Was mache ich am besten mit meinem Geld? Geld clever anlegen – 7 Tipps zur Orientierung

Wer eine größere Summe Geld investieren will, steht vor der Frage: Alles auf einmal oder lieber Schritt für Schritt? Dieser Überblick zeigt anhand gesicherter Fakten und Expertenmeinungen, welche Variante sich wann lohnt – ganz ohne Spekulation.

Ob warten oder investieren – wer eine größere Summe Geld anlegt, steht vor der Wahl zwischen Einmalanlage und Sparplan. Beide Wege haben ihre Vor- und Nachteile.
Ob warten oder investieren – wer eine größere Summe Geld anlegt, steht vor der Wahl zwischen Einmalanlage und Sparplan. Beide Wege haben ihre Vor- und Nachteile. - © deagreez - stock.adobe.com

100.000 Euro geerbt? Oder im Lotto gewonnen? Wer von einem Tag auf den anderen eine größere Summe Geld aufs Konto bekommt, freut sich – steht aber auch vor der Frage: Was mache ich jetzt damit? Wird das Kapital längere Zeit nicht benötigt, ist eine möglichst breit gestreute Anlage in die weltweiten Aktienmärkte eine gute Wahl. Daran ändern auch turbulente Marktphasen nichts.

Aber das ganze Geld auf einmal in Aktien zu investieren, klingt riskant. Also vielleicht doch lieber einen Sparplan damit einrichten, bei dem dann Monat für Monat kleinere Summen angelegt werden? Und welche der beiden Optionen - Sparplan oder Einmalanlage - bringt mehr Rendite? Die folgenden Fragen und Antworten helfen bei der Entscheidungsfindung weiter.

1. Sofort investieren? Was für die Einmalanlage spricht

Verhaltensökonom Prof. Hartmut Walz rät dazu, das Geld sofort anzulegen. Der Grund: sogenannte Opportunitätskosten – also die entgangene Rendite, wenn das Kapital nicht direkt arbeitet.

Auch wenn Kapitalmärkte schwanken und der richtige Zeitpunkt schwer zu bestimmen ist, zeigt die Erfahrung: Selbst Experten können nicht vorhersagen, wann der beste Kaufzeitpunkt ist.

Statistiken aus 100 Jahren belegen, dass sich mit einer breit gestreuten Aktienanlage durchschnittlich 8 bis 9 Prozent Rendite pro Jahr erzielen lassen. Laut Prof. Christine Laudenbach vom Leibniz-Institut SAFE steigen die Märkte langfristig.

Sie sagt: "Deshalb erzielt eine sofortige Investition in den meisten Fällen eine höhere Rendite als ein schrittweiser Einstieg." Wer wartet, könnte einen Renditevorsprung verpassen, wenn die Kurse währenddessen steigen.

Wer das Geld direkt anlegt, nutzt die durchschnittlich hohen Renditechancen besser aus.

2. Rechenbeispiel: So wirkt sich die gestaffelte Anlage auf die Rendite aus

Legt man 100.000 Euro auf einmal bei einer Jahresrendite von 8 Prozent an, beträgt der Gewinn nach zwölf Monaten 8.000 Euro.

Verteilt man das Geld hingegen auf fünf Teilbeträge à 20.000 Euro über ein Jahr, wirken die 8 Prozent nicht auf das gesamte Kapital – der Zinseszinseffekt fällt geringer aus:

  • Erste Anlage (20.000 € × 1,08) = 21.600 €
  • Zweite Anlage (nur 9 Monate investiert): 20.000 € × 1,06 = 21.200 €
  • Weitere Teilbeträge erzielen noch geringere Gewinne

Das ergibt laut Walz einen erwarteten Endwert von 104.000 Euro – im Vergleich zur Einmalanlage also 4.000 Euro weniger. Dieser Unterschied ergibt sich unter der Annahme einer gleichmäßig verteilten Jahresrendite – in der Praxis schwanken die Kurse.

Wer in mehreren Schritten investiert, kann mit einer geringeren Gesamtrendite rechnen.

3. Sparplan = weniger Risiko? Der Cost-Average-Effekt erklärt

Banken werben oft damit, dass Sparpläne das Risiko durch gleichmäßiges Ansparen senken. Ein Argument dafür ist der sogenannte Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt).

Ein Beispiel vom Bundesverband deutscher Banken:

  • Jeden Monat werden 100 Euro in einen ETF investiert
  • Anteilspreise schwanken: 10 €, 8 €, 12 €
  • Gekaufte Anteile: 10 / 12,5 / 8,33
  • Durchschnittlicher Kaufpreis: 9,73 €

Bei hohen Kursen gibt es weniger Anteile, bei niedrigen mehr – insgesamt wird so zu einem günstigeren Durchschnittspreis eingekauft, als wenn man alles gleich zu Beginn investiert hätte.

Der Cost-Average-Effekt kann bei Kursschwankungen zu einem günstigeren Durchschnittspreis führen.

4. Timing bleibt unberechenbar – und macht den Unterschied

Finanzexperte Niels Nauhauser betont: Der Cost-Average-Effekt ist kein Garant für bessere Ergebnisse. Wer zum Beispiel im zweiten Monat des obigen Beispiels eine Einmalanlage getätigt hätte, hätte zum Kurs von 8 Euro deutlich mehr Anteile bekommen.

Christine Laudenbach sagt: "Ob eine Einmalanlage oder ein Sparplan vorteilhafter ist, kann also erst im Nachhinein beurteilt werden, nicht im Voraus."

Der Eindruck, Sparpläne seien systematisch überlegen, basiert oft auf konstruierten Beispielrechnungen mit günstigen Zwischenkursen – diese müssen in der Realität aber nicht eintreten.

Ob Sparplan oder Einmalanlage besser ist, zeigt sich erst im Nachhinein – nicht im Voraus.

5. Wann Sparpläne trotzdem sinnvoll sind

Sparpläne machen vor allem dann Sinn, wenn das Geld über die Zeit verdient wird. Hartmut Walz erklärt: Wer monatlich kleinere Beträge zur Seite legt, kann gar nicht alles auf einmal investieren – in diesem Fall entstehen keine Opportunitätskosten.

Ein weiterer Vorteil: Man spart automatisch, regelmäßig und ohne sich um kurzfristige Marktschwankungen kümmern zu müssen, so Niels Nauhauser. Das schützt vor impulsivem Verhalten und Konsumausgaben.

Der Bundesverband deutscher Banken empfiehlt Sparpläne auch als langfristige Lösung für die Altersvorsorge.

Was sich laut Experten hingegen nicht lohnt: monatlich sparen, das Geld zinslos parken und es später auf einen Schlag investieren. Dadurch entstehen erneut Opportunitätskosten – und der Cost-Average-Effekt kann nicht mehr wirken.

Sparpläne sind ideal, wenn das Kapital nicht sofort zur Verfügung steht – und sorgen für regelmäßige, disziplinierte Geldanlage.

6. Die Kombination: Beide Anlageformen lassen sich verbinden

Eine Einmalanlage ist möglich für das Kapital, das schon zur Verfügung steht – so vermeidet man Opportunitätskosten.

Zusätzlich kann man mit einem Sparplan weiter investieren, sobald monatliches Einkommen dazukommt.

Wer vorhandenes Kapital schrittweise investiert, tut dies meist aus psychologischen Gründen. Vivien Rottka vom Bankenverband erklärt: Große Summen auf einmal anzulegen, erfordert Mut – vor allem bei schwankenden Märkten.

Auch Christine Laudenbach sagt: Der Vorteil der gestaffelten Investition liegt nicht in der besseren Rendite, sondern darin, emotionale Barrieren zu senken.

Eine Kombination aus Einmalanlage und Sparplan kann helfen – sowohl finanziell als auch emotional.

avs/dpa