Die Gasversorgung von Russland über die Ukraine nach Europa ist Gazprom zufolge nicht mehr möglich. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) beruhigt jedoch die deutschen Verbraucher.
Glos: Gasversorgung ist gesichert
Der Vizechef des russischen Gaskonzerns Gazprom, Alexander Medwedew, sagte, in der Nacht zu Mittwoch habe die Ukraine alle Gasleitungen nach Europa abgesperrt. Es gebe für Gazprom "keine Möglichkeit Gas zu schicken". Derzeit sehe Gazprom keine Bereitschaft der Ukraine Gespräche aufzunehmen. "Wir sind bereit für Verhandlungen", fügte Medwedew hinzu. Die Ukraine solle sich entscheiden, welchen Preis sie für das Gas zahlen wolle.
Über die Pipeline durch Weißrussland und Polen, den nördlichen Korridor, würden allerdings noch 150 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag geliefert. Gleichzeitig warnte Medwedew angesichts der eisigen Temperaturen vor einer ernsten Gefahr für das Leitungssystem. Wenn es so kalt sei, könnten die Leitungen schwerer wieder gestartet werden. Es könne zwischen 12 und 24 Stunden dauern.
Glos: Versorgung gesichert
Die Versorgung sei für lange Zeit gesichert, sagte Glos im ARD-"Morgenmagazin". Aus Russland beziehe Deutschland nur rund ein Drittel seines Gasbedarfs.
Glos forderte Russland und die Ukraine auf, eine schnelle Lösung in ihrem Streit zu finden und nicht andere Länder als Geisel zu nehmen. Gleichzeitig sprach er sich dafür aus, die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft vom Gas zu verringern. So sei es falsch, immer mehr Strom aus Gas zu erzeugen.
In Deutschland gebe es derzeit noch Gasreserven für rund drei Monate, die aufgrund der kalten Witterung allerdings schneller schrumpfen könnten, sagte Glos. Im Gegensatz zu anderen Ländern sei die Bundesrepublik nicht ausschließlich auf russische Lieferungen angewiesen.
Angesichts der Auswirkungen des Gastreits zwischen der Ukraine und Russland auf Deutschland hat der Außenhandelsverband für Mineralöl und Energie (AFME) den schnellen Aufbau einer gesetzlichen Gas-Reserve gefordert, wie es sie bereits für Mineralöl gibt. "Auf die Gas-Lieferverträge allein können wir uns offensichtlich nicht verlassen", sagte AFME-Geschäftsführer Bernd Schnittler der "Rheinischen Post". "In Situationen wie jetzt sehen Sie ja, wieviel solche Garantien wert sind." Deswegen sei Deutschland gut beraten, neben den Speichern der Energieunternehmen auch eine strategische 90-Tage-Reserve für Erdgas aufzubauen. Dafür müsse die Bundesregierung möglichst schnell die gesetzlichen Grundlagen schaffen, forderte Schnittler.
ddp
