Deutsche-Bank-Chef als Zeuge im Prozess über Milliardenklage vernommen Gericht bezweifelt Ackermanns Aussage

Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann hat die Milliardenforderung von Leo Kirch im Prozess vor dem Oberlandesgericht München persönlich zurückgewiesen. Als Zeuge bestritt er am Donnerstag den Vorwurf, seine Bank habe Kirchs Medienkonzern Anfang 2002 gezielt in die Enge getrieben, um ein lukratives Beratungsmandat für die Zerschlagung der Gruppe zu erhalten.

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Gericht bezweifelt Ackermanns Aussage

München (dapd). Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann hat die Milliardenforderung von Leo Kirch im Prozess vor dem Oberlandesgericht München persönlich zurückgewiesen. Als Zeuge bestritt er am Donnerstag den Vorwurf, seine Bank habe Kirchs Medienkonzern Anfang 2002 gezielt in die Enge getrieben, um ein lukratives Beratungsmandat für die Zerschlagung der Gruppe zu erhalten. "Ich wollte kein Mandat von Herrn Kirch", sagte Ackermann. Das Gericht ließ allerdings Zweifel erkennen.

Ackermanns Vorgänger Rolf Breuer habe Kirch am 9. Februar vorgeschlagen, seine Beteiligungen am Axel-Springer-Verlag, an der Formel 1 und am Pay-TV-Sender Premiere zu verkaufen, und Kirch die Deutsche Bank als "Schutzschild" angeboten. Die Richter fragten sich, "ob das nicht viel besser zu dem Protokoll passt, als was sie uns heute sagen", sagte der Vorsitzende Guido Kotschy. Ackermann sagte, er habe von Breuers Schutzschild-Angebot nichts gewusst. Außerdem wäre es im Vorstand auch nicht durchsetzbar gewesen.

Kirch wirft der Bank eine "sittenwidrige vorsätzliche Schädigung" vor und fordert insgesamt 3,3 Milliarden Euro Schadenersatz für die Insolvenz der Kirch-Gruppe im April 2002. Ackermann sagte, Breuer habe im Bankvorstand am 29. Januar 2002 über sein Gespräch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) über die Medienlandschaft in Deutschland berichtet. Die Deutsche Bank habe Kirch 700 Millionen Euro geliehen und dafür 40 Prozent der Springer-Aktien als Pfand bekommen. Aber es sei klar gewesen, "mit dieser Gruppe auf keinen Fall weiterzugehen", sagte Ackermann.

Andererseits sei die Haltung der Bank eigentlich, einem Kreditkunden bei einem Angriff zuerst Hilfe bei der Verteidigung anzubieten. Der Vorstand habe deshalb vereinbart, bei einer Anfrage eines Dritten zuerst Kirch zu fragen, "ob wir frei sind oder ob er uns ein Mandat geben würde". Das sei aber kein Beschluss gewesen, Kirch um einen Auftrag anzugehen, betonte Ackermann.

Für einen solchen Schritt wäre er selbst als damaliger Investmentvorstand zuständig gewesen. "Ich gebe offen zu: Ich wollte kein Mandat von Herrn Kirch", sagte Ackermann und betonte: "Ich wurde als der Zuständige von niemandem angesprochen." Den Vorhalt des Gerichts, laut Vorstandsprotokoll sei die Bank damals bereits gefragt worden, ob sie als Vermittler tätig werden könnte, könne er nicht erklären.

Auch Aufsichtsratschef Clemens Börsig, Personalvorstand Herrmann-Josef Lamberti und dessen Vorgänger Tessen von Heydebreck sagten am Donnerstag aus, die Bank habe sich nur für den Fall an Kirch wenden wollen, dass Dritte mit Interessen an seinem Medienkonzern künftig an die Bank herangetreten wären. Die hartnäckigen Fragen des Gerichts, warum das Protokoll ein anderes Bild gebe, konnten sie nicht beantworten.

Fünf Tage nach der Vorstandssitzung hatte der damalige Bankchef Breuer in einem Fernsehinterview bezweifelt, dass Banken dem hoch verschuldeten Kirch weitere Kredite geben würden.

Auch Altkanzler Schröder muss möglicherweise im Kirch-Prozess aussagen. Kirchs Anwälte beantragten, ihn über sein Treffen mit Breuer, dem damaligen Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und dem inzwischen verstorbenen WAZ-Chef Erich Schumann zu befragen. Der Gerichtsvorsitzende Kotschy sagte, zunächst solle aber geklärt werden, ob der Bundeskanzler a.D. von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen würde. Außerdem habe das Gericht von den Klägern keine ladungsfähige Adresse genannt bekommen.

Middelhoff und "Bild"-Verlegerin Friede Springer sollen am 7. Juni als Zeugen vernommen werden. Der Kirch-Konzern war im April 2002 unter der Last von 6,5 Milliarden Euro Schulden zusammengebrochen.

dapd