Uhrmacher-Mobil Gegen Azubi-Mangel: Uhrmacher gehen auf die Straße

Mit einer mobilen Werkstatt will das Uhrmacherhandwerk den Nachwuchsmangel stoppen – und einen oft verborgenen Beruf für Jugendliche greifbar machen.

Michael Manßhardt (rechts) und Albert Fischer im Eingangsbereich des Mobils
Erfolgreicher Start: Michael Manßhardt (rechts) und Albert Fischer betreuten auf den ersten Events wie der Internationalen Handwerksmesse das neue "Uhrmacher-Mobil" und machten so Werbung für ihre Branche. - © Michael Manßhardt

Viele Uhrmacher arbeiten still und unauffällig in ihren Werkstätten – fernab von öffentlicher Aufmerksamkeit. Reparieren Liebhaberstücke, arbeiten mit der Geschichte, beraten und individualisieren. Kein Wunder also, dass der Beruf für viele Jugendliche kaum sichtbar ist und oft im Verborgenen bleibt. Eine neue Werbekampagne will das ändern: Die Uhrmacher gehen auf die Straße. Mit einer fahrbaren Uhrmacherwerkstatt.

Mit dem sogenannten "Uhrmacher-Mobil" tourt der Zentralverband zu Schulen, Ausbildungsmessen und Betrieben in ganz Deutschland. Das Ziel mit der vielseitig ausgestatteten Werkstatt auf vier Rädern: Das Handwerk zeigen, Nachwuchs gewinnen und so dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Ideengeber hinter dem Projekt ist Michael Manßhardt, Uhrmachermeister aus Lauingen a.d. Donau. "Ich dachte mir, es wäre das Beste, wenn man vor Ort ist und zu den Menschen kommt. Viele wissen gar nicht, dass es den Beruf gibt", so Manßhardt. Für ihn ist klar: Uhrmacher ist ein Beruf, der Menschen ausfüllen und ein wunderbares Leben bescheren kann. Aber nicht für jeden. "Wir müssen die Leute finden, die wirklich für den Beruf gemacht sind", betont er. Das Uhrmacher-Mobil soll also helfen, dass sich Beruf und Berufene finden.

Mehr als ein Showroom: Technik zum Greifen und Sehen

Der Transporter ist dabei weit mehr als ein rollender Messestand: Es verwandelt sich in einen interaktiven Erlebnisraum, in dem Besucher selbst Werkzeuge in die Hand nehmen und an echten Uhrwerken arbeiten können. Speziell platzierte Kameras übertragen zudem die filigrane Handarbeit live auf Bildschirme – so wird das Handwerk greifbar, selbst für größere Gruppen. "Wir haben darin fast mehr technische Möglichkeiten als in manch klassischer Uhrmacherwerkstatt", freut sich Manßhardt.

Michael Manßhardt mit Interessierten im Mobil im Gespräch
Das Mobil zieht an: Michael Manßhardt (rechts) im Gespräch mit Messe-Besuchern - © Michael Manßhardt

Auch Uhrmacher brauchen Zeit

Doch bis aus seiner Vision ein fahrbarer, mannshoher Showroom wurde, verging einige Zeit. Überzeugungsarbeit beim Präsidenten des Zentralverbands für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik musste er aber nicht leisten: Albert Fischer war von Anfang an begeistert. "Im Verband standen alle sofort geschlossen hinter diesem Projekt und haben die notwendigen Mittel vorbehaltlos genehmigt", blickt er zurück. Dennoch dauerte es, bis Sponsoren gefunden, das Fahrzeug geplant, bestellt und der Umbau abgeschlossen war.

Positives Echo auf neues Werbemittel

Fischer und Manßhardt betreuten das Mobil gemeinsam bei den ersten Veranstaltungen. Die Premieren auf der Inhorgenta und der Internationalen Handwerksmesse in München zeigten schnell: das Konzept funktioniert. "Das Mobil ist hervorragend angekommen", berichtet Manßhardt. Die fahrende Werkstatt zieht nicht nur neugierige Blicke auf sich, sondern schafft es, den Beruf transparent zu machen und versuchsweise auch Teil davon zu sein. Und diese neue Bühne hat die Branche bitter nötig.

Michael Manßhardt, Schulterblick bei der Arbeit an einer Uhrmechanik
Top ausgestattet: Auch am Bildschirm können Besucher bei der Arbeit über die Schulter schauen. - © Michael Manßhardt

Dem negativen Trend entgegen: das Uhrmacherhandwerk im Umbruch

Denn das Uhrmacherhandwerk befindet sich mitten im Wandel. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Innerhalb von 20 Jahren sank die Zahl der Betriebe von fast 3.700 auf 2.100. Gab es früher regelmäßig über 200 Auszubildende, sind es heute nur noch rund 130. Eine Entwicklung, die Sorgen bereitet: weniger Betriebe, weniger Ausbilder, weniger Auszubildende. "Es wird mehr geschlossen, als nachkommt. Dabei steigt der Bedarf", sagt Manßhardt. Sein Ziel: die Ausbildungszahlen verdoppeln.

Handwerk mit vielen Facetten und Optionen

Manßhardt ist überzeugt von der Attraktivität des Handwerks. Der Beruf sei vielseitig, technisch anspruchsvoll und biete zahlreiche Spezialisierungsmöglichkeiten. "Es gibt für jeden, wirklich für jeden in diesem Handwerk eine Facette, in der man sich bewegen kann. Der Beruf des Uhrmachers hat wahnsinnig viele Teilberufe", so Manßhardt. Entsprechend begehrt seien Absolventen der Ausbildung auch auf dem internationalen Markt. Sei es in der Medizintechnik oder in der Feinwerkmechanik.

Zudem gibt es mehrere Möglichkeiten zur Weiterbildung. Manßhardt sieht die Branche als äußerst zukunftssicher und die Potentiale durch weltweite Social-Media-Vermarktung und Individualisierung als enorm groß. "Ich bekomme auch regelmäßig Anfragen für Prototypen aus dem Ausland, ob das jetzt aus den Arabischen Emiraten ist oder aus Amerika", erzählt er der DHZ.

Michael Manßhardt mit Bildschirm und Sicht auf den Heckbereich des Mobils mit Bildschirmen
Schon mehrere Messen hat Michael Manßhardt mit dem Uhrmacher-Mobil besucht. Bis Jahresende stehen noch einige weitere Termine an. Das Ziel dahinter: Menschen mit dem Beruf in Berührung bringen, die Talente begeistern und die Ausbildungszahlen verdoppeln. - © Michael Manßhardt

Nachwuchs gewinnen auf mehreren Kanälen

Schon seit längerem engagiert sich der Verband für mehr Sichtbarkeit und Nachwuchs. Vor acht Jahren startete eine Ausbildungsoffensive, die im Laufe der Zeit zahlreiche Maßnahmen hervorbrachte: eine eigene Ausbildungswebseite (www.wie-tickst-du.de), eine Ausbildungsbörse, Infomaterialien und eine Social-Media-Kampagne, die in diesem Jahr gestartet wurde. Auch kleinere Betriebe werden seit Jahren gezielt bei der Schaffung von Ausbildungsplätzen unterstützt. Das Uhrmacher-Mobil ist nun ein weiterer Schritt, um dem Negativtrend entgegenzuwirken.

Uhrmacher-Mobil das ganze Jahr im Einsatz

Übrigens: Für 2025 ist das Mobil bereits an über einem Dutzend Veranstaltungen im Einsatz – von Fachmessen zu Jahresbeginn über spezielle Handwerkstage bis hin zur Ausbildungsmesse in Nürnberg im Dezember. Bundesweit können Uhrmacher das Mobil kostenfrei für eigene Ideen oder Events ausleihen.

Und damit das Uhrmacher-Mobil noch flexibler unterwegs sein kann, baut der Verband aktuell ein Fahrerpoolsystem auf. Damit die fahrende Werkstatt an noch mehr Orten die Talente auflesen kann.