Architekturwettbewerb "geplant + ausgeführt" 2016 Publikumspreis für Almrefugio in Neumarkt vergeben

Die Oberpfalz entpuppt sich als architektonisches Kleinod. Zum dritten Mal geht der Publikumspreis der Deutschen Handwerks Zeitung im Wettbewerb "geplant + ausgeführt" nach Ostbayern, wo in Neumarkt ein alter Heustadel zum Vier-Sterne-Hotel Almrefugio umgebaut wurde.

Ulrich Steudel

Der ehemalige Heustadel mit Kuhstall existierte vor der Rekonstruktion als ungenutzter Anbau an einem Wirtshaus, dessen Inhaber sich zum Hotelausbau entschied, ließ den Planern aber freie Hand. - © Erich Spahn

Bei einem Online-Voting, an dem sich knapp 350 Leserinnen und Leser beteiligt haben, erhielt das Projekt des Architekturbüros Berschneider + Berschneider aus Pilsach die meisten Stimmen unter 34 Bewerbern. Wesentlichen Anteil an der handwerk­lichen Umsetzung des ungewöhn­lichen Bauvorhabens eines orts­ansässigen Wirtes hatte die Zimmerei Blomenhofer aus Litzlohe.

Der von Zimmerer- und Dachdeckermeister Martin Blomenhofer in dritter Generation geführte Betrieb sorgte dafür, dass das ursprünglich handgeschlagene Gebälk nicht nur saniert und weitgehend erhalten werden konnte, sondern dass der Holzbau als sichtbares Element dem neuen Vier-Sterne-Hotel seinen unverwechselbaren Charme verleiht.

Die große Herausforderung für die Zimmerei war die statische Ertüchtigung des rund 100 Jahre alten Gebäudes bei Einhaltung aller Schall- und Wärmeschutzauflagen. „Das Altgebäude stand zwar nicht unter Denkmalschutz. Dennoch haben wir so viel wie möglich von der alten Bausubstanz erhalten“, sagte Marin Blomenhofer, der den nach dem Zweiten Weltkrieg von seinem Großvater gegründeten Familienbetrieb 1995 im Alter von 25 Jahren übernommen hatte. Die sechs Mitarbeiter, die heute in der Zimmerei und Dachdeckerei beschäftigt sind, wurden alle selbst ausgebildet.

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    Die Spuren der Vergangenheit wurden für das Almrifugio nicht beseitigt, sondern prägen das Innere des Vier-Sterne-Hotels.
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    Die Verbindung von Nostalgie und Moderne bestimmt die Atmosphäre im Haus.
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    Das Holzgebälk des 100 Jahre alten Heustadels konnte weitgehend erhalten werden. Die Natursteinmauern wurden vom Putz befreit.
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    Von außen zeigt sich das ehemalige Landwirtschaftsgebäude als modernes Haus in dezenten Farben.
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    Ein lichtdurchlässiger Vorhang aus Holz.
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    Die Zimmermannsarbeiten prägen bis nach draußen die Architektur des Gebäudes.
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    Der alte Heukran schwebt als Zeitzeuge über dem Treppenhaus.
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    Altes wie neues Holz verleihen den Zimmern ein einzigartiges Ambiente.
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    Auf die Gäste wartet eine Art rustikale Moderne.
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    Maisonette-Suite mit Boxspringbett in der Dachgalerie.

Zum außergewöhnlichen Ambiente des Hotels tragen auch die vom Putz befreiten Natursteinmauern bei, die zwar im Kontrast zum dekorativen Holzgebälk stehen, den acht Zimmern aber zusätzlichen Charme verleihen. Dem Architektenpaar Ber­schneider war es wichtig, die Spuren der Vergangenheit nicht zu beseitigen, sondern in das Ensemble sowohl gestalterisch als auch funktional zu integrieren. Alte Futtertröge finden sich als Dekoration in den Zimmern, ein Heukran schwebt über dem Treppenhaus und Gusseisenteile wurden zu Griffen an den Einbaumöbeln.

Architekt und Handwerker im Dialog

Der Bauherr hat den Planern viel Freiheit gelassen. Doch was die fünf involvierten Mitarbeiter des Architekturbüros Berschneider + Ber­schneider theoretisch entworfen hatten, sei in der praktischen Umsetzung mitunter stündlich über den Haufen geworfen worden. „Das war sehr spannend und nur im ständigen Dialog mit den Handwerkern auf der Baustelle zu lösen“, gesteht Projektleiter Christian Rein.

Als Ergebnis dieses Prozesses verschmelzen im Almrefugio Nostalgie und Moderne zu einem harmonischen Gesamtbild. Der Einsatz regionaler Handwerker und ökologischer Baustoffe rundet die Philosophie des Projektes ab, die bei der Leserwahl mit 57 von knapp 350 Stimmen belohnt wurde.

Dafür konnte Johannes Berschneider zur Preisverleihung auf der Internationalen Handwerksmesse am 25. Februar 2016 in München nun schon zum zweiten Mal den Pokal der Deutschen Handwerks Zeitung entgegennehmen. Von den beteiligten Handwerkern erhielt Zimmerer- und Dachdeckermeister Martin Blomenhofer die Auszeichnung.