Gebühren sind nicht alles Geschäftskonto: So treffen Sie die richtige Auswahl

Neben günstigen Konditionen geht es bei der Auswahl um die Zusatzleistungen – manchmal auch um die Unabhängigkeit von der Hausbank.

Michael Sudahl

Firmenchef Oliver Matthes braucht für die Vorfinanzierung seines Auslandsgeschäfts ein Kreditinstitut mit entsprechenden Erfahrungen. - © Foto: privat

Michael Nelles von der HypoVereinsbank in München nennt eine grundsätzliche Überlegung. "Zunächst einmal ist es wichtig für Handwerker, überhaupt ein Geschäftskonto einzurichten", sagt der Produktmanager der Bank in München. Hier­über sollten alle Zahlungseingänge und -ausgänge laufen, die den Betrieb betreffen. Also Gelder an Lieferanten, Löhne und Gehälter, Geldeingänge von Kunden, Miet- oder Leasingkosten.

Banken bieten oft eine Basisausstattung

Wie die HypoVereinsbank (HVB) bieten mittlerweile etliche Kreditinstitute solche Geschäftskonten mit einer Basisausstattung an, die die Handwerker mit einer Pauschale bezahlen. Für 15 Euro im Monat etwa hat die HVB ein Paket geschnürt: Darin enthalten sind Kontoführungsgebühren und alle Inlandsbuchungen, sofern diese über die eigene Internetseite der Bank laufen, sowie alle Gutschriften. Für Papierbelege wie Überweisungen berechnet die HypoVereinsbank einen Euro pro Stück. "Mit im Paket ist auch eine Servicekarte, mit der an hauseigenen Automaten Geld abgehoben werden kann", sagt Produktmanager Nelles.

Außerdem stellt das Kreditinstitut eine Software für den Zahlungsverkehr zur Verfügung, mit der Handwerker und Mittelständler sämtliche Bankgeschäfte am eigenen Computer abwickeln und per Datentransfer mit der Bank austauschen können. Allerdings fallen dafür bei der Bank Buchungskosten an: ein Euro pro Datei und bis zu 15 Cent pro Buchungsposten.

Vorsicht vor weiteren Gebühren

Ähnliche Angebote haben die Deutsche Bank oder die Volksbanken. Bei vielen dieser Angebote steckt jedoch der Kosten-Teufel im Detail. So berechnen die Geldinstitute trotz der Pauschalen für Änderungen von Daueraufträgen, EC- und Kreditkarten oder für den Postversand von Kontoauszügen weitere Gebühren. Generell gilt es, sich bei der Auswahl nicht nur an den Kontoführungsgebühren zu orientieren. Von Bedeutung sind Zusatzleistungen, Zugangswege und die Qualität der Zusammenarbeit mit den Bankberatern. Gerade für notwendige Finanzierungen benötigen Handwerker oft viel Rat und Unterstützung.

Das zeigt auch ein Beispiel aus der schwäbischen Region: Seit kurzem hat das Unternehmen Habdank Metallbau vier Konten, bei vier Instituten. Franziska Neudörfer leitet beim Handwerksbetrieb mit 50 Mitarbeitern die Buchhaltung. Die Kauffrau klärt auf: "Unsere Hausbank ist die Kreissparkasse Göppingen. Über sie wickeln wir 90 Prozent unserer Zahlungen ab", so Neudörfer. Hinzu kommen Commerzbank und Göppinger Volksbank als Alternativen. Und seit kurzem verhandelt Habdank laut Neudörfer mit der Bayerischen Landesbank.

Auch die Erfahrungen einer Bank sind wichtig

Warum auch noch die Bayern LB? Hintergrund: Das große Kreditinstitut aus München verfügt über viel Erfahrung im Auslandsgeschäft. Weil der Metallbauer ins Solargeschäft eingestiegen ist und weltweit Unterkonstruktionen für Sonnenkraftwerke entwickelt, fertigt und montiert, trifft Habdank notwendige Schritte, um Großaufträge vorfinanzieren zu können. "Beziehungsweise unseren Avalrahmen auf eine zweite Bank auszuweiten", wie Neudörfer verdeutlicht.

Der Avalrahmen wird in der Regel von Bauträgern benötigt – der Absicherung wegen – und von Banken dann eingeräumt. Denn bisher laufen alle Gewährleistungsbürgschaften, die in Summe mehrere Millionen Euro ausmachen, im Fall von Habdank bei der örtlichen Sparkasse auf. Das soll sich ändern. Auch, weil die Göppinger Firma unabhängiger von ihrer Hausbank werden und ihre Geschäfte auf mehrere Institute verteilen will.

Je größer der Betrieb, desto wichtiger die Finanzierung

Denn der Betrieb hat eine Wachstumsstory hinter sich. Der Umsatz ist in den zurückliegenden Jahren auf 50 Millionen Euro geklettert. Und für 2014 ist bereits mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Für Chef Oliver Matthes ist daher klar: "Wir können weiteres Wachstum nur stemmen, wenn auch die Banken mitziehen."

Geschäftskonto

Was Sie bei einem Geschäftskonto beachten sollten:

  • Auch wenn Gebühren nicht alles sind, so sollten Sie sie doch bei verschiedenen Angeboten vergleichen.
  • Bedenken Sie dabei auch, was Sie von Ihrer Bank wirklich an Leistungen brauchen.
  • Achten Sie darauf, dass ein Dispositionskredit entsprechend hoch ist, so dass Sie bei Zahlungen nicht in Liquiditätsprobleme kommen oder hohe Überziehungszinsen zahlen müssen.
  • Wenn Sie langjähriger Kunde sind und eine gute Position gegenüber der Bank haben, lohnt es sich, über Dispozinsen zu verhandeln.