Wendt fordert zum Ausgleich mehr Geld und Personal für deutsche Polizei Gewerkschaft für Beteiligung an Polizeiausbildung in Nordafrika

Deutschland sollte sich nach Ansicht der Deutschen Polizeigewerkschaft intensiv an der Polizeiausbildung in Nordafrika beteiligen. Insbesondere in Libyen dürfe sich Deutschland dieser Aufgabe nicht verweigern, sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd in Berlin.

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Gewerkschaft für Beteiligung an Polizeiausbildung in Nordafrika

Berlin (dapd). Deutschland sollte sich nach Ansicht der Deutschen Polizeigewerkschaft intensiv an der Polizeiausbildung in Nordafrika beteiligen. Insbesondere in Libyen dürfe sich Deutschland dieser Aufgabe nicht verweigern, sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. Auch in anderen Staaten wie Tunesien und Ägypten müsse Deutschland bei Bedarf helfen, demokratische Polizeistrukturen aufzubauen. Dafür sei allerdings mehr Geld und Personal nötig.

"Jeder Einzelne, der weggeht, fehlt im Inland", sagte Wendt. Bei der deutschen Polizei herrsche überall Personalmangel. Für internationalen Missionen seien zusätzlich zu den Polizisten im Ausland Kräfte im Inland nötig, um die Einsätze vorzubereiten und zu betreuen. Ohne einen personellen Ausgleich sei das nicht zu stemmen.

Wendt sagte, die deutsche Polizei habe selbst großes Interesse an einem Engagement in Nordafrika. Schließlich gehe es auch darum, mit der Flüchtlingsbewegung nach Europa fertigzuwerden. Die Bundesregierung hat angeboten, nach dem Ende des Kriegs in Libyen Polizisten für das nordafrikanische Land auszubilden. Die Überlegungen stehen aber noch ganz am Anfang.

Der Gewerkschaftschef sagte, die deutschen Polizisten seien für Auslandseinsätze bestens gerüstet und hätten sich bei solchen Missionen einen sehr guten Ruf erarbeitet. Er widersprach damit Klagen der Gewerkschaft der Polizei (GdP), es gebe Mängel bei der Vorbereitung und Ausrüstung für Auslandsmissionen und eine Benachteiligung der Polizisten gegenüber Bundeswehrsoldaten. Wendt sagte, von alldem könne keine Rede sein. Die GdP sei wohl der "einen oder anderen unzufriedenen Einzelperson aufgesessen".

Auch die Forderung der Konkurrenzgewerkschaft nach einem Einsatzführungskommando für Polizisten im Auslandseinsatz wies Wendt zurück. Dies sei "schlicht überflüssig".

Derzeit sind laut Gewerkschaft 364 Polizisten bei zwölf Auslandsmissionen im Einsatz - unter anderem in Afghanistan, im Kosovo und im Sudan.

dapd