Ulrich Köster warnt "vor Reparaturen in Eigenregie am Auto". Das muss er auch, denn Köster ist der Sprecher des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Bonn.
Gefahren bei Do-it-yourself-Reparaturen am Auto
Die Bedenken Kösters sind nicht einfach als Werbung für die eigene Branche vom Tisch zu wischen. Denn moderne Autos sind technisch inzwischen so komplex, dass das Kapitel Eigenhilfe in den Gebrauchsanweisungen der Fahrzeughersteller auf wenige Seiten schrumpft und sich zumeist auf Pflegetipps reduziert.
Die Zeiten, in denen man den Ölwechsel am Opel Kadett noch selbst durchführte oder den gerissenen Keilriemen eines VW Käfers mit der Strumpfhose der Freundin reparierte, sind lange vorbei. Jedem ist heute klar, dass unsachgemäße Arbeiten an Bremsen oder der Lenkung verheerende Unfälle nach sich ziehen können.
Doch selbst vermeintlich einfache Arbeiten bergen ihre Tücken. "Wer die Zündkerzen selbst wechselt, sollte bedenken, moderne Zündanlagen verwenden Spannungen von vielen Zehntausend Volt", warnt Hubert Erz, Kfz-Elektromeister in Neuss. Ähnliche Hochspannungen benötigen auch die Lampen des Xenon-Lichts zum Zünden. Das Herumwackeln an einem falsch angeschlossenen Stecker bei eingeschaltetem Licht ist genauso gewagt wie die Berührung einer Strom führenden Leitung im Haus.
Gefährliche Schwefelsäure
Selbst die nur mit zwölf Volt arbeitenden Halogenlampen sind manchmal gefährlich. Die Fachleute in den Kfz-Betrieben tragen daher beim Wechsel eine Schutzbrille. Die Lichtquellen stehen nämlich unter hohem Druck - bis zu 15 Bar. Ist der Glaskolben beispielsweise bei einer durchgebrannten Lampe geschwächt, können schon durch eine ungeschickte Berührung Glassplitter herumfliegen.
Die von der Spannung her ungefährliche Autobatterie kann bei einem Kurzschluss kochen und Schwefelsäure verspritzen. Das kann Bastlern allzu leicht passieren, wenn sie gedankenverloren ein Werkzeug aus Metall so auf den Stromspender legen, dass es die Pole berührt.
Selbst wer sich nur über den Motorraum beugt und die Finger vom Innenraum lässt, lebt nicht ganz ungefährlich. Elektrische Kühlerlüfter laufen mitunter von selbst an, um einen nachheizenden Motor noch ein wenig abzukühlen. Sind dann eine Krawatte, Kleidungsteile oder längere Haare in seinem Einzugsbereich, kann das üble Folgen haben.
Sicherungen brennen nicht ohne Grund durch
"Ein paar Dinge gibt es durchaus, die jeder selber machen kann, sofern es ihn nicht stört, sich die Hände schmutzig zu machen", sagt Maximilian Maurer vom ADAC. Vor jeder Do-it-yourself-Aktion sollte man allerdings die Gebrauchsanweisung seines Autos durchlesen.
So können die Kontrolle wichtiger Betriebsstoffe wie Kühlflüssigkeit, Motorenöl und Reinigungsmittel für Scheibenwischer durchaus in Eigenregie absolviert werden.
Für einige Störungen gibt es Anleitungen zur Selbsthilfe. Dazu gehört meist das Auswechseln durchgebrannter Sicherungen. Allerdings sollte beachtet werden, dass Sicherungen meist nicht ohne Grund ihren Geist aufgeben. Die Ursache sollte auf jeden Fall später vom Fachmann geklärt werden.
"Ob sich der jahreszeitliche Wechsel der Räder zum Selbermachen lohnt und ob man ihn sich zutraut, muss jeder selbst entscheiden", sagt ADAC-Fachmann Maurer. Auch kleinere Lackschäden könne man mit ein wenig Übung selbst beseitigen und damit größeren Schäden vorbeugen.
Wer aus Kostengründen oder weil es ihm Spaß macht, bei seinem Auto gern selbst Hand anlegt, sollte sich die richtigen Handgriffe am besten von einem Experten zeigen lassen. "Das Prinzip Learning-by-doing zahlt sich oft nicht aus. Fehler beim Selbermachen können schnell teuer werden", warnt Maurer.
rh/dapd /Teaserbild: dapd