Junge Generation verstehen und erfolgreich einbinden Gen Z als Chance: 7 Strategien für Handwerksbetriebe

Sinnhaftigkeit statt Status, Dialog statt Anweisungen: Die Generation Z tickt anders als ihre Vorgänger. Sieben konkrete Strategien zeigen, wie Handwerksbetriebe diese Unterschiede als Wettbewerbsvorteil nutzen.

Friseurin trainiert junger Mitarbeiterin und gibt Anweisungen an einer Kundin
Sinnhaftigkeit statt Status, Dialog statt Anweisungen: Die Generation Z tickt anders als ihre Vorgänger. Sieben konkrete Strategien zeigen, wie Handwerksbetriebe diese Unterschiede als Wettbewerbsvorteil nutzen. - © auremar - stock.adobe.com

Schon vor dem ersten Arbeitstag eilt der Generation Z ihr Ruf voraus: zu wenig respektvoll gegenüber Vorgesetzten, zu viel Zeit am Smartphone und die Work-Life-Balance stets vermeintlich im Fokus. Diese Vorurteile führen dazu, dass Konflikte zwischen den Generationen im Betrieb fast schon erwartbar sind, wenn unterschiedliche Altersgruppen aufeinandertreffen.

Doch diese Sichtweise greift zu kurz. "Die Generation Z – das sind unsere Fachkräfte, Unternehmenschefs und Ausbilder von morgen", betont Sonja Engelhard, Beraterin für Personal- und Organisationsentwicklung bei der Handwerkskammer Region Stuttgart. Statt sich über vermeintliche Defizite zu ärgern, sollten Handwerksbetriebe verstehen, wie diese jungen Menschen ticken und ihre Potentiale gezielt fördern. Dann können Firmen von den Stärken der Generation Z profitieren: hohe Technologieaffinität, schnelle Auffassungsgabe bei digitalen Prozessen und starkes Engagement für sinnvolle Projekte.

Was die Generation Z wirklich ausmacht

"Wer ist denn die Generation Z überhaupt? Das sind junge Menschen, die circa zwischen 1997 und 2012 geboren sind", erklärte Alexandra Natter von der Handwerkskammer Ulm während des Webinars "Generation Z verstehen und motivieren: Erfolgsstrategien für Handwerksbetriebe". Ein Webinar, das im Rahmen von "Horizont Handwerk", einem Unterstützungsangebot des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums und von Handwerk BW, stattfand.

Die junge Generation ist dabei heute schon zahlreich auf dem Arbeitsmarkt vertreten. "Sie sind aufgewachsen in einer digitalen Welt. Diese Generation kann sich eine Welt ohne Internet, ohne Smartphone, ohne soziale Medien gar nicht vorstellen, weil es das eben von Geburt an gab", beschrieb Natter die fundamentalen Unterschiede zu vorherigen Generationen.

"Ein weiteres zentrales Merkmal ist der hohe Anspruch an Sinnhaftigkeit. Sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich ist es eben so, dass die Generation Z oft eben auch nach Tätigkeiten sucht, die mehr sind als reines Geldverdienen", erläuterte die Expertin während des Webinars.

Diese Eigenschaften sind keineswegs Schwächen oder Marotten einer verwöhnten Generation. Sie sind vielmehr das logische Ergebnis einer völlig anderen Sozialisation. Handwerksbetriebe, die diese fundamentalen Unterschiede verstehen und neue Strategien entwickeln, können von den Stärken dieser Generation profitieren und sich mit ihnen Wettbewerbsvorteile sichern.

1. Verstehen Sie die digitale Denkweise

Die Generation Z kann sich eine Welt ohne Internet und Smartphone nicht vorstellen. Das prägt ihre gesamte Arbeitsweise und Kommunikation deutlich. "Unsere Generation ist natürlich sehr digital aufgewachsen. Es ist einfach von vornherein so eine intuitive Technologieaffinität da. Es fällt uns wesentlich leichter mit Technik und IT-Dingen umzugehen", erklärt Katja Mayer von der Handwerkskammer Mannheim, die als Vertreterin der Gen Z Einblicke in die Gedankenwelt der jungen Generation gab.

Diese digitale Prägung hat jedoch auch Schattenseiten. Mayer beschreibt: "Diese Entwicklungen waren immer sehr schnell, was auch zur Folge hatte, dass die Generation sich recht schnelllebig entwickelt hat. Viele aus unserer Generation haben es schwer mit Stillstand klarzukommen oder generell wenig Geduld."

Für Handwerksbetriebe bedeutet das konkret:

  • Investitionen in moderne, digitale Arbeitsmittel und Prozesse zahlen sich aus
  • Digitale Kommunikationskanäle für interne Absprachen werden bevorzugt
  • Klare Regeln für die private Handynutzung am Arbeitsplatz sind notwendig

Die hohe Technologieaffinität können Betriebe als Stärke nutzen, indem sie junge Mitarbeiter aktiv bei der Digitalisierung einbinden.

2. Kommunizieren Sie den Sinn hinter jeder Aufgabe

Für die Generation Z ist Sinnhaftigkeit wichtiger als Status oder hohes Gehalt. Sie möchten den Zweck ihrer Arbeit begreifen. "Unsere Generation möchte gerne verstehen, was gemacht wird. Wenn mein Chef mir sagt, schlag den Nagel hier rein, dann möchte ich gerne wissen, warum ich den Nagel da reinschlagen soll, damit ich auch entsprechend daraus lerne", verdeutlicht Mayer diese Einstellung.

"Gute Kommunikation ist der Schlüssel, damit die Arbeit als sinnstiftend wahrgenommen wird", bestätigt auch Sonja Engelhard, Beraterin für Personal- und Organisationsentwicklung bei der Handwerkskammer Stuttgart. Vor allem bei Tätigkeiten, die zunächst nicht allzu attraktiv scheinen, sei es entscheidend, den Mitarbeitern nachvollziehbar und klar zu vermitteln, warum diese wichtig sind und einen Beitrag zu einem größeren Ziel leisten.

Erfolgreiche Betriebe setzen das so um:

  • Der Zusammenhang zwischen einzelnen Aufgaben und dem Gesamtprojekt wird erklärt
  • Der Beitrag der Arbeit für Kunden oder Gesellschaft wird aufgezeigt
  • Auch Routine-Tätigkeiten werden mit dem größeren Ganzen verbunden
  • Die Wertschätzung für geleistete Arbeit wird kommuniziert

Ein Beispiel aus der Praxis zeigt Wirkung: Selbst die NASA erkläre Reinigungskräften, dass jeder Handgriff Einfluss auf die Sicherheit der Astronauten und den Erfolg der Mission habe. Diese Kommunikation von Sinnhaftigkeit führt zu deutlich höherer Motivation und Wertschätzung der eigenen Arbeit.

3. Bieten Sie echte Work-Life-Balance

Work-Life-Balance bedeutet für die Generation Z nicht Faulheit, sondern die Integration von Arbeit in ein erfülltes Leben. "Für mich ist wirklich ein ganz großer Punkt, diese generelle Freude zu haben. Ich möchte Spaß am Leben haben und das auch im Arbeitskontext", beschreibt Gen-Z-Vertreterin Mayer von der Handwerkskammer Mannheim ihre Prioritäten.

Entscheidend ist dabei die Wechselwirkung zwischen Wohlbefinden und Leistungsbereitschaft: "Je mehr Spaß oder Freude ich an meiner Arbeit habe, je wohler ich mich im Betrieb fühle und je besser ich mich mit meinen Arbeitskollegen, meinen Vorgesetzten verstehe, desto lieber komme ich natürlich auch zur Arbeit. Und wenn ich mich auf der Arbeit wohlfühle, Freude an der Tätigkeit habe, dann bin ich auch definitiv bereit, meine Freizeit dafür zu opfern."

Sonja Engelhard betont, dass hier aus Betriebssicht Vertrauen in die jungen Mitarbeiter der Schlüssel sei – "das ermöglicht es dann auch, mehr Flexibilität und Verantwortung zu übertragen". Eine wichtige Voraussetzung dabei sei, klar und früh Strukturen, Voraussetzungen und Rahmenbedingungen festzulegen.

Praktische Maßnahmen für Betriebe:

  • Flexible Arbeitszeiten werden dort ermöglicht, wo es der Betrieb zulässt
  • Verständnis für private Termine wie Arzt- oder Behördenbesuche wird gezeigt
  • Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit werden respektiert
  • Möglichkeiten für Teilzeit oder flexible Modelle bei besonderen Lebenssituationen werden geschaffen

4. Führen Sie auf Augenhöhe statt von oben herab

"Gegenüber Autorität hat die Generation Z eine eher kritische Einstellung", erklärt Sonja Engelhard. Grund dafür sei unter anderem ihre Erziehung, die durch weniger Regeln sowie ein eher partnerschaftliches Verhältnis zu den Eltern geprägt wurde. Das wirkt sich auch auf das Arbeitsleben aus: Die jungen Kolleginnen und Kollegen würden mehr Erklärungen verlangen und im Idealfall auch ein Mitspracherecht.

"Ich möchte nicht von oben herab behandelt werden. Es gibt Hierarchieebenen, das ist völlig klar, aber mir ist wichtig, dass trotzdem ein gesundes Maß an Respekt und Gleichberechtigung da ist", erklärt Mayer diese Erwartungshaltung.

Der Unterschied zu früheren Generationen ist deutlich: Während früher Regeln mit "weil ich das sage" durchgesetzt wurden, wuchs die Generation Z mit Begründungen und Mitspracherecht auf. "Für mich geht es da um Dialog", betont Mayer.

Konkrete Führungsprinzipien:

  • Führungskräfte delegieren Aufgaben nicht nur, sondern gehen auf ihre Mitarbeiter individuell ein
  • Entscheidungen werden transparent und nachvollziehbar begründet
  • Aktives Zuhören und die Berücksichtigung von Feedback sind wichtig
  • Regelmäßige Gespräche auf Augenhöhe werden geführt
  • Die Rolle als Coach und Mentor wird der Rolle des Kontrolleurs vorgezogen

5. Schaffen Sie Struktur mit Flexibilität und konstruktivem Feedback

Der Generation Z ist regelmäßiges Feedback bei der Arbeit wichtig. "Dieses sollte möglichst konstruktiv formuliert sein und sich nicht direkt auf die Person, sondern eher auf das Verhalten beziehen, denn häufig ist die Frustrationstoleranz nicht allzu hoch", erklärt Engelhard.

"Ich leiste besonders gute Arbeit, wenn ich das Gefühl habe, meine Führungskraft vertraut mir. Vertrauen, Wertschätzung, das sind einfach so ein paar Themen, die für mich sehr wichtig sind", beschreibt Mayer den idealen Arbeitsrahmen.

Ist das Feedback gut formuliert, kann es zur Weiterentwicklung genutzt werden. "Dafür sollte kein Monolog, sondern ein gemeinsamer Dialog stattfinden, bei dem konkrete Ziele definiert und gemeinsam überlegt wird, wie diese auch erreicht werden können", empfiehlt Engelhard. So werden die jungen Menschen selbstreflektierter und erhalten die Chance, ihre Entwicklung zu gestalten.

Das richtige Gleichgewicht schaffen Betriebe durch folgende Leitlinien:

  • Klare Definition von Zielen und Erwartungen wird vorgenommen
  • Spielraum bei der Umsetzung wird gelassen
  • Eigenverantwortliches Arbeiten wird ermöglicht
  • Konstruktives, verhaltensorientiertes Feedback wird gegeben
  • Lernmöglichkeiten und kreative Freiräume werden geschaffen

6. Investieren Sie in die richtigen Benefits

Nicht alle Benefits sind gleich wirksam. Die Generation Z schätzt praktischen Nutzen mehr als symbolische Gesten. "Was ich definitiv attraktiv finde, sind Weiterbildungsmöglichkeiten. Im Endeffekt bringt es ja auch den Betrieb wieder voran, wenn man jemanden im Betrieb hat, der sich in neue Themengebiete reinarbeitet", erklärt Mayer die Prioritäten ihrer Generation.

Benefits, die wirklich ankommen, sind solche mit echtem Mehrwert: flexible Arbeitszeiten, Firmenwagen zur privaten Nutzung oder Zuschüsse für Fitnessstudios im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements. "Alles, was so ein bisschen diesen privaten Bereich umfasst", betont Mayer.

Dagegen können sich Betriebe bestimmte Benefits sparen: "Ganz klischeehaft der klassische Obstkorb. Es ist ein netter Bonus, aber das ist für mich jetzt nicht ausschlaggebend für oder gegen einen Arbeitgeber." Ähnlich verhält es sich mit Tischkickern im Pausenraum: "In der Pause will ich meine Ruhe haben."

Benefits mit Mehrwert:

  • Weiterbildungsmöglichkeiten und berufliche Qualifizierungen werden angeboten
  • Flexible Arbeitszeiten werden dort ermöglicht, wo es möglich ist
  • Firmenwagen zur privaten Nutzung wird zur Verfügung gestellt
  • Zuschüsse für Fitnessstudio oder betriebliches Gesundheitsmanagement werden gewährt
  • Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird geboten

Benefits, die wenig bewirken:

  • Symbolische Gesten wie der klassische Obstkorb
  • Pausenraum-Spiele wie Tischkicker
  • Teure Statussymbole oder Prestigeobjekte ohne praktischen Nutzen
  • Selbstverständlichkeiten wie eine pünktliche Gehaltszahlung

7. Leben Sie Ihre Werte authentisch vor

Nachhaltiges Handeln und soziales Engagement sind für junge Menschen auch in der Arbeitswelt bedeutende Werte. Die Generation Z hat einen scharfen Blick für Authentizität und durchschaut Marketing-Versprechen schnell. "Diese sollten aber nur dann gezielt hervorgehoben werden, wenn sie im Unternehmen gelebt werden – Greenwashing ist kontraproduktiv", warnt Engelhard.

Unglaubwürdige Werbeversprechen können zu erheblichem Imageverlust führen, wie das Beispiel Adidas 2024 zeigte. Das Unternehmen warb mit Klimaneutralität bis 2050, ohne zu erklären, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Die Deutsche Umwelthilfe klagte erfolgreich, und das Unternehmen musste seine Werbeversprechen anpassen. Nicht nur für die "Gen Z"-Mitarbeiter ein Verlust an Identität mit dem Unternehmen.

So wird Ihr Betrieb glaubwürdig:

  • Im ersten Schritt werden die Werte geklärt, die den Betrieb tatsächlich ausmachen
  • Diese Werte werden gezielt nach innen und außen kommuniziert
  • Konkretes Engagement für Nachhaltigkeit oder Soziales wird gezeigt
  • Leere Werbeversprechen ohne Substanz werden vermieden

Echte Authentizität entsteht, wenn Mitarbeiter und Kunden erleben, dass die kommunizierten Werte tatsächlich das Handeln des Unternehmens bestimmen.