Herbst-Konjunkturumfrage Gebäudereiniger-Arbeitgeber: "Krankschreibung per Telefon abschaffen"

Laut einer Umfrage im Gebäudereiniger-Handwerk sehen viele Arbeitgeber einen Zusammenhang zwischen telefonischer Krankmeldung und erhöhtem Krankenstand. Auch deshalb blicken die Betriebe zum Teil negativ auf das neue Geschäftsjahr.

Gebäudereinigerinnen reinigen Büro.
Seit Dezember 2023 ist die Krankschreibung per Telefon wieder grundsätzlich möglich. Bei mehr als 71 Prozent der Betriebe im Gebäudereiniger-Handwerk habe sich seitdem der Krankenstand erhöht, so eine aktuelle Umfrage. - © Small365 - stock.adobe.com

Seit Dezember 2023 ist die Krankschreibung per Telefon wieder grundsätzlich möglich. Das hat offenbar Konsequenzen für die Unternehmen des Gebäudereiniger-Handwerks: Bei 71,3 Prozent habe sich der Krankenstand seitdem erhöht. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) unter mehr als 400 Mitgliedsunternehmen.

"Die telefonische Krankschreibung war in der Pandemie sinnvoll – nun gereicht sie unseren Betrieben den Zahlen nach aber eindeutig zum Nachteil", so Verbands-Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich. Er fordert die Abschaffung der Regelung. Ähnlich sehen es die Unternehmen der Branche. Die Mehrheit (81,4 Prozent) wünscht sich ein Ende des Instruments. Rund elf Prozent sind für die Beibehaltung, rund acht Prozent sind laut Umfrage unentschlossen.

Um Arztpraxen und Patienten zu entlasten, wurde die telefonische Krankschreibung Ende 2023 dauerhaft eingeführt. Zuvor handelte es sich um eine Sonderregelung während der Corona-Pandemie. Einen deutlich erhöhten Krankenstand im Vergleich zum Vorjahr bestätigt auch der kürzlich vorgestellte Fehlzeiten-Report der AOK. Die Studienautoren sehen allerdings keinen Hinweis auf einen Missbrauch der telefonischen Krankmeldung. Sie nennen die automatische Übermittlung der Krankmeldungen an die Krankenkassen als einen von mehreren Gründen für die hohen Zahlen. Krankheitsfälle könnten jetzt umfassender erfasst werden.

Düstere Geschäftsprognosen

Neben dem Fokusthema telefonische Krankschreibung hat der BIV auch nach den Geschäftserwartungen der Betriebe im Gebäudereiniger-Handwerk gefragt. Diese sind für das kommende Jahr überwiegend düster: Demnach haben lediglich rund 19 Prozent der befragten Unternehmen eine positive Geschäftserwartung für 2025. Rund 43 Prozent erwarten gleichbleibende Geschäfte, rund 38 Prozent blicken mit negativen Vorzeichen in die Zukunft. Ähnlich kritisch – wenn auch nicht ganz so pessimistisch – fällt der Blick auf das laufende Jahr 2024 aus. Nur noch rund 20 Prozent (Frühjahr: rund 25 Prozent) der befragten Unternehmen rechnen im laufenden Jahr mit guten Geschäften.

Sorgen vor politischem Eingriff in die Tarifautonomie und steigende SV-Kosten

Zwei Themen bereiten den Unternehmen laut Umfrage besonders große Kopfschmerzen. Auf der Skala ganz oben (von eins bis zehn) rangiert mit 8,5 Punkten die Sorge vor zunehmendem Eingriff der Politik in die Tarifautonomie – sei es der erneute Eingriff der Bundespolitik in den gesetzlichen Mindestlohn oder Vergabemindestlöhne in Städten oder Bundesländern.

Mit 7,8 Punkten ebenso hoch gewichtet ist die Sorge der Unternehmen vor explodierenden Kosten im Sozialversicherungssystem (SV): Dabei sehen die befragten Betriebe mit 45 Prozent die größte finanzielle Sprengkraft im Bereich der Krankenkassen, dicht gefolgt vom Rentensystem mit rund 40 Prozent. ew