Glasbären für die Berlinale Glaswerkstatt ist Geburtsort der Berlinale Bären

Aus Feuer und Glasstäben entstehen ein Mal im Jahr bei Lutz Mitlacher aus Neuhaus am Rennweg vier honigfarbene Bären, die bei der Berlinale für Kinder- und Jugendfilme vergeben werden.

Doreen Fischer

Lutz Mitlacher bei der Arbeit: Mit einer Art Zange werden die Feinheiten aus dem heißen Werkstoff herausgeholt. - © Foto: D.Fischer

Schon seit vielen Jahren betreibt der Glaskünstler ein bärenstarkes Geschäft. Immer im Januar oder Februar trägt Lutz Mitlacher dazu bei, dass die besten Filmemacher aus aller Welt einen Preis überreicht bekommen, den es so nirgendwo zu kaufen gibt. Denn Fakt ist eines: Nur jeweils vier der zerbrechlichen Figuren verlassen die Werkstatt des Künstlers. Und jeder einzelne Bär ist ein Unikat – echte Handarbeit eben.

Trophäe muss Berlinale-Logo ähneln

Den Auftrag hatte er einst von einem befreundeten Glasmacher aus Lauscha übernommen, der sich in den Ruhestand verabschieden wollte. Natürlich müssen Vorgaben der Festival-Veranstalter genauestens eingehalten werden. Das wichtigste dabei ist, dass die Trophäe in fertigem Zustand dem Berlinale-Logo sehr ähnlich sein sollte. Andererseits ist es erklärtes Ziel des Glaskünstlers, dass der Bär möglichst große Ähnlichkeit mit seinen lebenden Vorbildern besitzt. Deshalb hat Lutz Mitlacher unzählige Zoos besucht und Tiere studiert. Schrittstellung, Körperhaltung, kurze Ohren, der Höcker hinter dem Kopf und eine im Vergleich zum massigen Körper kleine Schnauze. Genau diese Dinge setzt er in seiner Werkstatt um.

"Das ist ein sehr anspruchsvoller Auftrag", bekennt der Neuhäuser. Zwei verschiedene Größen fertigt er jeweils. Elf Zentimeter groß und 350 Gramm schwer sowie 15 Zentimeter groß und 400 Gramm schwer. "Wenn man dieses Gewicht eine Stunde lang am Handgelenk hat, dann ist das schon anstrengend. Eben weil man jede Figur in einem Stück fertigen muss.“ Eine gewisse Routine hat sich der Glasmacher im Laufe der Jahre eigens für die Trophäe erarbeitet. Ein etwas zu mager ausgefallener Bär auf seinem Arbeitstisch erinnert jedoch daran, dass anfangs auch mal ein Teil danebengegangen ist.

Tiere sind Spezialgebiet

Neben Tierfiguren fertigt Mitlacher auch kleine Teufel auf Orchideenstäben. - © Foto: D.Fischer

Glasstäbe erhitzen, drehen, formen, anfügen! Jeder einzelne Handgriff sitzt. Mit einer Art Zange werden die Feinheiten aus dem heißen Werkstoff herausgeholt. Und zwar so lange, bis aus der zähflüssigen Masse schließlich die gewünschte Figur entsteht. So auch die berühmten Berlinale-Preise. Zum Schluss bekommt jedes einzelne Tier noch einen geschliffenen Glassockel. Dann sind die Gläsernen Bären bereit für ihre Reise von Neuhaus am Rennweg nach Berlin. Und von dort hinaus in die ganze Welt.