Immer weniger neue Wohnungen, kaum soziale Entlastung: Der Verband GdW rechnet 2025 mit einem massiven Rückgang beim Neubau. Vor allem der soziale Wohnungsbau leidet unter steigenden Preisen und ausbleibender Förderung.

In Deutschland entstehen immer weniger bezahlbare Mietwohnungen. Axel Gedaschko, Präsident des GdW – Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, sprach angesichts aktueller Verbandszahlen von einer "bitteren Pille". Für 2025 erwartet der GdW bei seinen Mitgliedsunternehmen nur noch rund 17.700 fertiggestellte Wohnungen – ein Rückgang von etwa 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Auch der Blick nach vorne sieht nicht wirklich verlockend aus", sagte Gedaschko. Er forderte eine politische und regulatorische Kehrtwende beim Wohnungsbau.
Rückgang bei Neubauinvestitionen – Bestand stabiler
Insgesamt rechnen die rund 3.000 sozial orientierten Wohnungsunternehmen des GdW für 2025 mit einem Rückgang der Investitionen in den Neubau um knapp 20 Prozent – auf 6,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 8,0 Mrd. Euro). Die Investitionen in den Bestand sollen dagegen um 4,7 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro sinken. Die gesamten Investitionen würden damit 2025 voraussichtlich um rund 11 Prozent auf 17,6 Milliarden Euro zurückgehen (Vorjahr: 19,7 Mrd. Euro). Als Gründe nannte Gedaschko hohe Baukosten und Zinsen, massive Auflagen sowie eine unzureichende Förderkulisse.
Baukosten seit 2019 um fast 50 Prozent gestiegen
Allein die Kosten für Bauleistungen im Neubau seien seit 2019 um 45,7 Prozent gestiegen, die für Ausbauarbeiten sogar um knapp 50 Prozent. Im gleichen Zeitraum seien die Verbraucherpreise insgesamt nur um 21,4 Prozent gestiegen. Auch die Nominallöhne hätten nicht Schritt gehalten. "Deshalb bauen die Unternehmen nur noch geförderte Wohnungen, weil diese dann auch für die Menschen bezahlbar sind", so Gedaschko. Eine Entwarnung gibt er nicht: "Die Preise haben sich auf viel zu hohem Niveau stabilisiert – und sie steigen weiter."
Sozialwohnungsbau wächst nur schleppend
Die gestiegenen Baukosten bremsen auch den sozialen Wohnungsbau. Zwar fließe laut Gedaschko insgesamt mehr Geld in diesen Bereich, doch das Plus bei den neu geschaffenen Sozialwohnungen falle geringer aus als erhofft. 2024 wurden laut GdW bundesweit 27.000 Sozialwohnungen fertiggestellt (Vorjahr: 23.115). Die Zielmarke der Bundesregierung liegt jedoch bei 100.000 pro Jahr.
GdW fordert Vorrang für Wohnungsbau
Auch übermäßige Bürokratie und lange Verfahren erhöhen laut Verband die Baukosten. Der GdW fordert daher eine EU-Notfallverordnung – analog zur Regelung für den Ausbau der erneuerbaren Energien. "Was bei Windrädern möglich ist, muss auch beim Menschenrecht auf Wohnen gelten", sagte Gedaschko. In akuten Mangellagen solle das öffentliche Interesse an bezahlbarem Wohnraum bei Genehmigungs- und Planungsverfahren Vorrang vor anderen Belangen wie Natur- oder Denkmalschutz erhalten.
Förderung für Effizienzhäuser EH-55 reaktivieren
Zur Wiederbelebung des Neubaus fordert der GdW die Wiedereinführung der Förderung für Effizienzhäuser (EH-55). Laut einer Verbandsumfrage könnten allein bei den GdW-Mitgliedern kurzfristig 17.000 Wohnungen gebaut werden, deren Planungen derzeit wegen unzureichender Finanzierung auf Eis liegen. Hochgerechnet auf den gesamten Wohnungsbau ergäbe das ein Potenzial von bis zu 51.000 neuen Wohnungen. Dafür seien Fördermittel in Höhe von 1,5 Milliarden Euro notwendig – verteilt auf Zuschüsse und Zinsvergünstigungen über zehn Jahre, so Gedaschko.