Gefälschte Meisterbriefe im Umlauf Meisterbrief gegen Bezahlung: Der Betrug mit dem Qualitätssiegel

Der Meisterbrief ist ins Visier von Fälschern geraten. In Baden-Württemberg decken die Handwerkskammern jeden Monat mehrere Betrugsfälle auf. Die rechtlichen Folgen sind erheblich.

Meisterbrief
Zulassungspflichtige Handwerksberufe dürfen nur nach bestandener Meisterprüfung selbständig ausgeübt werden. - © Alexander Stein/picture alliance/JOKER

Meist fällt der Betrug auf, wenn eine Eintragung in die Handwerksrolle erfolgen soll. Dann prüfen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Handwerkskammer die Echtheit des Meisterbriefs. Bei der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald ist das Aufgabe von Alexander Dirks. Dem Leiter des Geschäftsbereichs Meisterprüfung sind in letzter Zeit immer häufiger Fälschungen aufgefallen. Meist handelte es sich um Meisterbriefe, die angeblich in einem anderen Handwerkskammerbezirk ausgestellt worden waren. In solchen Fällen arbeiten die Handwerkskammern zusammen und tauschen sich aus.

Gefälschte Meisterbriefe: Angebote im Internet

Deckt Alexander Dirks die Fälschung auf, kann das erhebliche rechtliche Konsequenzen für die Betrüger haben. Denn die Herstellung, der Verkauf, der Besitz und die Verwendung gefälschter Dokumente sind Straftaten. Die Urkundenfälschung kann mit Geld- oder sogar Gefängnisstrafen geahndet werden. Das betrifft einerseits den Besitzer des gefälschten Meisterbriefs, aber auch diejenigen, die bei den Fälschungen unterstützend tätig sind – wenn sie denn greifbar sind. So gibt es mittlerweile einige betrügerische Webseiten, die Berufszertifikate wie den Meisterbrief anbieten – gegen Bezahlung statt Weiterbildung.

Die Meisterqualifikation ist für Handwerkerinnen und Handwerker mit Aufwand und Mühe verbunden. Dies und der Fachkräftemangel sind für Alexander Dirks die Gründe für die Zunahme gefälschter Meisterbriefe. In der Rhein-Neckar-Odenwald-Region werden laut Dirks monatlich rund drei bis vier Fälschungen registriert. Einen Anstieg spürt er bereits seit ein paar Jahren. "Kamen bis 2021 noch recht wenige Fälschungen zum Vorschein, zählen diese mittlerweile schon fast zur Tagesordnung", sagt er und ergänzt, dass aktuell kein Monat vergehe, in dem er keine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Mannheim einreichen muss.

Urkundenfälschung aufdecken: Austausch der Kammern wichtig

Nicht nur die Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald hat mit gefälschten Meisterbriefen zu kämpfen. Alexander Dirks steht in engem Austausch mit anderen Kammerbezirken, insbesondere in Baden-Württemberg. Auch dort sei eine Zunahme in diesem Umfang zu verzeichnen. Dirks geht davon aus, dass die Urkundenfälschungen auch andernorts Thema sind. Zur bundesweiten Entwicklung liegen zwar keine aktuellen, belastbaren Daten vor, so der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Dennoch hat der Verband die Thematik gefälschter Meisterbriefe nach eigenen Angaben fest im Blick.

Um dagegen vorzugehen, ist vor allem der Austausch zwischen den Kammern wichtig. Prüfen sie gegenseitig die Dokumente, die zur Eintragung in die Handwerksrolle vorgelegt werden, sind die Chancen groß, Betrüger zu entlarven. Gegen die Online-Anbieter der gefälschten Urkunden vorzugehen, ist nach Recherchen von focus.de schwierig. Grund: Deren Server stehen häufig im Ausland oder die Urkunden werden zu Geschenk- oder Deko-Zwecken angeboten. jtw