Textilreiniger reagieren auf den Wandel Gestalter an der Hosenpresse

Für Textilreiniger ist weniger der Markt das Problem. Vielmehr fehlt es an Nachwuchs.

Frank Muck

Ob Luxus oder nicht: Der Markt bietet vielfältige Möglichkeiten. - © Foto: Wörrle

Gestalter an der Hosenpresse

Textilreinigung ist Luxus. Christian Himmelsbach macht sich darüber gar keine Illusionen. "Überlegen Sie doch mal selbst, wann Sie zur Reinigung gehen", sagt der Textilreinigermeister aus Freiburg. 50 bis 60 Prozent der Damenoberbekleidung etwa sehe nie eine Reinigung. Die meisten Kunden brächten doch eh nur ihre Anzüge oder mal einen Popelinmantel. Diese Ausgabe sei für viele eben nur ein notwendiges Übel. Auch wenn Himmelsbach resigniert klingt, so ist er doch nur realistisch und er weiß durchaus, welche Chancen der Markt bereithält.

Textilreiniger werden zum Problemlöser

Zum Beispiel in Form der demografischen Entwicklung. In einer älter werdenden Gesellschaft können und wollen die Menschen immer weniger selbst machen. Der Textilreiniger ist nicht mehr nur derjenige, der die Wäsche behandelt, er wird zum Problemlöser, der die Wäsche holt, reinigt und wieder bringt. "Dafür könnte man dann beispielsweise eine Flatrate berechnen“, schlägt Himmelsbach vor. Dieser Homeservice lasse sich um ander Angebote erweitern, wobei Allroundangebote eher dem Leistungsangebot von Wäschereien zuzurechnen wären.

Doch die Grenzen sind hier fließend und Himmelsbach nennt weitere Möglichkeiten. Denkbar wären auch ein Vorhang- und Dekorationsservice. Textilreiniger müssten dafür unter Umständen ihr Personal für bestimmte Arbeiten fit machen und sensibilisieren. Denn für Angebote, die so weit in die Privatsphäre der Kunden vordringen, wäre ein sensibles Vorgehen gefragt. Qualität und Service seien natürlich selbstverständlich.

Mit Wäschereien gibt es Kooperationsmöglichkeiten. Auch wenn diese hauptsächlich gewerbliche Kunden haben, gibt es Überschneidungen. Die Partner könnten ihre jeweiligen Stärken in einer Zusammenarbeit einbringen. Der Textilreiniger könne etwa im Kundensegment Krankenhäusern und Altenheimen ergänzende Angebote machen, die Wäschereien nicht oder nur unter großem Aufwand leisten können. Die Reinigung sensibler Wäsche, wie Kaschmirpullover etwa. Himmelsbach selbst hat sich weitere Kundengruppen wie Kostümverleihe und Theaterfundi erschlossen.

Betriebe haben sich auf Wandel des Marktes eingestellt

Ob Luxus oder nicht, die Textilreinigungsunternehmen kennen die schwierigen Marktbedingungen und haben sich offensichtlich auf den Wandel des Marktes eingestellt, denn von Umsatzeinbußen kann in den vergangenen beiden Jahren keine Rede sein. Der Branchenbericht des Deutschen Textilreinigungs-Verbandes (DTV) weist einen Umsatzanstieg von 4,7 Prozent im Jahr 2007 aus. Zwar sähen die Erwartungen nach einem leichten Anstieg im vergangenen Jahr nicht mehr ganz so gut aus, dennoch spricht der Verband von einer Trendwende bei den Reinigungen.

Ein wirkliches Problem sieht der Obermeister der Landesinnung Baden-Württemberg weniger in neuen Geschäftsfeldern, aber in fehlendem Nachwuchs. Viele Inhaber geben auf, weil sie keine Nachfolger finden. Laut DTV-Bericht sind Geschäftsauflösungen aus Altersgründen an der Tagesordnung. "Viele Unternehmerkinder finden die Übernahme einer Reinigung mit viel Arbeit und einem im Vergleich dazu nicht gerade hohen Einkommen wenig attraktiv, zumal wenn sie selbst gut ausgebildet sind", so der Betriebsinhaber, der ein Geschäft mit 20 Mitarbeitern, einem Hauptbetrieb und zwei Filialen in Freiburg betreibt. Es sei Tatsache, "dass es an jungen, dynamischen Unternehmern mangelt, die Textilreinigungen übernehmen, ausbauen und weiterführen". Himmelsbach, selbst kinderlos, weiß, wie schwer es ist als Familienunternehmer. Das 125 Jahre alte Geschäft führt er in vierter Generation zusammen mit seinem Bruder Meinrad.

Betriebsinhaber sind oft politisch oder sozial gefordert

Mit der Arbeit im Laden sei es ja nicht getan, gibt er zu bedenken. Denn ein Betriebsinhaber sei meist auch in seiner Stadt politisch oder sozial gefordert: Vereinsarbeit, Netzwerke, Stadtrat und Innungstätigkeit. Er selbst ist unter anderem in der Jugendarbeit tätig.

Einfache Lösungen für das Nachwuchsproblem hat Himmelsbach auch nicht parat. Dennoch gebe es Möglichkeiten. Bei der Ausbildung etwa. Die Attraktivität handwerklicher Ausbildung müsse deutlich verbessert werden, damit sich nicht so viele Jugendliche einer kaufmännischen Ausbildung oder nicht allein einem Studium zuwenden. Außerdem solle ein Vater als Betriebsinhaber auch die Vorzüge des Unternehmertums herausstellen, etwa die Gestaltungsmöglichkeiten. Bedauerlicherweise habe das Image des Unternehmers deutlich unter den Eskapaden einiger Manager gelitten.

Himmelsbach standen damals alle Wege offen. Seine Eltern hätten ihn nicht unter Druck gesetzt, den Betrieb zu übernehmen. "Ich habe mir dann auch sehr gut überlegt, ob ich das mache", erzählt er. Nach dem Studium der Volkswirtschaft habe er aber gewusst, dass man was draus machen kann. In den ersten Jahren habe er sich dann zwar oft die Frage gestellt, warum er immer noch an der Hosenpresse stehe, während seine Kommilitonen von früher schon Filialleiter einer Volksbank sind. Doch das ist lange her. Himmelsbach ist lang schon überzeugt, dass er die bessere Wahl getroffen hat.