Das Modellbauer-Handwerk leidet unter der schlechten Zahlungsmoral der Kunden. Nach Auskunft des Bundesverbandes des Deutschen Modellbauer-Handwerks (Modell und Formenbau) versuchen viele Kunden, die Zahlungsziele zu Lasten der Zulieferer zu verlängern. Dieses Verhalten verschärfe die eh schon schwierige Situation mit Einbrüchen bei Aufträgen und Umsätzen.
Gegen Verlängerung von Zahlungszielen
"Insbesondere aus wichtigen Abnehmerbranchen wie der Automobilindustrie wird vermehrt eine Verlängerung der Zahlungsziele erwartet, die für unsere klein- und mittelständischen Unternehmen unkalkulierbare Risiken birgt und deren Finanzkraft übersteigt“, moniert Heinz-Josef Kemmerling, Geschäftsführer des Bundesverbands Modell- und Formenbau. Eine vollständige Bezahlung von Formen oder Modellen erst 180 Tage nach "Start of Production“ (SOP), also nach Beginn der Serienproduktion, bedeute in der Praxis, dass man sein Geld frühestens nach zwei Jahren sieht. "Da unsere Mitgliedsbetriebe in der Prozess- und Zulieferkette weit vorne stehen, können solche Zahlungsziele existenzbedrohend sein.“
Die Folgen der Insolvenzen bekannter und renommierter Firmen seien verheerend. Intakte Unternehmen könnten durch unverschuldete Forderungsausfälle selber schnell in Zahlungsschwierigkeiten gelangen und damit in eine Folgeinsolvenz. Kreditversicherungen hülfen dagegen nur bedingt, hat Heinz-Josef Kemmerling festgestellt. "Was nutzt dieser teuere Schutz vor Forderungsausfall, wenn der Versicherungsgeber für immer mehr, selbst namhafte Unternehmen mangels Bonität die Versicherungszusagen zurücknimmt oder gar nicht erst gibt“, fragt er. Grundsätzlich handele es sich um ein interessantes Instrument, um seine Forderungen aus Warenlieferungen, Werk- und Dienstleistungen abzusichern. Kemmerling empfiehtl allerdings, die Bedingungen und Konditonen genau zu prüfen. Der Bundesverband hoffe, durch eine Rahmenvereinbarung eine sinnvolle Lösung für Mitgliedsbetriebe schaffen zu können.
Eine ernst zu nehmende Alternative zur Kreditversicherung ist aus Kemmerlings Sicht das Factoring, der Verkauf von Forderungen aus Warengeschäften oder Dienstleistungen. Dieses Finanzinstrument verzeichnet seit einigen Jahren einen stetigen Aufwärtstrend. Hintergrund ist die zunehmend restriktive Kreditvergabe vieler Banken, die Unternehmer veranlasst, sinnvolle Alternativen für die Finanzierung zu suchen. "Angesichts nachlassender Zahlungsmoral und hoher Insolvenzraten ist Factoring ein zeitgemäßes Instrument für eine vorausschauende Unternehmensfinanzierung“, sagt Kemmerling. Das Prinzip: Nach Ankauf der Forderung zahlt der Factor binnen 24 Stunden in der Regel bis zu 90 Prozent des Rechnungsbetrags abzüglich einer umsatzabhängigen Factoringgebühr an seinen Kunden aus. Die verbleibende Summe folgt nach Rechnungsbegleichung durch den Debitor. Vorteil ist nicht nur die kurzfristige Umsatzfinanzierung. Der Factor übernimmt für seinen Kunden auch das Debitorenmanagement sowie alle Risiken eines Forderungsausfalls.
Solche für das Handwerk doch vergleichsweise neuen Finanzierungsformen würden zunehmend wichtiger. Kemmerling mahnt Betriebsinhaber, sich nicht vorschnell und unbedacht auf die geforderten Zahlungsbedingungen mancher Kunden einzulassen. "Wir tun uns und der gesamten klein- und mittelständischen Wirtschaft keinen Gefallen, wenn solch hochriskante Wege im Geschäftsverkehr üblich werden.“