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Getreideernte 2018 Dürre in Deutschland: So trifft es die Müller

Nicht nur die Landwirte klagen wegen der Dürre und den Ernteausfällen. Sie können sich nun jedoch über finanzielle Hilfen von Bund und Ländern freuen. Doch auch die Müller haben mit der Dürre zu kämpfen. Die magere Ernte wirkt sich auf die Getreidequalität und die Preise aus.

Der heiße Sommer 2018 hat Folgen. Die wochenlange Dürre in vielen Regionen Deutschlands sorgt für eine magere Erntebilanz bei Deutschlands Landwirten. Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums hat schätzungsweise jeder 25. landwirtschaftliche Betrieb in Deutschland mit Ernteausfällen zu kämpfen. Weil weniger Getreide, weniger Mais und andere Feldfrüchte verkauft werden können und weil massiv Futter für die Tiere fehlt bzw. Ersatz zugekauft werden muss, seien bundesweit rund 10.000 Betriebe in ihrer Existenz bedroht. Deshalb sollen diese Landwirte mit starken Einbußen staatliche Nothilfen von bis zu 340 Millionen Euro bekommen – 150 bis 170 Millionen Euro vom Bund und den Rest von den Ländern.

Welche Folgen hat der heiße Sommer für Müller und Bäcker?

Folgen hat die Dürre bzw. die regional sehr unterschiedlich starke Ernte auch für die Mühlenbetreiber in Deutschland. Sie beziehen ihr Getreide zu rund 95 Prozent aus dem Inland. In einigen Regionen gibt es Ernteausfälle von bis zu 70 Prozent. Der Bauernverband meldet, dass die diesjährige Getreideernte in Höhe von 35,6 Millionen Tonnen um 22 Prozent unter der von 2017 liegt. "Das extrem trockene Wetter hat zu einem hohen Anteil an Schmachtkörnern geführt, was die Verarbeitung des Getreides und die Mehlausbeute deutlich beeinträchtigen", erklärt Peter Haarbeck, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Mühlen dazu. Es gibt also nicht nur zu wenig Getreide, das zu Mehl verarbeitet werden kann. Dieses Getreide verspricht auch noch eine magerere Mehlausbeute.

Weizen und Roggen sind die wichtigsten Rohstoffe für die Mühlen in Deutschland. Schätzungen zufolge machen die Kosten für die Rohstoffbeschaffung rund 80 Prozent der Gesamtkosten im Mühlenbetrieb aus. Die bislang teilweise katastrophale Ernte macht deshalb den Mühlen zu schaffen – die Rohstoffbeschaffung wird in den betroffenen Regionen in diesem Jahr weit aufwändiger als sonst. Betroffen sind insbesondere der Norden und Nordosten der Republik; in anderen Regionen, wie etwa im südlichen Bayern, haben die Bauern jedoch bereits ganz passable Ernte eingefahren.

Klar wird aufgrund der stark unterschiedlichen Situation, dass die Mühlenbetriebe in diesem Jahr nicht nur mit fehlenden Mengen zu kämpfen haben, sondern auch mit schlechten Verarbeitungsqualitäten. "Landwirte die Brotgetreide in ordentlichen Qualitäten geerntet und ausreichende Lagerkapazitäten haben, sind mit der Vermarktung des Getreides überaus zögerlich, sie setzen auf weiter steigende Getreidepreise", sagt Peter Haarbeck zur schwierige Situation, jetzt an gutes Getreide zur Mehlherstellung zu kommen. Besonders schwierig sei es derzeit gute und bezahlbare Roggenpartien zu bekommen.

Steigen jetzt die Getreidepreise?

Die Notierung für Weizen an der europäischen Warenterminbörse Matif in Paris liegen aktuell bei rund 205 Euro je Tonne. Anfang des Jahres hat sie noch 155 Euro gekostet. Hier sind Preisanstiege also deutlich zu spüren. Doch nicht nur die Notierung in Paris entscheidet darüber, ob hierzulande auch die Getreidepreise und entsprechend die Preise für Getreideprodukte und schließlich auch Backwaren steigen. "Wichtig zu verstehen ist, dass die Börsennotierung zwar eine wichtige Orientierung für die Preisbildung für Getreide in Deutschland gibt, die tatsächlichen Marktpreise aber von weiteren Faktoren abhängen. Für Getreide mit guten Vermahlungsqualitäten müssen teils deutliche Qualitätsaufschläge bezahlt werden", so der Branchenfachmann.

Grundsätzlich hält er die Staatshilfen für in Not geratene Getreidebauern für sinnvoll, wenn sie zielgerichtet eingesetzt werden. "Auch Landwirte, die nachhaltigen Ackerbau nach bester fachlicher Praxis betreiben, können nichts mehr tun, wenn der Regen über Monate ausbleibt." Der Klimawandel sei eine große Herausforderung für die gesamte Getreidekette. „Für eine gute regionale Versorgung mit Brotgetreide sind die Mühlen auf leistungsfähige landwirtschaftliche Betriebe angewiesen. Staatliche Hilfen stehen nicht im Widerspruch zur Notwendigkeit, dass die Landwirtschaft alles daran setzen muss, sich weiter auf die neuen Herausforderungen auszurichten.

Werden nun Brot und Brötchen teurer?

Dass es nun nicht zwingend zu höheren Preisen bei Backwaren kommen muss, bestätigt der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. "Die Auswirkungen der Rohstoffpreisentwicklung auf die Preisbildung von Backwaren können sehr unterschiedlich ausfallen, da diese immer von der Kalkulation und der Kostenstruktur des jeweiligen Unternehmens abhängen", erklärt dazu Hauptgeschäftsführer Daniel Schneider. Jedes Unternehmen sei unterschiedlich aufgestellt und jedes Produkt werde individuell kalkuliert, so dass keine pauschale Aussage über eine eventuelle Anpassung getätigt werden könne. Die Unternehmer entscheiden selbst, ob eine Veränderung am Markt eine konkrete Auswirkung auf ihre Produkte haben – also auch, ob sie eventuelle Preisanstiege weitergeben.

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