Kaufkraft unter Druck Gehalts-Check 2026: So viel bleibt nach Steuern & Abgaben

Die Regierung entlastet, doch die Rechnung geht nicht für alle auf. Eine neue Analyse des Instituts der Wirtschaft zeigt, wie sich Steuererleichterungen und höhere Abgaben auf Singles, Familien und unterschiedliche Einkommenssituationen auswirken.

Das neue Jahr bringt einige Steuererleichterungen, aber auch höhere Abgaben mit sich. Wer Kinder hat, ein mittleres Haushaltseinkommen und dazu noch pendelt, der kann sich über ein Plus am Jahresende freuen im Vergleich zu 2025. - © Talha - stock.adobe.com/mit KI generiert

Das neue Jahr bringt für Steuerzahler ein gemischtes Bild. Obwohl die Bundesregierung die Einkommensteuer senkt und Familienleistungen erhöht, fressen höhere Sozialbeiträge und Energiekosten die Vorteile oft wieder auf. Eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Vor allem Gutverdienern bleibt am Ende weniger Geld als zuvor.

Von diesen Maßnahmen profitieren Steuerzahler

Zum Jahreswechsel greifen mehrere Entlastungsmaßnahmen. Ein Baustein ist der Ausgleich der sogenannten kalten Progression. Dabei werden die Tarifgrenzen der Einkommensteuer um 2,0 Prozent nach oben verschoben, der Grundfreibetrag steigt auf 12.348 Euro. Zusätzlich profitieren Berufspendler von einer deutlichen Erhöhung der Entfernungspauschale. Diese steigt von 30 auf 38 Cent je Kilometer. Familien können sich über höhere Leistungen freuen: Das Kindergeld steigt um 4 Euro monatlich auf 259 Euro, der Kinderfreibetrag erhöht sich von 3.336 Euro auf 3.414 Euro je Elternteil.

Sozialbeiträge und CO₂-Preis fressen Entlastungen auf

Steigende Belastungen an anderer Stelle schmälern jedoch die positiven Effekte. Besonders ins Gewicht fallen die höheren Sozialversicherungsbeiträge. Die Beitragsbemessungsgrenzen steigen aufgrund der Lohnentwicklung kräftig: In der Kranken- und Pflegeversicherung um 5,4 Prozent, in der Renten- und Arbeitslosenversicherung um rund 5 Prozent. Steigende Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung verschärfen die Situation zusätzlich. Auch der Klimaschutz kostet die Verbraucher mehr Geld: Der CO₂-Preis wird 2026 erstmals über Versteigerungen ermittelt und soll zwischen 55 und 65 Euro je Tonne liegen. Die IW-Experten rechnen mit dem Höchstwert von 65 Euro, was die Energiekosten weiter antreibt. (siehe Überblick: Änderungen 2026)

Mittelstands-Familien profitieren leicht, gutverdienende Alleinerziehende nicht

Die konkreten Auswirkungen hängen stark von der Familiensituation und dem Einkommen ab. Während Singles mit mittleren Einkommen kaum profitieren, sieht es bei Familien in diesem Einkommenssegment besser aus. So hat ein Single mit 50.000 Euro Jahreseinkommen durch die veränderten Parameter lediglich 11 Euro mehr in der Tasche. Erst wer täglich 20 Kilometer zur Arbeit pendelt, profitiert spürbar von den Änderungen mit einem Plus von 121 Euro jährlich – sofern er bereits über dem Wert der Werbungskostenpauschale liegt.

Ein angestellter Single mit 100.000 Euro Jahreseinkommen zahlt zusätzlich 316 Euro Rentenbeiträge, 385 Euro Krankenkassenbeiträge, 86 Euro Pflegeversicherung und 44 Euro Arbeitslosenversicherung. Selbst unter Berücksichtigung aller Entlastungen bleibt eine Mehrbelastung von 239 Euro.

Ein Ehepaar mit zwei Kindern und einem gemeinsamen Einkommen von 90.000 Euro – aufgeteilt im Verhältnis 60.000 zu 30.000 Euro – hat laut IW-Berechnungen 126 Euro mehr zur Verfügung. Bei Pendlern steigt das Plus auf bis zu 231 Euro. Bei Ehepaaren in noch höheren Einkommensstufen ist laut Berechnungen aber mit einem Minus bis 100 Euro zu rechnen.

Das Bild ergibt sich ebenfalls bei Alleinerziehenden mit höheren Einkommen. Trotz der Kindergeld-Erhöhung müssen sie bei einem Jahreseinkommen von 70.000 Euro mit 216 Euro weniger auskommen. Auch hier schlagen die höheren Sozialbeiträge voll durch, während die steuerlichen Entlastungen nicht ausreichen. Im Einkommensbereich unter 50.000 Euro bleiben Alleinerziehenden dagegen rund 30 Euro mehr im Jahr im Vergleich zu 2025.

Die IW-Experten kritisieren, dass die Maßnahmen zur Entlastung der Bundesregierung meist gruppenbezogen seien. Eine breit angelegte Senkung der Einkommensteuer wäre laut den Forschern wirksamer und könnte der schwächelnden Wirtschaft einen dringend benötigten Wachstumsimpuls geben. ewö