Mobilität -

So identifizieren Sie gestohlene Räder Geklautes Fahrrad gekauft – hat das Folgen?

Beim Kauf von gebrauchten Fahrrädern ist Vorsicht angebracht: Schnell können einem gestohlene Bikes untergejubelt werden – auch Unschuldigen drohen hier rechtliche Konsequenzen. Das ist beim Fahrradkauf zu beachten.

Wo das Fahrrad Hochkonjunktur hat, blüht leider auch der Fahrraddiebstahl. Damit ist aber nicht genug: Häufig wird das Diebesgut günstig über Plattformen wie Ebay oder auf Flohmärkten angeboten, wo ahnungslose Käufer die gestohlenen Räder erwerben. Das kann auch für sie zum Problem werden.

Strafrechtliche Konsequenzen bei vorsätzlichem Kauf

"Wer ein gestohlenes Fahrrad im Gebrauchtmarkt kauft, kann strafrechtlich und/oder zivilrechtlich belangt werden", erklärt Rechtsanwältin Dr. Anja Matthies vom Online-Rechtsdienstleister Bikeright. Strafrechtlich müsse unterschieden werden, ob ein Vorsatz vorliegt oder nicht. Ist ersteres der Fall, also weiß der Käufer, dass es sich bei seinem Neukauf um eine gestohlene Ware handelt und nimmt das in Kauf, macht er sich laut Paragraph 259 des Strafgesetzbuches der Hehlerei strafbar. Dem Käufer muss der Vorsatz allerdings nachgewiesen werden. "Selbst bei einer Online-Auktion mit einem Startpreis von einem Euro kann man nicht davon ausgehen, dass Diebesgut vorliegt und der Käufer eine Hehlerei begehen wollte", so Matthies. Liegt kein nachgewiesener Vorsatz vor, drohen auch keine weiteren strafrechtlichen Konsequenzen.

Rad bleibt Eigentum des Opfers

Zivilrechtlich drohen dem Käufer eines gestohlenen Fahrrades allerdings in jedem Fall Konsequenzen, nämlich die Rückgabe an den tatsächlichen Eigentümer. "Das steht ausdrücklich in Paragraph 935 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Der wahre Eigentümer wird also bei einem Diebstahl geschützt", unterstreicht Matthies und betont: "Das gilt auch dann, wenn der Verkäufer davon ausging, dass das Fahrrad nicht gestohlen ist." Ein gestohlenes Fahrrad bleibt immer im Eigentum des Opfers und kann von diesem zurückgefordert werden.

Kaufpreis kann zurückverlangt werden

Der Verkäufer hat deshalb seine im Kaufvertrag – und sei es per Handschlag – festgelegte Pflicht verletzt und nicht erfüllt, weil er dem Käufer keine Eigentumsrechte an einem gestohlenen Fahrrad einräumen kann. Wer also unwissentlich ein geklautes Fahrrad gekauft hat, kann den Kaufpreis vom Verkäufer zurückverlangen. "Wusste der Verkäufer von dem Diebstahl, macht er sich gegebenenfalls auch noch schadensersatzpflichtig, z. B. wenn ein Weiterverkauf verhindert wird, weil der eigentliche Eigentümer sein Fahrrad wieder zurückverlangt", sagt Matthies.

Rahmennummer registrieren lassen

Für Fahrradbesitzer ist es deshalb sinnvoll, ihre Fahrräder mit der Rahmennummer bei der Polizei oder auf speziellen Online-Plattformen zu registrieren. So wird eine Zuordnung im Diebstahlfall erleichtert. Zudem ist der Verkauf eines registrierten Fahrrads für einen Dieb deutlich riskanter, da die Identifikation des eigentlichen Eigentümers schneller und einfacher ist. "Die Rahmennummer ist in den Rahmen eingraviert und befindet sich meist unter dem Tretlager, am Sattelrohr, in der Nähe des Steuerkopfes oder am Ausfallende", erklärt Marijke van Dijk vom Fahrradhersteller Koga.

Zusätzliche Sicherheit verspricht die sogenannte EIN-Codierung, die der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club empfiehlt. Dabei wird ein personalisierter Code auf dem Rahmen verewigt. Dieser besteht aus dem Kfz-Kennzeichen und dem Gemeindecode des Wohnorts, einem fünfstelligen Code für die Heimatadresse, die Hausnummer, den Initialen des Fahrradeigentümers sowie dem Jahr der Codierung. Die Codierung kann beim beteiligten Fachhändler, beim örtlichen Fahrradclub oder der Polizei durchgeführt werden und erleichtert zusätzlich die Zuordnung des ursprünglichen Besitzers.

Kauf nicht ohne Kaufvertrag

Beim Kauf eines gebrauchten Rades sollten die Käufer darum immer auf einen Kaufvertrag sowie (im Idealfall) auf Original-Unterlagen zum Fahrrad bestehen. Diese Dokumente belegen, dass man das Rad nicht selbst gestohlen hat, sondern käuflich erworben. Der Kaufvertrag sollte sowohl die Rahmennummer des Fahrrads als auch den Namen und im besten Fall die Ausweisnummer des Verkäufers enthalten. Ist man sich unsicher, ob es sich beim gebrauchten Rad um Diebesgut handelt, gibt jede örtliche Polizeidienststelle Auskunft, ob das Fahrrad als gestohlen gemeldet wurde.

Fahrrad an festen Gegenstand anschließen

Um Dieben im Alltag weniger Chancen zu lassen, sollte das Fahrrad immer mit einem hochwertigen Schloss gesichert und am besten an einem hellen, gut einsehbaren Ort abstellt werden. "Wir raten dazu, am besten den Fahrradrahmen mit einem hochwertigen Schloss an einen festen Gegenstand anzuschließen", meint Torsten Mendel vom Sicherheitsexperten Abus. Zusätzlich bietet sich an, Räder gerade nachts in einem abschließbaren Raum oder einer speziellen Fahrradgarage abzustellen. dhz

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten