Aktionärsvertreter bedankt sich bei Porsche-Managern Geplante Verschmelzung von Porsche und VW sorgt für Unsicherheiten

Die Porsche-Aktionäre sind beunruhigt. Die angestrebte Verschmelzung mit Volkswagen ist bestimmendes Thema auf der Hauptversammlung der Porsche Holding am Freitag in Stuttgart. "Es ist nicht erwiesen, dass Porsche von der Zwangseingemeindung profitieren wird", sagt Deka-Manager Jens Meyer vor den versammelten Aktionären.

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Geplante Verschmelzung von Porsche und VW sorgt für Unsicherheiten

Stuttgart (dapd-bwb). Die Porsche-Aktionäre sind beunruhigt. Die angestrebte Verschmelzung mit Volkswagen ist bestimmendes Thema auf der Hauptversammlung der Porsche Holding am Freitag in Stuttgart. "Es ist nicht erwiesen, dass Porsche von der Zwangseingemeindung profitieren wird", sagt Deka-Manager Jens Meyer vor den versammelten Aktionären.

Und auch bei Jens Maser von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz bleiben Unsicherheiten. Wenn die Wolfsburger und die Zuffenhausener zusammengehen, wer macht dann eigentlich was? Angesichts von drei geländegängigen Straßenautos im Portfolio der Gruppe - Cayenne von Porsche, Touareg von VW und Q7 von Audi - stelle sich die Frage, ob für alle diese Modelle noch Platz sein wird. Matthias Müller, Chef der Porsche AG, geht lediglich auf den Cayenne ein und verspricht noch weitere Generationen des Modells.

Ja, es gibt Unsicherheiten. Aber richtig ist auch: Es gab schon einmal stürmischere Zeiten bei Porsche-Hauptversammlungen. Mitten im Übernahmekampf mit VW hatten sie deutlich höheren Unterhaltungswert. Kleinaktionär Raimund Ditz sagt am Rande der Veranstaltung: "Das ist ein himmelweiter Unterschied zu früher. Da war noch eine gewisse Spannung drin." Und Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sei ein hervorragender Redner gewesen.

Ebenjener Wiedeking bestimmt auch nach seiner Ablösung an der Konzernspitze die Aktionärstreffen. Noch bei der Hauptversammlung im vergangenen Dezember rechneten die Aktionäre mit Wiedeking ab, der die versuchte Übernahme von VW zu verantworten hatte sowie den darauffolgenden Absturz des eigentlich hoch profitablen Sportwagenherstellers.

An diesem Freitag bedankt sich Rechtsanwalt Franz Wagner von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger dagegen gleich mehrfach bei den derzeitigen Porsche-Managern: Für das Manövrieren durch die Krise oder für die erfolgreiche Kapitalerhöhung von 4,9 Milliarden Euro im April beispielsweise.

Martin Winterkorn und Hans Dieter Pötsch, Vorstandsvorsitzender und Finanzchef der Muttergesellschaft VW, verkünden in ihren Reden positive Kennziffern für die Porsche-Holding. Das Unternehmen steigerte seinen Absatz im Mai vor allem dank der Nachfrage in China um mehr als zwei Drittel. "Volkswagen und Porsche sind auf der Überholspur unterwegs", sagt Winterkorn. Für dieses Jahr erwartet Porsche ein positives operatives Ergebnis.

Ein Zusammengehen von Porsche und VW hilft seinen Worten zufolge beiden Unternehmen. Jährlich sparten Volkswagen und Porsche durch die Synergien zusammen etwa 700 Millionen Euro. Die Chance auf einen Vollzug noch in diesem Jahr schätzte er auf 50 Prozent.

Angesichts der recht positiven Entwicklung fordern einzelne Redner eine höhere Dividende als die in Aussicht gestellten 50 Cent je Aktie. Aktionär Mathias Gaebler spricht von einer "lausigen Aktienkursentwicklung". Die Porsche-Aktie notierte mal bei mehr als 150 Euro und liegt derzeit bei rund 57 Euro. Die 50 Cent seien eine "Geisterfahrerdividende", sagt Gaebler. Pötsch sitze wie Dagobert Duck auf seinem Geldsack, lasse ihn aber zugeschnürt.

Sozusagen als Belohnung für die Aktionäre nach den schwierigen Jahren hatten die Stammaktionäre VW, Porsche und das Emirat Katar auf ihre Anteile verzichtet und die Dividende für die Vorzugsaktionäre damit auf 50 Cent je Aktie gesteigert. Porsche-Anteilseigner mussten sich auch schon mit fünf Cent begnügen.

Pötsch sieht das Vorgehen von Porsche als konservatives Wirtschaften. In der Tat müssen die Schwaben noch mit eventuellen Schadenersatzansprüchen kalkulieren, die derzeit vor US-Gerichten im Zusammenhang mit der gescheiterten VW-Übernahme anhängig sind. Alleine die Anwaltskosten belaufen sich laut Pötsch bisher auf 6,5 Millionen Euro.

dapd