Lockdown Geschlossene Läden: Diese Bundesländer erlauben die Abholung von Waren

Ein Düsseldorfer Friseursalon macht es vor und verkauft seinen Kunden weiterhin Haarprodukte – allerdings zur Selbstabholung. Doch nicht in jedem Bundesland ist das Verkaufsprinzip "Click and Collect" erlaubt. Das wirft auch Probleme für Handwerker auf, die ihren Bedarf über Baumärkte beziehen.

Eileen Wesolowski

Während des Lockdowns dürfen Friseure ihre Kunden nicht mehr persönlich bedienen. In einigen Bundesländern ist es ihnen jedoch erlaubt, ihre Produkte per "Click and Collect" zu verkaufen. - © Flamingo Images - stock.adobe.com

Bitte beachten Sie: Da sich die Nachrichtenlage momentan schnell ändert, können wir nicht gewährleisten, dass dieser Text stets aktuell ist. Er gibt – sofern nicht anders vermerkt – den Stand vom 17. Dezember 2020, 14 Uhr, wieder.

Haare färben mit Produkten vom Profi: Obwohl Friseursalons seit dem 16. Dezember geschlossen haben, machen es die "Favoriten" aus Düsseldorf möglich: "[…] wir sind trotz Lockdown weiterhin für Euch da und versorgen Euch wieder mit Carepaketen", heißt es auf der Website des Salons. Ein Anruf reiche aus: "Wir stellen das entsprechende Päckchen zusammen und Ihr bekommt Eure Carepakete kontaktlos in unser Körbchen vor die Salontu¨r gestellt." Obendrauf soll es zu jeder Bestellung persönliche Anwendungshinweise von den Friseuren geben.

"Click and Collect" als Alternative

Die Selbstabholung kann auch für andere Geschäftsinhaber – etwa aus dem Friseur oder Kosmetikhandwerk – eine Möglichkeit sein, trotz Betriebsschließungen weiterhin Waren zu verkaufen. Bereits vor dem Lockdown drängte der Handelsverband Deutschland (HDE) darauf, den Einzelhändlern im Shutdown die Übergabe von im Internet bestellter und bezahlter Ware – im Fachjargon "Click and Collect" genannt – in den eigentlich geschlossenen Läden zu erlauben. "Click and Collect kann ein wichtiger Beitrag für viele Händler sein, besser durch diese Krise zu kommen", sagte HDE-Sprecher Stefan Hertel gegenüber der Deutschen Presse-Agentur ( dpa) Mitte Dezember.

In der Politik stieß der Vorschlag auf ein geteiltes Echo. Die baden-württembergische Landesregierung hält nach den Worten eines Regierungssprechers überhaupt nichts von Abholangeboten im Handel. "Abholmöglichkeiten jenseits der Gastronomie wären kontraproduktiv", sagte er der dpa. "Je mehr Ausnahmen wir machen, desto länger brauchen wir, bis die Infektionszahlen deutlich runter sind, desto länger dauert das Elend des Lockdowns, desto länger müssen die Geschäfte zubleiben."

Nicht jedes Bundesland äußert sich eindeutig

Mittlerweile haben die Verantwortlichen entschieden, welche Schutzmaßnahmen in den einzelnen Bundesländern gelten. Die Antworten darauf, ob "Click and Collect"erlaubt ist, fallen aber nicht immer eindeutig aus. Manche Bundesländer untersagen die Selbstabholung von Waren ausdrücklich. Wiederum andere erlauben "Abhol- und Lieferdienste", nennen jedoch keine Details dazu und konkretisieren nicht, ob dies für sämtliche Geschäfte gilt. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland hat hierzu um eine Einschätzung des HDE gebeten (Artikel vom 17. Dezember 2020). Daraufhin habe Sprecher Stefan Hertel mitgeteilt, dass nach Lesart des HDE die Formulierung grundsätzlich Abholungen bei Händlern zulasse.

"Click and Collect": Wo die Selbstabholung von Waren erlaubt ist

  • Baden-Württemberg: Das Bundesland erlaubt seit dem 11. Januar 2021 "Click and Collect". Für die Abholung müssen feste Zeitfenster vereinbart werden. Außerdem sind Hygienekonzepte vor Ort einzuhalten und Warteschlangen zu vermeiden.
  • Bayern: Auch in Bayern ist "Click und Collect" seit dem 11. Januar 2021 erlaubt, allerdings unter Schutzmaßnahmen. Kunden müssen bei Abolung vorbestellter Waren unter anderem eine FFP2-Maske tragen. Um Warteschlangen zu vermeiden, dürfen die Bestellungen nur zu vereinbarten Zeiten abgeholt werden.
  • Berlin: In Berlin sind Abhol- und Lieferdienste erlaubt. Nähere Regelungen hierzu sind jedoch nicht definiert.
  • Brandenburg: Auch Brandenburg erlaubt Abhol- und Lieferdienste. Nähere Regelungen hierzu sind nicht definiert.
  • Bremen: Bremen erlaubt die Auslieferung bestellter Waren. Eine Abholung ist nur erlaubt, wenn Kunden geschlossene Räume nur einzeln betreten oder die Waren außerhalb geschlossener Räume ausgegeben werden.
  • Hamburg: Das Bundesland erlaubt Abhol- und Lieferdienste bei kontaktloser Übergabe außerhalb der Geschäftsräume unter Wahrung des Abstandsgebots.
  • Hessen: Hessen erlaubt ausdrücklich Abhol- und Lieferdienste.
  • Mecklenburg-Vorpommern: Das Bundesland gestattet Abhol- und Lieferdienste, zu beachten sind dabei die Hygieneregelungen, die auch in Supermärkten gelten.
  • Niedersachsen: Zulässig ist die Auslieferung "jeglicher Waren" auf Bestellung sowie deren Verkauf im Fernabsatz zur Abholung bei kontaktloser Übergabe außerhalb der Geschäftsräume unter Wahrung des Abstandsgebots.
  • Nordrhein-Westfalen: Zulässig in NRW ist der Versandhandel und die Auslieferung bestellter Waren. Die Abholung bestellter Waren durch Kunden ist nur zulässig, wenn sie unter Beachtung von Schutzmaßnahmen vor Infektionen kontaktfrei erfolgen kann.
  • Rheinland-Pfalz: Abhol-, Liefer- und Bringdienste sind in Rheinland-Pfalz nach vorheriger Bestellung zulässig.
  • Saarland: Das Bundesland erlaubt Abhol- und Lieferdienste. Es gibt hierzu jedoch keine näheren Regelungen.
  • Sachsen: Nur Telefon- und Onlineangebote zum Versand und Lieferung sind in Sachsen erlaubt, die Selbstabholung von Waren jedoch nicht.
  • Sachsen-Anhalt: Das Bundesland erlaubt Abhol- und Lieferdienste. Nähere Regelungen hierzu sind nicht definiert.
  • Schleswig-Holstein: Im Internet oder per Telefon verbindlich Waren zum Kauf anzubieten, ist auch bei Verkaufsstellen möglich, die ansonsten schließen müssen. Auch die Bezahlung kann anlässlich der Abholung erfolgen. Eine Warenausgabe innerhalb geschlossener Räume ist nur erlaubt, wenn sie jeweils nur von einem Kunden betreten werden. Vor und in Warenausgabestellen ist eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Auch im Rahmen einer Warenausgabe gilt das allgemeine Abstandsgebot. Eine Auslieferung ist in Schleswig-Holstein ebenfalls zulässig.
  • Thüringen: In Thüringen ist es erlaubt, telefonisch oder online bestellte Waren zu versenden oder zu liefern. Lediglich Buchläden dürfen bestellte Waren außerhalb der Geschäftsräume zur Selbstabholung herausgeben.
Weitere Infos finden Unternehmer auch in den jeweils aktuellen Corona-Verordnungen der Bundesländer.

Shopping: Diese Rechte gelten bei "Click and Collect"

Im Netz bestellen, im Laden abholen: Das ist für Käufer im Lockdown bei vielen Geschäften die einzige Alternative zum reinen Onlineshopping. Aber wie sieht es dabei rechtlich aus? Gilt das vom Onlineshopping her bekannte Widerrufsrecht – und wenn ja, im vollem Umfang?

Die Antwort lautet: ja, es gilt. Ist die Ware auf einer Internetseite bestellt worden, gilt auch das bei Onlinekäufen übliche zweiwöchige Widerrufsrecht, erklärt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die weiteren Umstände des Vertragsschlusses, zum Beispiel die Abholung im Laden oder die Bezahlart, spielten dafür keine Rolle.

Fällt die endgültige Kaufentscheidung allerdings erst bei der Abholung, besteht kein Widerrufsrecht. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Ware über die Internetseite ausdrücklich nur reserviert worden ist, führen die Verbraucherschützer aus.

Widerruf nicht vergessen

Möchte die Kundin oder der Kunde den Kauf widerrufen, muss sie oder er das gegenüber dem Händler am besten per E-Mail, Fax oder Brief erklären. Die bestellte Ware einfach nicht abzuholen oder zurückzusenden, gilt nicht als Widerruf, erläutern die Experten.

Hat jemand nach einem Kauf per "Click and Collect", wie das Verfahren auch genannt wird, rechtmäßig von seinem Widerrufsrecht Gebrauch gemacht, muss er die Ware nicht zwingend zurücksenden, sondern kann sie nach Ansicht der Verbraucherzentrale auch im Geschäft abgeben.

Paket kostet

Wer sich aber für die Rücksendung per Paketdienst entscheidet, sollte wissen, dass er als Kunde oder sie als Kundin grundsätzlich die Kosten für das Paket übernehmen muss, wenn der Händler die Kostenübernahme nicht von sich aus anbietet. Und der Händler muss die Rücksendekosten den Angaben zufolge dann tragen, wenn er vor dem Vertragsschluss nicht darüber informiert hat, dass Kundinnen und Kunden die Kosten einer eventuellen Rücksendung selbst zahlen müssen. dpa

Wo Baumärkte für Handwerker geöffnet sind

Neben Handwerksbetrieben wie Friseuren oder Kosmetikern mussten deutschlandweit auch die Baumärkte schließen. Ein Problem für Handwerker, die Baustoffe und andere Materialien vorwiegend über Baumärkte beziehen. In vielen Bundesländern, z. B. Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Hessen und NRW, sind diese für Handwerker mit Gewerbeschein weiterhin geöffnet, für den Publikumsverkehr allerdings geschlossen. In Berlin dürfen Geschäfte mit gewerblichem Handwerkerbedarf geöffnet bleiben. Einige Bundesländer äußern sich hierzu nicht in ihren Corona-Verordnungen. Dazu zählt das Bundesland Bayern, das zudem keine Selbstabholung von Waren gestattet. Peter Wüst, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten (BHB), bingt in einem Artikel der Welt vom 17. Dezember 2020 sein Unverständnis zum Ausdruck: "Warum die Bundesregierung, die Landesregierungen und die Ordnungsbehörden in der zweiten Welle von ihrer Haltung abrücken, Bau- und Gartenfachmärkte im Gesamten als systemrelevant anzuerkennen und damit deren grundsätzliche Öffnung zu gestatten, erschließt sich uns nicht", heißt es seinerseits. Der Verband wolle nun klären, welche Regelungen in Bundesländern gelten, die keine detaillierten Formulierungen zu Serviceleistungen wie "Click and Collect" enthalten. Mit Inhalten von dpa