Eine neue Auswertung zeigt: Die Löhne für Beschäftigte in KMU steigen deutlich stärker als die Gehälter ihrer Chefs. Doch die Analyse hat einen Haken, der das Bild der tatsächlichen Geschäftsführer-Einkommen relativiert.

Die Löhne von Mitarbeitern in kleinen und mittleren Unternehmen sind stärker gestiegen als die Gehälter ihrer Chefs. Laut dem aktuellen Datev Spotlight erhalten Beschäftigte in KMU heute rund 20 Prozent höhere Bruttostundenlöhne als noch 2022. Die Gehälter von Geschäftsführern legten im selben Zeitraum nur um etwa zwölf Prozent zu.
Die Analyse basiert auf Daten aus dem Datev-Mittelstandsindex, der Informationen von mehr als acht Millionen Arbeitnehmern erfasst. Ein Vergleich mit den Analysen des Statistischen Bundesamtes bestätigt die Entwicklung.
Große Spanne bei den Geschäftsführer-Gehältern
Die Gehälter der Geschäftsführer entwickeln sich auch bei unterschiedlichen Unternehmensgrößen unterdurchschnittlich. In Kleinstunternehmen mit unter zehn Mitarbeitern stiegen laut Datev-Geschäftsführer Robert Mayr die Bruttostundenlöhne seit 2022 um rund 17,6 Prozent, während die Geschäftsführergehälter lediglich um 12,9 Prozent zulegten. "Die Entwicklung hier ist weniger dynamisch als die Lohnentwicklung insgesamt. Das gilt auch für die Entgeltentwicklung in kleinen und mittelgroßen Unternehmen", so der Datev-Chef auf Anfrage der Deutschen Handwerks Zeitung.
Die Stundenlöhne der Geschäftsführer betragen laut der Auswertung etwa 44,90 Euro in Kleinstunternehmen sowie 60,20 Euro in kleinen und 80,40 Euro in mittleren Unternehmen.
Der Index bewertet dabei lediglich das reine Geschäftsführergehalt über den gesamten Zeitraum. Typische Bestandteile von Vergütungspaketen für Geschäftsführer wie Dienstwagen oder zusätzliches Einkommen aus Privatentnahmen und Ausschüttungen fließen nicht in die Auswertungen mit ein. Das dürfte die tatsächliche Vergütung der Betriebsinhaber erhöhen.
Mindestlohn treibt Mitarbeiterlöhne nach oben

Auf der anderen Seite profitieren besonders Geringverdiener von der Lohnentwicklung. Die unteren 20 Prozent der Einkommen verzeichneten seit 2022 Zuwächse von mehr als 25 Prozent. Als Haupttreiber identifiziert Datev die deutliche Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns um rund 31 Prozent – von 9,82 Euro auf 12,82 Euro pro Stunde.
"Das ist ein klarer Hinweis darauf, wie politische Entscheidungen direkt auf Einkommen wirken", betont Mayr. Bis Januar 2027 soll der gesetzliche Mindestlohn schrittweise auf 14,60 Euro steigen. Die oberen 20 Prozent der Einkommensgruppen sind in diesem Zeitraum dagegen deutlich schwächer gewachsen.
"KMU beschäftigen mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen. Sie sind damit nicht nur zentral für die Beschäftigung, sondern auch ein Indikator für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung", erklärt Mayr. Der Anstieg von 20 Prozent bei den Bruttostundenlöhnen in diesen Betrieben sei repräsentativ für alle Unternehmen.
Trotz der positiven Lohnentwicklung bleiben die Deutschen bei ihren Einkommensaussichten vorsichtig. Nach dem drastischen Rückgang der Erwartungen 2022 durch Corona-Krise, Energiepreisschock und Rekordinflation haben sich die Werte laut Umfragen der Gesellschaft für Konsumforschung zwar wieder erholt. Sie erreichen aber noch nicht das Niveau von vor der Pandemie. Die Verbraucher rechnen demnach nicht mit weiteren deutlichen Einkommenssteigerungen. ewö