immerhin eine Abfindung. Doch einen grundsätzlichen Anspruch darauf gibt es nicht: "Grundsätzlich haben Arbeitnehmer im Fall einer Kündigung keinen Rechtsanspruch auf eine Abfindung", sagt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Gütersloh. Dennoch kann es unter bestimmten Voraussetzungen sein, dass Betroffenen eine Abfindung zusteht. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn Entsprechendes in einem mit dem Betriebsrat ausgehandelten Sozialplan oder in einem Tarifvertrag verankert ist. Mitunter bietet der Arbeitgeber auch von sich aus eine Abfindung an, um eine langwierige Auseinandersetzung vor dem Arbeitsgericht zu vermeiden. Denn Arbeitgeber laufen vor allem bei langwierigen Verfahren Gefahr, bei einem Sieg des Arbeitnehmers dessen Lohn für die Zeit, in der er kündigungsbedingt nicht gearbeitet hat, nachzahlen zu müssen.

Abfindung: Das Finanzamt hält tüchtig die Hand auf

Manchmal erhalten Entlassene auch im Rahmen einer Kündigungsschutzklage einen Abfindungsanspruch zugesprochen. Eine Konstellation, in der Arbeitnehmer eine Abfindung erhalten, ist etwa die fehlende Beteiligung des Betriebsrats: Dann kann der Arbeitnehmer einen Nachteilsausgleich nach dem Betriebsverfassungsgesetz geltend machen. Generell gilt dabei, so Schipp: "Je fehlerhafter die Kündigung war, desto höher ist oft die Abfindung." Oft ziehen Gerichte eine Faustformel von einem halben Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr heran, wenn sie die Verhandlungen zwischen den Parteien in Gang bringen wollen. Zwingend ist diese Faustformel aber nicht.

Grundsätzlich gilt eine Abfindung als einmalige Geldzahlung des Arbeitgebers an den Beschäftigten. Sie soll den Arbeitnehmer für den Verlust des Arbeitsplatzes entschädigen. Doch auch wenn sich die Abfindungssummen mitunter fürstlich anhören, könnte am Ende wenig davon übrig bleiben. Denn das Finanzamt hält bei Abfindungen tüchtig die Hand auf: "Abfindungen wegen Entlassung aus einem Dienstverhältnis sind grundsätzlich in voller Höhe lohnsteuerpflichtig", sagt Andreas Baumann, geschäftsführender Gesellschafter der Würzburger Steuerberatungskanzlei Dr. Kley. Und nicht nur das: "Angesichts des progressiven Verlaufs des Steuersatzes in Deutschland hat eine hohe Abfindung eine große Auswirkung auf den Steuersatz, da sich durch die Abfindung das steuerpflichtige Einkommen und damit die Steuerbelastung stark erhöht." Immerhin: Sozialbeiträge fallen für die Abfindung nicht an.

Fünftel-Regelung: Abfindung wird fiktiv auf fünf Jahre verteilt

Die sogenannte Fünftel-Regelung hilft den betroffenen Arbeitnehmern, die Steuerlast zumindest etwas zu senken. Bei diesem im Einkommensteuergesetz geregelten Verfahren wird die Abfindung fiktiv auf fünf Jahre verteilt. "Die Abfindung kann unter Anwendung der Fünftel-Regelung versteuert werden, wenn es sich um außerordentliche Einkünfte handelt", erläutert Steuerberater Baumann. "Diese liegen vor, wenn die Abfindung innerhalb eines Kalenderjahres gezahlt wird und durch die sogenannte 'Zusammenballung von Einkünften' eine erhöhte steuerliche Belastung entstehen kann." Bei der Fünftel-Regelung beträgt die Steuer auf die Abfindung das Fünffache des Unterschiedsbetrags zwischen der Steuer auf das normale Einkommen und der Steuer auf das normale Einkommen zuzüglich eines Fünftels der Abfindung. Dadurch sinkt die Belastung etwas, die Steuer muss allerdings trotzdem auf einen Schlag gezahlt werden.

Wie stark die Fünftel-Regelung die Belastung senkt, verdeutlicht Steuerberater Baumann anhand eines Rechenbeispiels: Ein Ehepaar kommt auf einen gemeinsamen Bruttoarbeitslohn von 60.000 Euro (je Ehegatte 30.000 Euro). Abzüglich Werbungskosten und Vorsorgeaufwendungen ergibt sich daraus ein zu versteuerndes Einkommen von rund 48.500 Euro – und eine Einkommensteuer im Splittingtarif von circa 7.500 Euro. Bekommt nun einer der Ehepartner im gleichen Jahr eine Abfindung in Höhe von 100.000 Euro, würde die Steuerlast auf rund 47.500 Euro anwachsen. Real blieben dann von den 100.000 Euro Abfindung lediglich 60.000 Euro übrig.

Großer Effekt bei niedrigen Einkommen

Die Fünftel-Regelung mildert die Abgabenlast ein wenig: Dabei ermittelt der Fiskus im ersten Schritt die Steuer für das Einkommen ohne Abfindung, dann wird das Einkommen fiktiv um ein Fünftel der Abfindung erhöht. Von der daraus ermittelten Steuer werden die 7.500 Euro abgezogen, die ohnehin gezahlt werden müssten, woraus sich der sogenannte Unterschiedsbetrag ergibt. Dieser wiederum wird verfünffacht und zur Steuer ohne Abfindung addiert. Am Ende steht die zu zahlende Steuer – im Beispielfall wären es ca. 39.500 Euro. Real bleiben dann von den 100.000 Euro Abfindung immerhin rund 68.000 Euro übrig.

"Der Effekt der Fünftel-Regelung ist umso größer, umso kleiner das normale Einkommen ist“, erläutert Steuerberater Baumann. "Aus diesem Grund sollte bei Entlassungen beispielsweise zum 31. Dezember eines Jahres darauf geachtet werden, dass die Abfindung nicht noch im laufenden Jahr gezahlt wird, für das noch normaler Arbeitslohn bezogen wurde, sondern erst zu Beginn des nächsten Jahres, in dem dann aufgrund von Arbeitslosigkeit oder längerer Arbeitsplatzsuche für mehrere Monate überhaupt kein Arbeitslohn bezogen wird." Im Beispielfall würden dann nur 27.000 Euro Steuern anfallen – und damit von der Abfindung real 81.000 Euro von den 100.000 Euro Abfindung übrig bleiben.

Steuern sparen durch Einzahlung in Pensionskasse

Ein andere Möglichkeit Steuern zu sparen, ist die Einzahlung der Abfindung in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds. Der Höchstbetrag der steuerfreien Einzahlung beträgt vier Prozent der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung, multipliziert mit der Anzahl der Jahre, die das Arbeitsverhältnis bestand (maximal zehn Jahre). "Die Anwendung setzt nicht voraus, dass das Dienstverhältnis vom Arbeitgeber beendet wurde", so Baumann. "Sie ist auch möglich, wenn der Arbeitnehmer freiwillig oder wegen Erreichen der Altersgrenze ausscheidet."

Arbeitnehmer, die in ihrem Betrieb gemobbt wurden, können statt einer Abfindung steuerfreie Schmerzensgeldansprüche erhalten. Darauf weist Thomas Schulze hin, Unternehmensberater und Finanzcoach aus Hoym in Sachsen-Anhalt. Geregelt ist dies im Gleichbehandlungsgesetz. Solche Kompensationszahlungen sind steuerfrei, weil es sich um Schadensersatz für immaterielle Schäden durch den Arbeitgeber aufgrund des Mobbings handelt. "Wichtig ist: Die Diskriminierung muss sich beweisen lassen." Sonst handelt es sich um einen sogenannten Umgehungstatbestand – und der Arbeitnehmer macht sich wegen Steuerhinterziehung strafbar, das Unternehmen gar wegen Betrugs.

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