Schengen-Abkommen als "Schönwettermodell" bezeichnet GdP fordert verstärkte Grenzsicherung

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert wegen des Flüchtlingsstroms aus Nordafrika eine verstärkte Grenzsicherung. Der Chef des Bereichs Bundespolizei in der GdP, Josef Scheuring, sagte dem Nachrichtenmagazin "Focus", die Polizei erwarte in den nächsten Wochen "eine große Welle von illegalen Immigranten, die über EU-Außengrenzen nach Deutschland einsickern".

Foto: dapd

GdP fordert verstärkte Grenzsicherung

München (dapd). Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert wegen des Flüchtlingsstroms aus Nordafrika eine verstärkte Grenzsicherung. Der Chef des Bereichs Bundespolizei in der GdP, Josef Scheuring, sagte dem Nachrichtenmagazin "Focus", die Polizei erwarte in den nächsten Wochen "eine große Welle von illegalen Immigranten, die über EU-Außengrenzen nach Deutschland einsickern".

Die GdP erwarte nicht nur aus Richtung Italien viele Flüchtlinge. Auch Griechenland und andere südeuropäische Länder seien potenzielle Zwischenstationen auf dem Weg nach Europa, sagte Scheuring in dem am Freitag vorab veröffentlichten Interview. Das Schengen-Abkommen der EU sei unzulänglich. Wenn der Druck wie in Italien zu groß werde, breche das "Schönwettermodell" zusammen. Nach dem Schengener Abkommen finden Kontrollen nur noch an den Außengrenzen statt, im Binnenraum besteht für Personen Reisefreiheit. Die gilt auch für Reisende aus Drittländern, die aus einem der Schengen-Mitgliedsländer eine Aufenthaltsgenehmigung haben.

Im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsstrom über das Mittelmeer nach Italien hatte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) am Mittwoch im Bundestag betont, Deutschland werde angesichts der Lage keine Grenzkontrollen einführen und das Schengen-Abkommen rückgängig machen.

Auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa sind bereits rund 23.000 Flüchtlinge gestrandet. Italien hat damit begonnen, ihnen befristete Aufenthaltspapiere auszustellen, mit denen sie auch in andere EU-Staaten weiterreisen können. Deutschland und viele andere Mitgliedsstaaten werfen Italien deshalb vor, den Schengen-Raum zu gefährden, und weigerten sich, einige der betroffenen Menschen aufzunehmen. Die Bundesregierung erklärte sich bereit, 100 der Flüchtlinge ins Land zu lassen, die bislang auf Malta festsitzen.

dapd